Karl-Heinz Schneider wird ein bisschen nachdenklich. Er ist Realist, und er sieht die Entwicklung des Geldes kritisch. Der 56-Jährige versteht etwas davon, er ist lange genug im Geschäft. Denn er kann nun auf 40 Jahre Dienst in einer Bank zurückblicken, er schaffte den Aufstieg vom Lehrling zum Vorstandsvorsitzenden der jetzigen Raiffeisenbank Thurnauer Land - einem Unternehmen, dem er immer treu geblieben ist.

"Wir erleben zur Zeit eine schwierige Phase. Die Bürokratie ist schlimm, wir werden von den Auflagen her mit einer Großbank verglichen und müssen alles mit auslöffeln", kritisiert Schneider. Doch all zu schwarz sehen will er nicht nach 40 Jahren als Dienstleister. Er will weiterhin die Produkte anbieten, "die jeder versteht". Wenn man in der Belegschaft wie bisher zusammenhalte, könne auch die Zukunft bewältigt werden, meint er etwas befreiter. "Dann spielen wir weiter wie bisher in der Ersten Liga und manchmal sogar in der Champions-League", hofft der eingefleischte Club-Fan.

Wer von ganz unten nach ganz oben steigt, kann einen interessanten Lebenslauf vorweisen, erinnerungswürdige Episoden inklusive. Schneider, der mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Raiffeisenverbandes - die höchstmögliche Würdigung - ausgezeichnet ist: "Es fing 1973 schon turbulent an. Gerade als ich als ,Stift' begann, hat der damals für Fusionen zuständige Bezirksanwalt zu meinem Chef gesagt: Euch gibt's nur noch ein Jahr. Da hatte er sich aber geirrt, daraus sind 40 Jahre geworden."

Schon nach zwei Wochen, erinnert sich Schneider, habe Geld in der Kasse gefehlt. Er sei verdächtigt worden, habe den Täter jedoch schließlich mit überführen können.

"Meine schönste Zeit ist die als Geschäftsstellenleiter in der Zweigstelle Neuenreuth gewesen. Ich habe mit Frau Roßband prima zusammengearbeitet, nicht umsonst ist dieser Außenposten zum zweitgrößten nach dem Hauptsitz in Hutschdorf geworden."

Dem Weg des 56-Jährigen nach oben diente das mit "Sehr gut" abgeschlossenene Bankführungsseminar an der Akademie Deutscher Genossenschaften in Montabaur im Dezember 1988. Seitdem darf sich Schneider Diplomierter Bankbetriebswirt nennen. Ab 1. Juli 1989 wurde der Fachmann für Geldfragen zum Vorstand der Bank bestellt und ein Jahr später vom Aufsichtsrat zum Vorstandssprecher berufen.

Nach dem plötzlichen Tod des Chefs, Karl Eschenbacher, musste er über Nacht die Leitung des Geldinstituts übernehmen. "Das war eine harte Zeit", denkt der Banker mit Leib und Seele zurück. Er sei ins kalte Wasser geschmissen worden. Der Zenit folgte dann am 15. Juli 2001, als ihn der Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden berief. Das Amt führt er seitdem mit aller Kraft aus. "Die war schon nötig", sagt Schneider und erinnert sich dabei besonders an den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers: "Da konnte ich eine Woche lang nicht richtig schlafen."

"Du hast alles richtig gemacht", bestätigt ihm sein Stellvertreter Günter Kolb bei der Feier des Dienstjubiläums in der Gaststätte Pöhlmann in Limmersdorf. "Du hast die Tugenden eines Genossenschaftlers wie Nähe zum Kunden und Bodenständigkeit umgesetzt."

Kein größeres Lob als das aus dem Munde des Abteilungsleiters der Genossenschaft Bayern hätte Schneider bekommen können: Wolfgang Eck bezeichnete die Raiffeisenbank Thurnauer Land als "ein Kreditinstitut, das uns im Verband nur Freude macht". Öffnungszeiten an Samstagen wie hier seien in der Bankenlandschaft schon die absolute Ausnahme.

Karl-Heinz Schneider sieht die Ehrung als Ansporn. Er will auch in den kommenden Jahren mit ganzem Herzen für "seine" Bank leben. "Gemeinsam schaffen wir das", ist der 56-Jährige überzeugt.