"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an": Der verstorbene Udo Jürgens wusste in seinem gleichnamigen Song zu Lebzeiten zu besingen, dass in diesem (Altenteil-)Alter noch gar vieles geht. Die Bierwoche wird heuer 66 Jahre jung - und die Kulmbacher haben sichtlich ihren Spaß daran. Die Traditionsveranstaltung ist, um im Liedtext zu bleiben, gut in Schuss. Und mit 66 ist sicher noch lange nicht Schluss.

Auf Udo Jürgens' Rentner-Song spielte Oberbürgermeister Henry Schramm am Samstag um kurz nach 10 Uhr in seiner Begrüßungsrede auf der Rathaustreppe an. "Das Fest der Feste für Kulmbach gibt sich modern und weltoffen, aber auch traditionsbewusst und heimatverbunden." Und so erfreuten sich neben den Gästen aus Politik, Wirtschaft , Wissenschaft und Kultur diesmal auch ein Botschafter aus Kolumbien und eine Delegation aus China (in Dirndl und Lederhose) am Tanz der Büttner, begleitet von der Stadtkapelle Kulmbach unter ihrem "Generalmusikdirektor" Thomas Besand, wie OB Schramm es ausdrückte. Den nicht zu überhörenden Start-Schuss zum Zug ins Zelt gaben die Bischofsgrüner Böllerschützen.

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Unter dem Beifall der Auftaktbesucher im nahezu proppenvollen Stadel bezogen Schramm und der Vorstand der Kulmbacher Brauerei mit Markus Stodden, Otto Zejmon und Jörg Lehmann ihre Posten auf der Bühne. Dort wartete einmal mehr das ominöse erste Bierfass aus das Stadtoberhaupt. Henry Schramm wischte sich kurz die Hände an der Lederschürze ab, dann platzierte er mit Augenmaß den Zapfhahn und trieb ihn mit einem zackigen Schlag hinein. Kein Spritzer, kein Wackler.



Jubel im Stadel - und des Oberbürgermeisters Albtraum wurde nicht wahr. In seinem Gedicht zum Anstich hatte Schramm von einem nächtlichen Schreckensszenario gesprochen, das sich darum drehte, dass der Brauerei das Bier ausgeht! Die schlimmste Vorstellung für Bierfest-Freunde.

"Ich hab geträumt von einem Fest
das schöner ist als all der Rest.
Mit Essen, Trinken, Fröhlichkeit,
mit viel Musik und netta Leut.

Doch dann auf einmal - welch ein Graus
ruft einer laut: "Das Bier ist aus!"
Die grade noch vergnügten Seelen
schrein aus ihren trocknen Kehlen:
"Markus, Henry - spinnt denn Ihr?
A Bierfest und Ihr habt ka Bier?!"

Des Volkes Zorn nimmt seinen Lauf
Gott sei Dank - dann wach ich auf.
Gleich ruf ich Markus Stodden an:
Braut bloß genug, denkt fei dran!"

Doch unser Chef der Brauerei
sagt: "Mensch OB, stress` Dich net nei.
Wir ham gebraut das ganze Jahr.
Es gibt genug, schmeckt wunderbar."

Und weil ich weiß, dass das auch stimmt,
der Traum ein gutes Ende nimmt."

Kaum hatte Schramm seines Amtes gewaltet und die ersten Krüge vollgemacht, gab es drinnen einen Tusch - und draußen einen "Duscher" aus dem großen Himmelsfass. Ein kurzer Schauer ging über dem Marktplatz nieder, der Regen prasselte fast im Takt zur Musik der Stadtkapelle aufs Zeltdach.

Nicht weniger feucht (und fröhlich dazu) ging es in den Bierbankreihen zu. Die Bedienungen waren von den ersten Minuten an im Dauereinsatz. Um das Wohl der Gäste kümmern sich bis einschließlich nächsten Sonntag die Festwirte Günter Limmer (Kapuziner-Ecke), Fritz Räther (Eku), Matthias Wuschek (Kulmbacher) und das Ehepaar Werner und Edeltraut Glaser (Möchshof).

Händeschütteln und zuprosten - das taten die Bierfest-Promis im Minutentakt. Die bayerische Biertkönigin Marlene Speck aus Starnberg genoss sichtlich das bunte Treiben vor und im Stadel. Die Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD) hatte noch einen rot-weißen Herzchenabdruck auf der Wange, "gepostet" von einem der umtriebigen Spaßmacher des Büttnervereins, der in diesem Jahr auf die erste Erwähnung vor 250 Jahren blicken darf. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) wurde immer wieder beglückwünscht zu der guten Nachricht, die sie aus dem Bundesverkehrsministerium mitbrachte: dass nämlich 36 Millionen Euro für die Untersteinacher Umgehen fließen werden.

Das kann noch etwas dauern. Das Bier aber, das fließt schon jetzt reichlich.