Ein aufmerksamer Ex-Kulmbacher hat bei einem Besuch in seiner Heimatstadt eine beunruhigende Beobachtung gemacht: Der Rote Turm, eines der markantesten Bauwerke in der Altstadt, bröselt und bröckelt. So sehr, dass mittlerweile größere Sicherungsmaßnahmen notwendig geworden sind. Eine Sanierung wäre dringend notwendig - allein: Der Stadt Kulmbach fehlt bislang das Geld.

Schon von weitem fallen die grünen Netze auf, die sich am obersten Stockwerk des viergeschossigen Turms um das Sichtfachwerk spannen. Ein genauer Blick offenbart Erschreckendes: Das Mauerwerk ist an vielen Stellen ausgebrochen. In den Netzen fangen sich Gesteinsbrocken. Auch etliche Etagen tiefer ist der Turm in keinem sehr guten Zustand: Ein kleiner, mit Biberschwanz-Ziegeln gedeckter Anbau auf der Nordseite ist brüchig. Entlang der Ostseite des Roten Turms fehlen in ein bis drei Metern Höhe Steine, Mörtel und Putz.

Bei der Stadt Kulmbach weiß man um das Problem: "Wir haben beim Roten Turm wie bei einigen anderen historischen Gebäuden in der Stadt auch Sanierungsbedarf", bestätigt Pressesprecher Simon Ries. Die erwähnten grünen Netze seien angebracht worden, um Passanten und Anwohner vor herabfallenden Steinen zu schützen.
Eine Sanierung des alten Gemäuers scheint überfällig, eine umfassende Restaurierung Ende der siebziger Jahre hatte offensichtlich nicht lange Bestand. Damals hatte die Stadt Kulmbach mehr als 200.000 Mark investiert, um den Turm, dessen Kern vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammt, zu sanieren. Das Bauwerk, das es vom Fundament bis zur Spitze der geschweiften Turmhaube auf stolze 27 Meter Höhe bringt, war ursprünglich Teil der Kulmbacher Stadtbefestigung. Später wohnte dort der Stadtpfeifer, dessen Aufgabe es war, von seiner hohen Warte aus ein Feuer möglichst bald zu entdecken und die Bevölkerung zu warnen.

Noch in den sechziger Jahren diente der Turm als Wohnung. Später, nachdem für viel Geld Treppenaufgänge und Fachwerk restauriert waren, nutzte der Kulmbacher Kunsterzieher Hans-Dieter Ernst den Turm als so genanntes didaktisches Atelier und Ausstellungsraum.

Hin und wieder gab es im Turmstübchen hoch über den Dächern der Stadt noch Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen. Heute steht der Rote Turm leer - und bröselt und bröckelt.

Dass das nicht so bleiben soll, steht bei der Stadt Kulmbach außer Frage. "Unser Ziel ist es, das Thema auf absehbare Zeit anzugehen", sagt Simon Ries. Die Sanierung soll in einen der nächsten städtischen Haushaltspläne aufgenommen werden. Erst dann wird sich sagen lassen, was die Restaurierung kostet.