Jeder erlebt im Alltag Situationen, in denen mit dumpfen Parolen und platten Sprüchen Vorurteile verbreitet werden. Der Mitschüler wird wegen seiner Herkunft beschimpft, die Nachbarin erregt sich über "schmarotzende und kriminelle Ausländer" und der Kumpel beschwert sich auf einer Party über Migranten, die den Deutschen die Jobs wegnehmen.

Wer die Verallgemeinerungen nicht leiden mag, möchte oft gerne etwas dagegen setzen. Aber was und wie? Gegen Schwarz-Weiß-Denke ist häufig schwer anzukommen.


Gute Argumente kann man lernen


Für diejenigen, die solchen Konfrontationen selbstsicher, angemessen und mir guten Argumenten begegnen wollen, bietet die Adalbert-Raps-Stiftung am 16. und 17. September kostenlos das Seminar "Argumentationstraining gegen Stammtischparolen" an. Dabei wird das Thema nicht nur theoretisch beleuchtet, sondern Seminarleiter Jürgen Schlicher bietet Übungen an, die sowohl situatives Handeln als auch nützliche Kommunikationstechniken spielerisch erproben. Unterstützt werden die Übungen durch zahlreiche Informationen und Materialien.

Jürgen Schlicher und sein Unternehmen "Diversity Works" sind den Kulmbachern schon durch die ebenfalls von der Adalbert-Raps-Stiftung finanzierten "Blue-eyed"-Trainings gegen Rassismus und Diskriminierung bekannt. Sechs Seminare mit insgesamt 150 Teilnehmern haben in Kulmbach stattgefunden.

Warum engagiert sich die Raps-Stiftung gegen Diskriminierung und Stammtischparolen? "Es ist uns ein Herzensanliegen, solchen negativen Tendenzen etwas entgegenzusetzen", sagt Stiftungsreferentin Yola Solveig Klingel. "Mir fallen so viele Situationen ein, in denen ich gerne etwas gesagt hätte, aber im entscheidenden Moment einfach sprachlos war."

Das Argumentationstraining gegen Stammtischparolen sei die logische Fortsetzung der "Blue-eyed"-Seminare, bei denen es darum ging, selbst einmal die Erfahrung zu machen, wie es sich anfühlt diskriminiert zu werden. "Im Nachfolgeseminar wird jetzt zwei Tage lang geübt, wie man dagegen hält. Wir wollen denen, die solche Situationen nicht einfach hinnehmen wollen, die Kraft und die Sicherheit geben, ihre Stimme zu erheben."

Warum brauchen wir solche Trainings? "Die Erfahrung zeigt, dass die Konfrontation mit den dumpfen Parolen die meisten von uns unvorbereitet trifft", sagt Jürgen Schlicher. "Es gibt einen Schockmoment, in dem man reagieren möchte, aber nicht weiß, was man sagen soll. Später fällt einem dann ein, was man hätte sagen können, aber dann ist es schon zu spät."

Das Training biete die Möglichkeit, sich intensiv mit Stammtischparolen auseinander zu setzen und Rede- und Verhaltensweisen einzuüben, die aus dem ohnmächtigen Schweigen herausführen.


Widerspruch ist wichtig


Worin liegt die Gefahr, die platten Sprüche unwidersprochen im Raum stehen zu lassen? "Das führt dazu, dass die Unentschiedenen, die noch keine gefestigte Meinung zu dem Thema haben, gar nicht mitbekommen, dass es Leute gibt, die das nicht in Ordnung finden. Und das nur, weil sich keiner dagegen zu halten."


"Eine krasse Erfahrung"


Jürgen Schlicher wünscht sich, dass möglichst viele Menschen den Mut finden zu widersprechen. Das Rüstzeug dafür vermittelt er im Argumentationstraining.

Bereits für das Seminar angemeldet hat sich Manuel Bär, der auch schon bei "Blue eyed" dabei war. Der 22-Jährige studiert Betriebswirtschaft in Hof und absolviert ein Praktikum bei der Raps-Stiftung. "Das war schon eine krasse Erfahrung, aber auch eine wichtige. Eine so harte Diskriminierung hatte ich zuvor noch nie miterlebt." Vielleicht habe er früher aber auch nur zu wenig darauf geachtet: "Wenn man so ein Training mitgemacht hat, geht man mit offeneren Augen durch die Welt."
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