Holger Hühnerts Handy stammt aus dem Jahr 2000. Der 68-Jährige hätte sich schon längst ein Smartphone zugelegt, wenn er Zugriff auf ein mobiles Netzwerk, auf WLAN, hätte. Doch das gibt es bislang nicht im Awo-Seniorenwohnpark Rosengarten in Neuenmarkt. Dort lebt Hühnert seit Februar 2015, seit ihm das zweite Bein wegen Diabetes amputiert werden musste. Seitdem er im Rollstuhl sitzt.

Der 68-Jährige ist gelernter Maurer, hatte früher nichts mit Internet & Co am Hut. Erst seit 2017 befasst er sich mit der modernen Technik, hat die Vorzüge kennengelernt. "Auch mit Unterstützung der Mitarbeiter des Rosengartens", erklärt er.

In seinem Zimmer steht ein Computer, über den er mit einem Internet-Stick surfen kann. Diese Lösung sei jedoch umständlich, aber besser als nichts. Über das soziale Netzwerk Facebook beispielsweise verabredet er sich zu Treffen mit Bekannten. "So kommst du raus in die Welt." Und er hat festgestellt, dass unter den Senioren das Interesse am Internet wächst.

Als Heimbeirat hat sich Hühnert unter den Mitbewohnern umgehört und sich an die Einrichtungsleitung gewandt. Mit der Bitte, im Rosengarten etwas in Sachen WLAN auf den Weg zu bringen. "Damit man seine Mails bekommt oder etwas nachlesen kann, wenn man im Haus unterwegs ist."

"Herr Hühnert ist mit seinem Vorstoß auf offene Ohren gestoßen", erklärt dazu Thomas Scherer, der ab 1. Januar die Leitung des Rosengarten übernimmt. Denn der 33-Jährige weiß, dass die Nachfrage steigen wird. "Manche Bewohner hier machen bereits Online-Banking."

Das sei zwar noch nicht die große Masse, aber für die Zukunftsausrichtung sei die Internetanbindung von Senioreneinrichtungen ganz wichtig. Denn das werde auch ein Entscheidungskriterium für die Wahl der Unterbringung sein. "Die künftigen Bewohner werden das Internet gewohnt sein."

Vorteile brächte WLAN auch für die Mitarbeiter. Diese könnten dann ihre Dokumentationen gleich über mobile Geräte wie ein Tablet vornehmen, ohne immer wieder lange Wege ins Büro zurücklegen zu müssen.

Im ersten Quartal 2020 soll WLAN im Rosengarten installiert werden. "Der Auftrag ist bereits erteilt", erklärt Thomas Scherer. Jetzt müsse nur noch die Firma das Vorhaben eintakten.

Darauf freut sich auch Dieter Frohwein, ebenfalls Mitglied des Heimbeirats. Für ihn ist die Beschäftigung mit der modernen Technik nicht nur ein Mittel, um im Kopf fit zu bleiben ("Ich war mein Leben lang geistig gefordert"). Er nutzt das Internet zur Kommunikation mit der Außenwelt und zum Nachlesen von interessanten Berichten. Denn so lange ich kann, will ich am Leben teilhaben."

Auch Liedtexte druckt er sich aus. Denn Frohwein (85) ist ausgebildeter Opernsänger, stand 33 Jahre auf der Bühne. "Es wird hier im Rosengarten ja einiges an Unterhaltung geboten. Und dazu möchte ich mit den Liedern etwas beitragen."

Weder zum Nachlesen noch zum Surfen möchte Emmi Frank (96) einen Internet-Anschluss. Für sie wäre es schön, noch weitere Fernsehprogramme via Internet empfangen zu können.