Im Namen des Volkes zu urteilen, das wäre mir zu heikel, wenn in der Verhandlung Aussage gegen Aussage steht, ich als Laie nicht beurteilen könnte, ob nun Täter oder Opfer die Wahrheit sagt. Würde ich jemanden ins Gefängnis stecken, würde mich der Gedanke quälen: Hast du richtig geurteilt? Der Grad zwischen Verurteilung und Freispruch ist nämlich nicht selten schmal. In kleinen wie auch großen Prozessen.

Unschuldig hinter Gitter

Erinnern wir uns doch an Gustl Mollath. Er wurde 2006 wegen mehrerer Delikte und attestierter Schuldunfähigkeit in den psychiatrischen Maßregelvollzug eingewiesen, den er nach einem erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahren 2014 verlassen durfte. Oder an Ulvi K., der seit 2004 wegen Mordes an Peggy Knobloch einsaß, zehn Jahre später dann aber freigesprochen wurde.

Ein Leben zerstört

Dabei kann allein eine Anklage ein Leben zerstören, wie das Schicksal von Walter Dräxler zeigt, der im Mordfall Preuß für die Ermittler lange als Mörder galt, 1995 nach U-Haft und Mammutprozess dann aber als freier Mann das Landgericht verlassen durfte. "Polizei und Staatsanwaltschaft haben ungestraft das Leben eines Unschuldigen zerstört", hat Dräxler nach dem Verhandlungsmarathon unserer Zeitung gesagt.

Wie oft gibt es Justizirrtümer?

Wie oft es Justizirrtümer gibt? Jedes vierte Gerichtsurteil weise Fehler auf, hat vor Jahren ein Richter am Bundesgerichtshof geschätzt, ohne natürlich einen handfesten Beweis zu haben. Beweisen muss ich zum Glück nichts. Ich bin heilfroh, dass ich meinen Platz im Gerichtsaal nicht am Richterpult, sondern - mit Stift und Block "bewaffnet" - in den Zuschauerreihen finde.