Die Türme mit den vergoldeten Hauben streben nach oben in einen seidenweichen Blauhimmel, den später Sterne erstrahlen lassen. Der historische Innenhof umfängt einen wie eine liebende Frau, es ist Thurnauer Schlosskonzert und alles ein bisschen anders.

Die Flammen der Fackeln bewegen sich im lauen Abendwind, dazu warmer Laternenschein. Man lehnt sich zurück und genießt Musik von ganz jungen Leuten und erfahrenen Interpreten, erfrischende Fröhlichkeit und ein Hauch von Melancholie machen sich breit, für drei Stunden eine heile Welt. Dann Flanieren in den Gemäuern, im neu sanierten Unteren Schlosshof, Romantik pur. Über 500 Besucher sind einfach glücklich. Und sie hatten allen Grund dazu: Ein imponierendes Jugendorchester des heimischen Musikvereins mit einem engagierten Heimo Bierwirth am Taktstock, später verstärkt durch das Hauptorchester. Thurnauer Blasmusikkunst, die klassisch, mit Filmmusik und modernen Arrangements gleichermaßen zu überzeugen weiß. Schwingende Effekte, furiose Fortissimi, im Stück "Schmelzende Riesen" werden Naturphänomene in ihrer Urgewalt und Verletzlichkeit hörbar. Querflötensoli, der Fluss der Töne breitet sich unaufhaltsam aus, die Holzbläser inspirieren in feiner Nuancierung. Laienmusik in guter Qualität. Vorsitzender Martin Koslowsky hat allen Grund, stolz zu sein auf den Musikverein Thurnau.

Eine Menge Professionalität bringen "Die Böhmischen Franken" in den späteren Abend, alles ausgesuchte Virtuosen. Sie unterhalten mit Dirigenten Robert Bernt in Ernst Mosch-Manier. Polka, Walzer, Märsche, Schwelgen in böhmisch-mährischer Seligkeit. Authentisch und solistisch prächtig treten sie auf , animieren zum Mitklatschen und Mitwippen, zum Schluss singen alle "Egerland, mein Heimatland" und die Verbrüderung in den Zuschauerreihen ist hergestellt. Da steht auch Hans Schwender, Initator und Sponsor des Schlosskonzerts, die Freude ins Gesicht geschrieben über das wunderschöne Ereignis. "Ich will auch auf dem flachen Land was bewegen, hier lebt es sich gut", Und die Zuhörer danken es ihm mit langanhaltendem Beifall.

Sie sei Fan des Schlosskonzerts, sagt Irene aus Katschenreuth,komme seit Jahren. Das Ambiente und die Musik sind für sie ausschlaggebend. "Heuer gibt es für mich noch ein Highlight, weil erstmals mein Patenkind Luisa an der Trompete im Nachwuchsorchester mitwirkt". Wilhelm Kneitz aus Wirsberg ist ebenfalls Stammgast, "ich liebe die Volksmusik, die Thurnauer sind gut". In idealer Umgebung und bei bestem Wetter mache das richtig Spaß. Immer andere Musikgruppen als Beigabe bringen Schwung, anschließend sitzt man in netter Gesellschaft zusammen.

Noch ein bisschen aufgepuscht ist Hannes Näther nach dem Konzert, der Schlagzeuger des Jugendorchesters. Der Elfjährige aus Limmersdorf ist ein wichtiger Mann, "Heimo sagt zu mir immer, du als Taktgeber bis der zweite Dirigent". Hannes verrät, dass er schon mit drei Jahren erste Versuche mit den Stöcken unternommen habe, sein Bruder Max sei sein Vorbild. Dieser sitze im Hauptorchester am gleichen Instrument. Um sich weiter zu verbessern, nehme er nebenbei privat Musikunterricht, will später mit Freunden eine Band gründen. Und Lukas Haßfurther, der Tannfelder, zeigt sich zufrieden mit dem Auftritt, "es lief prima heute Abend trotz der Temperaturen". Der Altsaxophonist kommt aus der früheren Bläserklasse, hat sich emporgearbeitet, spielt seit sechs Jahren. Der 14-jährige: "Mir gefällt das Du- zu Du-Verhältnis mit dem Dirigenten, da gibt es kaum Stress". In der Gemeinscahft zu musizieren, fördere auch Rücksichtnahme und den Teamgeist.



Bild 8331,33,51,52: Das Jugendorchester ist auf einem guten Weg, zeigte sich von seiner besten Seite. Bild 8356: Lukas Haßfurther. Bild 8358: Hannes Näther. Bild 8366,67. Für die Böhmischen Franken gab es viel Beifall.