Ein Thema, das die drei Bürgermeister-Kandidaten im überfüllten Saal des Bräuwercks am Donnerstagabend diskutierten, ist die Parksituation im Zentrum. Dass dort keine Möglichkeit besteht, weitere Stellplätze zu schaffen, weiß Rudolf Bock (SPD). Er schlug vor, Hinweisschilder auf die verschiedenen Parkmöglichkeiten in der Nähe aufzustellen. "Man muss nicht unbedingt vor der Tür parken, sondern auch mal 500 Meter laufen", sagte er. Allerdings sollten für Behinderte drei bis vier Stellplätze vor dem Bräuwerck ausgewiesen werden. Über kurz oder lang komme man nicht um Kontrollen herum.

Für Harald Hübner (CSU) war es ein erster richtiger Schritt, Parkflächen zu markieren. Man müsse über weitere Parkplätze in der Bergmühlgasse nachdenken. Ein "großer Wurf" wäre es in seinen Augen, wenn man unterhalb der Apotheke 25 bis 30 Stellplätze schaffen könnte. Das könne durch ein Parkhaus wie in Wirsberg geschehen - nur schöner. "Das wäre für den Ort eine Aufwertung." Dazu seien aber Fördergelder nötig. Aus eigener Kraft könne das die Gemeinde nicht schaffen.

Vorsichtig vorgehen
Björn Sommerer riet zu einem vorsichtigen Vorgehen: "Man sollte nicht den ganzen Ort mit Parkplätzen zupflastern." Denn das schaffe auch Unfrieden durch Lärmbelästigung (Zuschlagen der Türen). Er verwies auf Abstellmöglichkeiten beim Zahnarzt und bei der ehemaligen Edeka. Weitere Stellplätze in der Bergmühlgasse wären zu überlegen, man müsse eine vernünftige Lösung suchen. "Der Zustand jetzt ist nicht tragbar."

Doch nicht nur die Parkplatz-Situation bereitet Sorgen. Unklar ist, was mit dem Eishaus geschieht, in dem das Kunst- und Wissenschaftsprojekt "50. Breitengrad" geplant war. Denn das Projekt ist ins Stocken geraten.
"Es muss alles finanzierbar sein. Wenn die Kosten zu hoch sind, muss man auf die Bremse treten und nach Alternativen suchen", erklärte Björn Sommerer. Man dürfe nicht auf dem Rücken der Bürger unnötig viel Geld ausgeben. Vielleicht bestehe mit dem Verein Focus Europa und Künstlern die Möglichkeit, das Projekt zu beenden.

"Die Zeit wird zeigen, ob das Projekt noch realisiert werden kann", sagte Rudolf Bock. Sonst müsse man sich Gedanken machen, wie man das Gebäude nutzen kann. Zum Beispiel durch Vereine und Künstler. Auch die Durchführung von Kongressen sei eine Möglichkeit. "Das Vorhaben ist noch nicht endgültig gestorben, aber man muss Alternativen andenken."



Die Kosten für die geplanten Multimedia-Projekte und die teure Ausstattung zum 50. Breitengrad bereiten Harald Hübner Kopfschmerzen. "Wenn man denkt, wie schnell Technik veraltet und ersetzt werden muss ..." Für ihn ist die Einrichtung eines touristischen Info-Zentrums eine Alternative, über die es nachzudenken gelte. In dieses Projekt könnten die umliegenden Gemeinden eingebunden werden. "Dann hätte dieses Info-Zentrum zugleich überregionale Bedeutung."

Die Ämter trennen
Auch das Engagement von Verwaltungsleiter Rainer Schimpf als ehrenamtlich tätiger Vorstand der Bräuwerck AG wurde angesprochen. Harald Hübner erklärte dazu, dass Schimpf die Person ist, die die Baustelle begleitet hat. Nach deren Ende müsse natürlich eine klare Trennung zwischen den beiden Ämtern verfolgen. Auch Björn Sommer sprach sich dafür aus, ab einem bestimmten Punkt auf eine Vermischung zu achten. Das sah auch Rudolf Bock so: "Wenn das Projekt abgeschlossen ist, wird es sicher eine gute Lösung geben."

Wie schätzen sich die Kandidaten gegenseitig ein? Das wollte Moderator Redaktionsleiter Alexander Müller von den drei Bewerbern um das höchste Amt in der Gemeinde wissen. Und die lobten sich gegenseitig.

Rudolf Bock über Harald Hübner: "Wir kennen uns aus der Schule. Er hat ein ruhiges, ausgleichendes Wesen und ist nicht der Typ, der sich in den Vordergrund drängt."

Harald Hübner über Björn Sommerer: "Björn ist ein freundlicher, aber auch streitbarer Mensch. Er hat Gutes für die Gemeinde im Sinn."

Björn Sommerer über Rudi Bock (in Anspielung auf dessen Engagement bei den Schützen): "Er ist ein angenehmer, freundlicher Zeitgenosse, der immer ins Schwarze trifft."

Braucht die Neudrossenfelder Schule einen Hausmeister, der sich ausschließlich um diese Leigenschaft kümmert oder einen Facility-Manager, der für mehrere gemeindliche Gebäude zuständig ist? In dieser Frage unterschied sich die Meinung von Harald Hübner deutlich von den anderen Kandidaten.

Harald Hübner sprach sich dafür aus, einen Facility-Manager einzustellen, der nicht nur für die Schule verantwortlich ist, sondern in den Bauhof integriert wird. "Ein reiner Schul-Hausmeister wird es mit Sicherheit nicht sein", stellte er klar. "In der Schule gibt es genügend Arbeit für eine Vollzeitstelle", erklärte dagegen Rudolf Bock. Auch für Björn Sommerer ist das keine Frage: "Wir brauchen einen festen Hausmeister."

Das Bräuwerck ist keine Konkurrenz zur bestehenden Gastronomie, sondern eine Bereicherung für die ganze Gemeinde. Darin waren sich alle drei Bürgermeister-Kandidaten einig. Das Bräuwerck locke mehr Leute nach Neudrossenfeld, davon profitieren auch die anderen gastronomischen Betriebe, ist die Überzeugung von Harald Hübner. Zudem habe das Bräuwerck den Charakter einer Begegnungsstätte. "Ich bin der absoluten Überzeugung, dass es keine Konkurrenz ist", stimmte auch Björn Sommerer zu. Würde man das Radwegenetz verbessern, würde das noch mehr Gäste anlocken. "Die Bürger sind jetzt aufgerufen, das Bräuwerck mit Leben zu füllen", appellierte Rudolf Bock an die Besucher. Das Bräuwerck habe noch viel Potenzial.

Wie viele Einwohner hat Neudrossenfeld? Da kursierten am Donnerstagabend im Bräuwerck verschiedene Zahlen. In der Diskussion um die Ausweisung eines neuen Wohnbaugebiets brachte Rudolf Bock die Zahl 4002 ins Gespräch. Damit habe Neudrossenfeld erstmals die 4000er-Marke geknackt und könne ein leichtes Wachstum verzeichnen. Über diese Zahl staunte Björn Sommerer. Denn seiner Information zufolge hat Neudrossenfeld als einer der größeren Gemeinden im Landkreis Kulmbach nur 3802 Einwohner. Da habe sich Bock wohl verzählt, schmunzelte er. Unsere Zeitung hat in der Gemeindeverwaltung nachgefragt: Die offizielle Einwohnerzahl (Stand 30. Juni 2013) liegt bei 3834.