Es ist kurz vor sieben und ich bin mit dem Fahrrad auf dem Heimweg von der Redaktion.

Ich trete, was das Zeug hält. Über mir grollt der Donner, rings um mich herum zerplatzen schwere Regentropfen auf dem warmen Asphalt, die Luft dampft: Es ist nur noch eine Frage von Minuten, bis das Unwetter losbricht, und dann will ich zu Hause sein.

Aus einer Seitenstraße kommt ein kleiner Junge, vielleicht zehn, elf Jahre alt. Er trägt ein Fußballtrikot, die blonden Haare sind verstrubbelt und verschwitzt. Die Schnürsenkel der Turnschuhe sind offen, die Knie sind schwarz und sehen nach einem harten Einsatz auf dem Bolzplatz aus. Gelassen schlendert der Bub dahin, er scheint keine Eile zu haben.

Plötzlich bleibt der Kleine stehen, hebt sein Fußballtrikot hoch, streckt den mageren Bauch den immer dickeren Tropfen entgegen, breitet die Arme aus, schließt die Augen - und lächelt das Lächeln eines Genießers.
Schlechtes Wetter? Das ist vermutlich einfach nur Ansichtssache!