Beim Musikverein Thurnau und seinem Dirigenten Heimo Bierwirth steht die zeitgenössische Blasmusik an erster Stelle: "Piraten der Karibik" statt "Leichte Kavallerie", Herb Alpert statt Ernst Mosch und "Utopia" statt "Unter dem "Rautenbanner". Beim Herbstkonzert in der Turnhalle der Grundschule zog der Dirigent zusammen mit dem Jugendorchester und dem Hauptorchester einmal mehr alle Register und demonstrierte eindrucksvoll, dass Blasmusik alles andere als verstaubte Tradition ist.

Sinfonische Blasmusik setzt hohe künstlerische Anforderungen voraus, und die rund 50 aktiven Musiker des Hauptorchesters können diese Anforderungen auch prima erfüllen.

Durchschnittsalter unter 20

Das Besondere am Musikverein ist die große Bedeutung der Jugendarbeit. So liegt nicht nur das Durchschnittsalter des Hauptorchesters unter 20 Jahren, es gibt auch ein eigenes kleineres Jugendorchester, das sich mit fünf überaus gelungenen Stücken und einer Zugabe dem Publikum vorstellen durfte.

"Das Herbstkonzert ist für uns der absolute musikalische Höhepunkt im Jahreslauf", sagte Vorsitzender Martin Koslowsky zu Beginn des Abends, und die Musikerinnen und Musiker sollten das Publikum nicht enttäuschen: Filmmusik, moderne sinfonische Kompositionen, Bekanntes, Unbekanntes und auch einige Raritäten hatten sie ausgesucht.

Interessante Einführung

Für beschwingt gute Laune sorgte etwa ein lyrisch, voller Poesie und trotzdem mit schärfenden Kontrasten musiziertes Concerto d'amore, angekündigt als Mischung aus Barock, Jazz und Pop des niederländischen Komponisten Jacob de Haan. Er tauchte im Programm gleich drei Mal auf. So auch mit seinem Hauptwerk "Utopia", für das sich Dirigent Heimo Bierwirth eine interessante Einführung ausgedacht hatte. Er stellte die wichtigsten Rhythmen vor und ließ den Musikern die markantesten Themen des über zehn Minuten andauernden Werkes kurz anspielen, um sie anschließend zu erläutern.

Auch die "Easy Pop Suite", die das Jugendorchester gekonnt aufführte, stammte aus der Feder von Jacob de Haan, er hatte sie allerdings unter dem Pseudonym Dizzy Straford veröffentlicht.

Piratenflagge gehisst

Perfekt einstudiert und absolut professionell aufgeführt erklang die Filmmelodie zu "Pirates oft he Caribbean", die der deutsche Komponist Klaus Badelt geschrieben hatte. Nicht nur die Piratenflagge wurde gehisst, auch die blutrünstigen Schlachten, in die Kapitän Jack Sparrow verwickelt wurde, machten die Musiker hörbar. Die beinahe unzähligen Taktwechsel wurden dabei spielend bewältigt, ebenso der intensive Schlagwerkeinsatz und die messerscharfen Trompetensätze.

Dynamisch sorgsam und raffiniert gespielt, erklang die eigenwillige Komposition "Children of Sanchez" des US-amerikanische Komponisten Chuck Mangione, die der japanische Musiker Naohiro Iwai eigens für sinfonisches Blasorchester arrangiert hatte. Umsichtig begleitete der Klangkörper Nele Arlt am Flügelhorn, die damit ihr Debüt als Solistin gegeben hatte. Mit dem Herp-Alpert-Medley "Golden Hits" mit Ohrwürmern wie "Spanish Flea", "Tijuana Taxi" oder "So What's New" stellten die Thurnauer r einmal mehr ihre hohen musikalischen Qualitäten unter Beweis.

Von Leichtigkeit und Beweglichkeit geprägt war schließlich auch der Auftritt des 20-köpfigen Jugendorchesters unter anderem mit Alan Menkens "Under the sea" aus dem Disney-Film "Arielle die Meerjungfrau" oder dem Hauptthema aus "Pomp and Circumstance" von Edvard Elgar.

Während des Konzerts wurden Jasmin Lauterbach (Querflöte) und Fabian Einwag (Trompete) mit dem Leistungsabzeichen in Gold des Bordbayerischen Musikbundes ausgezeichnet. Beide hatten die D3-Prüfung mit Erfolg abgelegt. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Prüfung, das Leistungsabzeichen D3 stellt die höchste instrumentale Qualifikation in der Fortbildungsstruktur der Blasmusikverbände dar. Eine mehrjährige intensive Instrumentalausbildung ist die Voraussetzung für das Bestehen dieser Prüfung.