Auf dem Parkplatz liegt eine Frau regungslos auf einer Decke. "Wir müssen die stabile Seitenlage machen", sagt Tim Rochholz vom BRK und fragt, wer sich auskennt, wie das geht. "Man muss das Bein anwinkeln", weiß Marlon Zwingmann, mit sieben Jahren einer der jüngsten Teilnehmer des Tags der Rettungsaktionen am Samstag am Oberauhof-See. Und Marlon traut sich, selbst die Seitenlage einmal auszuprobieren. Schließlich ist das "Unfallopfer" Marion Stübinger nicht wirklich verletzt. Mit einem beherzten Griff fasst der Siebenjährige die erwachsene Frau am Bein, dreht sie um. Kein Problem für den kleinen Mann. "Nun ist es wichtig, den Kopf zu überstrecken", sagt Tim Rochholz und zeigt den Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 16 Jahren, wie das richtig gemacht wird.

Rettungswagen von innen

Unterdessen nimmt die nächste Kleingruppe im BRK-Auto alles unter die Lupe, was man sonst nicht sehen kann. Sogar die unterschiedlichen Kanülen zeigen die Helfer. Nadeln für Erwachsene haben eine andere Farbe als Nadeln für Kinder oder Säuglinge.
An der Station des Jugendrotkreuzes dürfen sich die Kinder selbst Verletzungen überlegen, für die Erste-Hilfe-Maßnahmen nötig sind. "Ich möchte mal ein richtig blaues Auge", hat sich Ann-Sophie Wolf (8) entschieden und grinst, während Michaela Hübner ihr akkurat die blau unterlaufene Stelle aufmalt. Mit abwaschbaren Farben lässt sich Ann-Sophie verunstalten - und ist froh, dass die Prozedur im Gegensatz zum echten "Veilchen" gar nicht wehtut. "Ich hab eine blutige Nase", zeigt Simon Roth (13). Doch auch das Blut ist nur Schminke.

Nico hilft gerne

Unterdessen stopft Nico Ramming (10) akkurat eine Leine in ein Säckchen. "Das kann ich schon, denn ich bin bei der Feuerwehr in Leuchau", erzählt Nico. Doch die Arbeit bei der Wasserwacht oder bei der Bergwacht würde ihm auch Spaß machen. So viel hat Nico von der gespielten Rettungaktion schon mitgenommen.
Das Wasserwacht-Team erklärte den Kindern, wie wichtig es ist, dass sich die Helfer auch selbst schützen. Jedes Jahr leistet die Wasserwacht Kulmbach mehr als 2000 Stunden ehrenamtlichen Dienst in den Bädern und an der Kieswäsch. Und schon manches Mal konnten die Wasserwachtler in brenzligen Situationen zu Hilfe kommen. Die Retter ziehen bei Rettungsaktionen immer eine Sturmhaube und einen Helm auf. "Wir sind ja am Seil und werden, wenn wir das Opfer haben, rückwärts zurückgezogen." Dabei könnten die Retter selbst an einen Stein im Wasser knallen, weil sie nichts sehen können, erklärt Stefan Bergmann die Details.

Für jedes Problem eine Lösung

Die Bergwacht kommt immer dann zum Einsatz, wenn die üblichen Rettungskräfte mit ihren Gerätschaften nicht mehr zurecht kommen, sagt Hans-Peter Lautner von der Bergwacht. Er zeigt eine Trage auf einem Rad, mit der man Verletzte auch aus unwegsamem Gelände bergen und transportieren kann. Benjamin Haak (14) möchte selbst einmal eine Extremsituation ausprobieren. Er lässt sich einen Sicherungsgurt anlegen und wird an einen Baum gehängt. "Das ist nicht schlimm. Man kann es aushalten."
Der Tag der Rettungsaktionen an der Kieswäsch hatte aber noch viel mehr zu bieten. Die interessierten Nachwuchs-Helfer durften mit dem Wasserwacht-Boot auf den See fahren und es auch selbst einmal steuern. Die Bergwacht hatte eine Slackline zwischen die Bäume gehängt, auf der die Teilnehmer ihr Balancegefühl testen und sich austoben durfen.