Eigentlich ist der Betrieb im kleinen Marktleugaster Ortsteil Marienweiher eine ganz normale Schreinerei. Eigentlich. Wenn Denny Friedrich nicht diese Händchen für ungewöhnliche Kreationen hätte. Mit seinen Ideen begeisterte er jetzt zwei Kölner Sterneköche, deren Lokal der Betrieb mit ausgestattet hat.
Holz-Beton-Kombinationen haben es dem 29-Jährigen angetan, der vor seiner Schreinerlehre ein Bau-Ingenieursstudium an der Fachhochschule in Coburg abgeschlossen hat. "Da hat sich mein Faible für Beton entwickelt", sagt er rückblickend.
Über zwei Jahre hat er getüftelt und seine Technik verfeinert, bis er mit seinen Holz-Beton-Kreationen zufrieden war. "Wie man in Köln sieht, hält das höchsten Ansprüchen stand und sieht wertig aus", sagt er nicht ohne Stolz.
Handwerk hat in der Familie Friedrich Tradition. Dennys Uropa und Opa waren Wagnermeister, sein Vater ist Schreinermeister, und sogar seine Schwester hat mit ihm die Schreinerausbildung absolviert. Die beiden haben mit Auszeichnung bestanden.. Gemeinsam arbeiten die beiden im Familienbetrieb - unterstützt von ihrem Vater, auf dessen Rat und Erfahrung beide vertrauen.
Aber als junge Leute setzen sie natürlich nicht nur auf Tradition, sondern auch auf die modernen Kommunikationswege. Über ein Internet-Portal bietet die Schreinerei ihre Dienste an und ist damit schon weltweit an Aufträge gekommen. So bestellte beispielsweise ein Mann aus San Francisco in Marienweiher ein außergewöhnliches Sideboard. Eine neue Anfrage liegt auch schon vor. Auch die Kölner Sterneköche stießen über das Internet auf den Betrieb im beschaulichen Oberfranken.
"Die wollten auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches", erzählt der 29-Jährige über die ersten Kontakte. Schnell sei man auf die Beton-Holz-Kombination gekommen. Nach dem von ihm ausgetüftelten Verfahren habe er dann zehn Tische, die Barplatte und einen Schrank gebaut. Ein ausgefallenes Werbeschild gab es als Geschenk zu Einweihung von Denny dazu. "Die Zusammenarbeit war locker." Natürlich ließ es sich der Schreiner aus Marienweiher nicht nehmen, selbst die Einrichtung nach Köln zu liefern und die Sterneköche persönlich kennenzulernen.
Beide Seiten waren sich sofort sympathisch. Sternekoch Erik Scheffler, der mit seiner Kollegin Sonja Baumann das "Neo/Biota" betreibt, für das der Marktleugaster einen großen Teil der Einrichtung geliefert hat, sagt über den Mann aus Marienweiher: "Wir hatten eigentlich nur E-Mail-Kontakt und haben uns erst am Tag der Auslieferung kennengelernt. Aber ich hatte immer ein gutes Gefühl und Vertrauen zu Denny." Vertrauen, das berechtigt war. "Wir waren begeistert. Und auch die Gäste finden die Optik der Möbel spitze. Es gab schon viele Anfragen, wo wir die Sachen her haben", berichtet der Kölner.
In der Praxis haben sich die Möbel bereits bewährt. "Vorher hatte ich die Sorge, dass sich Flecken bilden könnten. Das ist aber nicht passiert. Einmal drüber wischen, und alles ist gut", ist er mehr als zufrieden.
In dem Szenelokal setzen Scheffler und seine Berufs-Partnerin, die jahrelang in einem Gourmet-Restaurant Seite an Seite in der Küche standen, auf eine entspannte Atmosphäre und hochwertige Speisen. Wer mehr über das Lokal wissen will, die Internet-Adresse lautet www.restaurant-neobiota.de.
Dass ein kleiner Betrieb aus seiner Gemeinde bundes- und sogar weltweit Aufträge an Land zieht, freut Bürgermeister Franz Uome umso mehr, als dass die Kommune mit der Schließung des Werks des Kinderwagenherstellers Recaro erst vor kurzem einen herben Schlag hinnehmen musste.
Deshalb sei er glücklich über jeden Arbeitsplatz, den Betriebe wie die Schreinerei Friedrich GmbH - eine von vier Schreinereien in der Gemeinde - schaffen. Uome verweist zudem darauf, dass es dem 29-Jährigen gelungen ist, mit dem Neo/Biota aus einer ungewöhnlichen Branche einen Auftrag zu erhalten. "Das bietet die Möglichkeit, sich abzuheben."