Behutsam, Stück für Stück, werden die Figuren den Kartons entnommen und aufgestellt. Nach und nach gewinnt die Krippe mit über 300 Unikaten an Kontur. Zwischen den Figuren werden, einen Weg oder Fluss darstellend, Swarovski-Steine verlegt. Nach gut vier Stunden ist es geschafft.



Antikglas als Werkstoff

Glaskünstler Bernt Pingel ist mit sich und seiner "Himmlischen Heerschar" zufrieden: Jede einzelne Figur hat er in mühevoller Handarbeit aus jeweils fünf bis acht Glasscherben zusammengeklebt. Dabei handelt es sich nicht um normales Fenster-, sondern um Antikglas. "Glas ist ein wunderbarer Werkstoff. Bei mir lagern noch etwa fünfzehn Zentner im Keller."

Dekan Detlef Zinck hat durch Christine Flauder von der Glaskrippe erfahren und in einem Dekanats-Rundschreiben gefragt, wer Interesse an einer Ausstellung hat. "Ich wusste zwar nicht, was auf mich und die Kirchengemeinde zukommt. Aber als ich das Bild gesehen habe, war ich sofort begeistert", sprudelt es aus Pfarrer Wolfgang Oertel heraus.

Allerdings stellte sich bald die Frage nach dem Standort. Denn der angestammte Platz unter der Kanzel ist zu knapp. Da kam dem Pfarrer Thomas Rosenberger zu Hilfe, der mit viel Engagement die Bankreihe rechts vom Altar mit Spanplatten verkleidete. Nach weiteren Gesprächen stand der "Glas-Aktion" nichts mehr im Wege.



"Ein lebendiges Gebäude"

Die Diskussionen, die im Vorfeld gelaufen sind, reichten von absoluter Zustimmung und Begeisterung bis hin zu Ablehnung, gibt Pfarrer Wolfgang Oertel zu. "Aber mein Standpunkt dazu ist: Die Kirche ist sicherlich ein historisches, aber vor allem ein lebendiges Gebäude. Und dazu passt auch so etwas Anregendes, wie diese Krippe hier, die uns ganz persönlich was zu sagen hat. Die vielen Figuren drücken ja aus, alle Welt ist aufgefordert, sich diesem Jesuskind zu nähern und zur Krippe zu kommen. Ergänzt durch die Engel, die, obwohl man sie vielleicht gar nicht so wahrnimmt, da sind, uns beschützen, und das Kind lobpreisen, das an Weihnachten zu uns gekommen ist."

Für den Untersteinacher Geistlichen ist es "eine tolle Geschichte", dass sich Bernt Pingel sein Werk und seine Zeit unentgeltlich zur Verfügung stellt. Wolfgang Oertel freut es für die Kinder, dass sie die Krippe am morgigen Familien-Gottesdienst anschauen können. "Ich denke, Kinder haben ohne Scheuklappen einen ganz anderen, unvermittelten Zugang zu solchen Kunstformen."


Auszeit von 17 bis 21 Uhr

Passend dazu gestaltet seine Frau Annette am Abend eine so genannte "Auszeit", bei der die Kirche von 17 bis 21 Uhr geöffnet ist. Da kann jeder kommen, die Musik einer Zithergruppe auf sich wirken lassen, eine Kerze entzünden, beten, lesen, einfach mal zur Ruhe kommen. "Dieser Rahmen ist eine gute Möglichkeit, die Krippe anzuschauen, in aller Ruhe zu besichtigen und sie auf sich wirken zu lassen", ist sich Pfarrer Oertel sicher.

Und er ist schon sehr gespannt, welche Reaktionen und Rückmeldungen aus der Gemeinde zu diesem Kunstwerk kommen, das bis 6. Januar, dem Tag, an dem die orthodoxe Kirche Weihnachten feiert, stehen bleiben soll.