Schwarzer Juli für den Rugendorfladen. In diesem Monat ordnet das Amtsgericht Bayreuth das vorläufige Insolvenzverfahren für das kleine Geschäft an, das erst 2014 eröffnet hatte. Jetzt läuft der Kampf um den Erhalt der einzigen Einkaufsmöglichkeit in dem Ort zwischen Kulmbach und Kronach.

Für das Verfahren zuständig ist Rechtsanwalt Jürgen Wittmann aus Kronach. "Momentan wird der Laden offen gehalten, der Verkauf geht ganz normal weiter", erklärt Wittmann. Eine bevorstehende zweiwöchige Schließung im August hat mit dem vorläufigen Insolvenzverfahren nichts zu tun. "Da ist wegen Urlaub und Krankheit zu", betont er.

Nach seinen Worten gibt es aber noch Hoffnung für den Laden: "Im Hintergrund wird versucht, mit Interessenten eine Weiterführung in die Wege zu leiten." Namen will er keine nennen, die Verhandlungen seien aber aussichtsreich. Im Erfolgsfall würde das Personal mit übernommen.


Schwere Monate

Wie konnte das Geschäft in eine derartige Schieflage geraten, dass der Gang zum Insolvenzgericht notwendig wurde? Klar ist: In den Monaten April, Mai und Juni sei immer weniger verkauft worden. "Die Hintergründe für den Umsatzrückgang sind wohl nur schwer herauszufinden", vermutet Jürgen Wittmann.

Nachdem es sich bei dem Rugendorfladen um eine Genossenschaft handelt, bei der sich Rugendorfer auch mit Geld beteiligt haben, besteht die Gefahr, dass diese Einlagen verloren gehen können. "Man muss jetzt prüfen, wie viele Genossenschafts-Mitglieder mit wie vielen Einlagen beteiligt sind und was für Gläubiger es gibt."

Sollte ein Interessent das Geschäft weiterführen, werde er aber nicht die Genossenschaft übernehmen. Letztlich bliebe aber so die ortsnahe Einkaufsmöglichkeit, die die Genossen mit ihrem Engagement bezweckt haben, erhalten. Ende August werde letztlich die Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens getroffen. "Dann wissen wir mehr", so der Rechtsanwalt.


Jede Woche zum Großeinkauf

Ein Mann der ersten Stunde beim Rugendorfladen war Anton Wartha. Viele Stunden hat der 82-Jährige - wie so manch anderer - in ehrenamtlichem Einsatz beim Auf- und Ausbau mit angepackt. Er und seine Frau Christa erledigen jede Woche ihren Großeinkauf im Dorfladen. Bei seinen zahlreichen Sportrunden schaut der Rugendorfer immer mal im Laden vorbei, auch um noch eine Kleinigkeit zu besorgen.

Überhaupt war und ist der Dorfladen ein beliebter Treffpunkt gerade bei den älteren Bewohnern. Christa und Anton Wartha treffen sich dort regelmäßig mit Bekannten zum Kaffee.
Sie bedauern es, dass der Dorfladen nicht besser angenommen wurde. Am Anfang sei das Geschäft noch ganz gut gelaufen, erinnert sich Anton Wartha, "aber wir haben schon gemerkt, dass es immer weniger geworden ist". Die Warthas hoffen nun, dass es weitergeht, sie werden dem Laden auf jeden Fall weiterhin die Treue halten. "Wenn man so was im Dorf hat, muss man es doch unterstützen", sagen sie.


Lieferantin ist zufrieden

Auch Melanie Rubsch findet es schade, "dass der Laden nicht besser angenommen wurde". Die 40-Jährige ist nicht nur regelmäßige Kundin und Genossenschafts-Teilhaberin, sondern auch noch Lieferantin für den Rugendorfladen, dessen Sortiment sie um Honig bereichert. "Unser Honig wurde immer sehr gut verkauft", so die Rugendorferin.

Auf einen guten Ausgang hofft stellvertretender Bürgermeister Fritz Rösch (Bürgermeister Ralf Holzmann ist in Urlaub). "Die Gemeinde hat sich dafür eingesetzt, dass der Laden so lange weitergeführt wird, bis ein neuer Betreiber gefunden ist", sagt er. Warum für den Rugendorfladen die Akzeptanz in der Bevölkerung fehlt, darüber kann Rösch nur spekulieren. "Es gibt dort alles, was die Menschen zum Leben brauchen." Die Auswahl sei gut und reichlich. Selbst Metzger und Bäcker sowie ein Getränkehandel seien vorhanden.


Konkurrenz der Supermärkte

Natürlich weiß Rösch auch um die Konkurrenz der Supermarkt-Ketten in den Nachbarortschaften nur wenige Kilometer entfernt. "Aber man muss auch an die Leute denken, die nicht mit dem Auto fahren können. Der Rugendorfladen ist ein Stück Infrastruktur, das erhalten werden sollte."

Dass der Rugendorfladen von Anfang an zu kämpfen hatte, räumt Matthias Rödel ein, der gemeinsam mit Heidi Schmidt-Hofmann den Vorstand der Genossenschaft bildet. "Es ist nie richtig gelaufen." Dennoch habe es seit der Eröffnung im September 2014 immer gereicht, um den Betrieb am Leben zu halten. "Heuer ist aber der Umsatz so zurückgegangen, dass wir den Schritt gehen mussten."

Damit mein Rödel den Gang zum Insolvenzgericht, den man auch angetreten habe, um keine rechtlichen Fehler zu machen. "Wir Vorstände arbeiten ehrenamtlich und haften persönlich."
Dass die Akzeptanz so schlecht sein würde, davon habe man nicht ausgehen können, sagt Rödel rückblickend. Die Genossenschaft habe knapp 200 Mitglieder. Neben ihnen hätten viele Rugendorfer ihr Interesse an dem Laden bekundet und zugesagt, dort einzukaufen. "Wenn damals nicht so ein Zuspruch gewesen wäre, hätte man das vielleicht nicht so gemacht."

Ein weiterer Knackpunkt seien die Personalkosten für die vier Angestellten. Hier gebe es zu wenig ehrenamtliches Engagement, sagt Rödel, der am Freitag selbst im Laden stand. "In anderen Dorfläden läuft es anders."

Rödel hofft, dass alles noch ein gutes Ende findet und für möglichst alle Beteiligten glimpflich ausgeht. "Wir sind hier ländlich geprägt, man kennt sich und will sich hinterher noch in die Augen schauen."