Seit Jahren stützt der Landkreis Kulmbach den städtischen Schlachthof finanziell. Und das Geld ist gut angelegt. Der Leiter des Schlachthofs, Dirk Grühn, erklärte den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses, dass die einst hoch defizitäre Einrichtung längst wieder "auf einem guten Kurs" ist.


Wichtiger Mosaikstein für den Lebensmittelstandort


Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) hatte eingangs darum gebeten, den für den internen Teil vorgesehenen Bericht öffentlich vorzustellen, schließlich habe man "nichts zu verbergen". Landrat Klaus Peter Söllner (FW) bekräftigte den Willen des Kreistags: "Er steht zum Schlachthof, weil er ein wichtiger Mosaikstein für den Lebensmittelstandort Kulmbach und die Genussregion Oberfranken ist." Nach intensiven Diskussionen, so Söllner, habe der Kreistag 2011 beschlossen, sich an den defizitären Betriebskosten zu beteiligen. Damals habe der Schlachthof vor dem Aus gestanden.

Schramm verwies darauf, dass sich in Bayern nur noch zwei Kommunen einen Schlachthof leisten. Zu Beginn seiner Amtszeit 2007 habe der jährliche Verlust noch bei rund einer halben Million Euro gelegen. Durch die Einstellung des neuen Leiters Dirk Grühn habe sich die finanzielle Situation schlagartig verbessert: "Der Schlachthof ist eine wichtige Einrichtung für die gesamte Region." Der neue Rundum-Service werde gut angenommen. "Ob wir es ganz schaffen, eine schwarze Null zu erreichen, werden wir sehen."

"Wir probieren alles, um das Schiff weiter auf Kurs zu halten. Wir brauchen den Schlachthof für die Region, und wenn wir alle zusammenhelfen, dann sind wir auf einem sehr guten Weg", sagte Dirk Grühn. Derzeit liege das jährliche Betriebskosten-Minus bei 120 000 Euro. Der Schlachthof führe reine Lohnschlachtarbeiten für den Fleischhandel sowie die Metzger und Direktvermarkter durch. Seit Juni 2016 arbeite man mit eigenem Personal und verzichte auf eine externe Lohnschlachtung, deren Kosten bei jährlich 280 000 Euro lagen.


Mehr Klasse statt Masse


Gegenwärtig werden Grühn zufolge im Jahr 2850 Rinder, 20 000 Schweine sowie 300 Schafe und Ziegen geschlachtet. "Mehr Klasse statt Masse", laute sein Credo.

Rund 220 000 Euro wurden laut Grühn zuletzt in den mittlerweile 42 Jahre alten Schlachthof investiert. Mit dem neuen Zulassungsbescheid vom 23. November 2017 sei der Betrieb weiterhin gewährleistet. "Wir sind ein verlässlicher Partner für unsere mittelständischen Metzger", schloss Grühn.

Hermann Anselstetter (SPD) verwies darauf, dass der Kreis in acht Jahren knapp 600 000 Euro zur Verringerung des Betriebsdefizits beitrage. Da sei es ein ganz normaler Anspruch, auch informiert zu werden. Hans Schwender (FW) ließ nicht unerwähnt, dass in die uralte Kältetechnik investiert werden müsse. Claus Gumprecht (Grüne) lobte, dass die kurzen Transportwege dem Tierwohl entgegenkämen.


Digitaler Energienutzungsplan


Der Landkreis wurde als bedeutender Partner für das Forschungsprojekt "Anwendung sektoral gekoppelter Energietechnologien" ausgewählt. Hier geht es konkret um die oberflächennahe Geothermie. "Dieser bayernweit erstmalig digital erstellte Energienutzungsplan ist Leuchtturm und Wegbereiter für die Digitalisierung der kommunalen Energieplanung in Bayern", sagte Michael Beck von der Verwaltung.

Hermann Anselstetter betonte, dass die oberflächennahe Geothermie auf einen Basisantrag der SPD-Kreistagsfraktion zurückgehe: "Man hat sich sehr intensiv damit befasst. Wir sind ausdrücklich dankbar, dass dieses wichtige Thema nicht schmalspurig behandelt wurde und die Grundlagen in einer harten Fleißarbeit ermittelt wurden."