Der RugenDorfLaden ist auf der Zielgeraden. Unter der Regie von Erhard Jersch gründeten die Bürger am Wochenende eine Genossenschaft und legten die genauen Modalitäten fest. "Es geht nicht um Profit, es geht um unser Rugendorf", machte Jersch klar. Der Unternehmensberater hatte sich bereit erklärt, die Moderation zu übernehmen. Zu einem attraktiven Ort gehöre nun einmal auch eine Einkaufsmöglichkeit, lautet sein Credo. "Wir wollen einen Laden von Rugendorfern für Rugendorfer. Und wir Rugendorfer haben es in der Hand, was aus unserem Dorf wird", stimmte Jersch die Besucher auf die vierstündige Versammlung ein.

Über hundert Interessenten

Tatsächlich platzte das "Haus der Jugend" aus allen Nähten. Mehr als hundert Interessenten waren gekommen, um nach zahlreichen Vorberatungen seit September 2012 endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Im ehemaligen Raiffeisen-Lager soll der Dorfladen entstehen. Die Gemeinde will das Gebäude für diesen Zweck kaufen und dann der Genossenschaft vermieten.

Solche Organisationsformen liegen im Trend. Allein in diesem Jahr wurden in Bayern - einschließlich Rugendorf - bereits 54 neue Genossenschaften gegründet. Als Erhard Jersch im "Haus der Jugend" den Startschuss für die Zeichnung gab, wurde denn auch nicht lange gefackelt. Die Rugendorfer füllten ihre Anteilsscheine aus und freuten sich über die Neuerung in der Gemeinde.

Während normalerweise bei Genossenschaften mehrere hundert Euro als Einstieg vorgesehen sind, beschränkten sich die Rugendorfer auf von 50 Euro. "Uns war es wichtig, die Anteile günstig zu machen, damit alle dabei sein können", betonte Jersch. Und die Rechnung ging auf. Denn es gab viele, die nicht nur einen Anteil halten wollen, sondern gleich dutzendweise Scheine zeichneten - weil sie von der Notwendigkeit des Dorfladens überzeugt sind.

Günther Kraus führt Aufsichtsrat

Im Mittelpunkt standen die Modalitäten. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft lasen - wie es Vorschrift ist - die 30-seitige Satzung vor. Erhard Jersch erläuterte unklare Punkte. Demnach besteht keine Nachschusspflicht. Die Haftung ist auf die Anteile begrenzt. Mitglieder können drei Monate vor Schluss des Geschäftsjahres kündigen und können auch im Laufe eines Geschäftsjahres ihre Anteile übertragen. Als Organe der Genossenschaft wurden der Vorstand, der Aufsichtsrat - ein fünfköpfiges Gremium - und die Generalversammlung, bestehend aus allen Mitgliedern, festgelegt. Zum Vorsitzenden wurde Günther Kraus bestimmt, sein Stellvertreter ist Matthias Rödel. Sie haben die Pflicht, die Geschäfte ehrenamtlich, aber ordentlich zu führen und müssen dem Aufsichtsrat Bericht erstatten. In dieses Gremium wurden neben Günther Kraus und Matthias Rödel noch Jana Paul, Matthias Rupprecht und Heidi Schmidt-Hofmann gewählt.

Nutzungskonzept wird erstellt

"Die nächsten Schritte werden sein, dass ein Geschäftsführer bestimmt und ein Nutzungskonzept erstellt wird. Es werden auch Gespräche mit möglichen Lieferanten geführt werden", kündigte Günther Kraus an. Das ehrgeizige Ziel: Bis Februar sollen die Vorbereitungen so weit gediehen sein, dass der Dorfladen starten kann.

Natürlich gab es auch kritische Stimmen. So wollte Alexander Albrecht, dessen Familie früher das erste Kaufhaus in Rugendorf hatte, Zahlen und Kalkulationen sehen. Erhard Jersch zeigte sich gut vorbereitet. Der Businessplan geht von einem Umsatz von rund 518.000 Euro aus. "Wir rechnen dabei mit einem Umsatz von 45 Euro pro Woche von denen, die mitmachen." Zudem gehe man davon aus, dass auch Vorbeifahrer den Dorfladen nutzen. "Wenn wir 140.000 haben und 0,4 Prozent halten, die einen Umsatz von sechs Euro bringen, dann macht das im Monat 3360 Euro aus", rechnete Jersch vor. Als Gewinn kalkuliere der RugenDorfLaden 18 Prozent, zwischen 15 und 20 Prozent seien üblich.

"Es liegt doch an uns, ob wir Gewinn oder Verlust machen. Das haben doch wir in der Hand", versuchte Monika Hoffmann die Bedenken zu zerstreuen und erntete dafür von der Versammlung Applaus.