Politisch erleben wir gerade spannende Zeiten. Die totgesagte SPD versucht, sich neu zu erfinden. Das letzte Aufbäumen der einstigen Volkspartei, die - ja, es klingt bei der aktuellen Verfassung der bayerischen Genossen ziemlich unglaublich - mit Kurt Eisner 1918 den allerersten Ministerpräsidenten unseres Freistaates stellte und eine der ältesten demokratischen Parteien des Landes ist? Mindestlohn, Hartz IV, schwarze Null - alles kommt auf den Prüfstand. Die neuen linken Bosse an der Spitze geben dem Koalitionspartner CDU/CSU mächtig Gas, um ihre enttäuschten Ex-Wähler zurückzuholen. Anschnallen, Angela.

Und in Kulmbach? Müssen auch hier die Regierenden vor dem neuem Selbstbewusstsein der Roten zittern? Packen jetzt auch SPD-Dauer-OB-Kandidat Ingo Lehmann und sein Wahlkampfteam die Boxhandschuhe aus? Noch tragen sie eher Samthandschuhe. Dabei geht's schon in drei Monaten an die Urnen. Doch die SPD will wohl den Weihnachtsfrieden nicht stören.

Doch eigentlich egal, ob sich die Kulmbacher SPD nicht von der Aufbruchstimmung ihrer Bundespartei mitreißen lässt - im neuen Kulmbacher Stadtrat gibt's auf jeden Fall mehr Rabatz als bisher. Denn wenn die Wahl nicht ausfällt, wird erstmals die AfD ins Rathaus einziehen. Und es ist fraglich, ob sich die rechten Geister so schnell wieder in die 70 Jahre gut verkorkte Flasche zurückdrängen lassen.