Obwohl das Gericht extra einen zweiten Verhandlungstag angesetzt und mehrere Zeugen geladen hatte, konnte die heftige Bierfestschlägerei vom 28. Juli des vergangenen Jahres nicht mehr aufgeklärt werden. Zu betrunken waren alle Beteiligten, der Täter genauso wie die Opfer. Was übrig blieb war ein Schlag mit einem Bierkrug ins Gesicht eines Security-Mitarbeiters. Das Amtsgericht stufte diesen Schlag als fahrlässige Körperverletzung ein und verurteilte einen 23-Jährigen aus dem Landkreis zu einer Geldstrafe von 900 Euro.

Laut Anklage sollte der Mann gegen 0.15 Uhr vor dem Bierstadl zunächst einen 19-Jährigen aus Kulmbach, dann einen 20-Jährigen, ebenfalls aus Kulmbach, angepöbelt und anschließend einen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben. Die beiden Geschädigten hatten bereits am ersten Verhandlungstag betont, dass sie keinerlei Interesse an einer Strafverfolgung des Angeklagten haben. Beide waren allerdings fast noch stärker betrunken als der Angeklagte selbst und konnten somit zum Tathergang wenig sagen.

Auf der Flucht gestellt

Nach diesen Schlägen wollte sich der Angeklagte ganz offensichtlich aus dem Staub machen. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hatte ihn allerdings verfolgt. Als der Mann den Angeklagten stellte, holte der mit seinem Bierkrug in der Hand aus und traf den Security-Mitarbeiter im Gesicht. "Er hat mich voll erwischt", sagte der Zeuge. Trotzdem hatte auch er Glück im Unglück, denn außer einem blauen Auge trug er keine wesentlichen Verletzungen davon.

Der Angeklagte hatte aufgrund seines Alkoholgenusses, es dürften an die sechs Maß Festbier gewesen sein, keinerlei Erinnerung mehr an die Taten. Aber auch aus der Gruppe wusste keiner mehr irgendetwas Genaueres. "Es war Bierwoche, da war freilich keiner nüchtern", sagte einer auf die Frage der Richterin, wie man denn so beieinander gewesen sei. Ein anderer war erst dazu gestoßen, als alles schon vorbei war, und ein dritter war sich nicht einmal mehr ganz sicher, ob es tatsächlich der Angeklagte war, der zugeschlagen hatte.

Also stellte das Gericht die ursprünglich angeklagte Körperverletzung zum Nachteil der beiden jungen Männer aus Kulmbach ein. "Die einzigen, die an diesem Abend nüchtern waren, sind Polizei und Security", sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Die Taten könnten deshalb nicht mehr aufgeklärt werden. Selbst die Ladung weiterer Zeugen würde wohl kaum Licht ins Dunkel bringen.

Forderungen

Blieb letztendlich noch der Schlag mit dem Maßkrug. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte dafür eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je zehn Euro (1200 Euro), Verteidiger Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth deutlich niedrigere 80 Tagessätze zu jeweils fünf Euro (400 Euro).

Richterin Tettmann blieb in der Mitte bei 90 Tagessätzen zu je zehn Euro. Der Angeklagte habe großes Glück gehabt, dass die Verletzung des Security-Mitarbeiters nur leicht war. Die Richterin stufte den Schlag als Spontantat ein und hielt dem Angeklagten seine alkoholbedingte Enthemmung zu Gute.

Mit Blick auf das umfangreiche Vorstrafenregister hoffte die Richterin, dass das Verfahren dem Angeklagten eine Lehre ist. Der Angeklagte kam tatsächlich noch einmal mit einem blauen Auge davon, denn von seinen acht Vorstrafen waren alleine vier Körperverletzungen, also einschlägige Strafen.