Für jemanden, der vor wenigen Tagen einen Sturz aus annähernd 20 Metern Höhe überlebt hat, wirkt "Fritzchen" relativ fidel. Den Spitznamen hat der Jung-Uhu von den Mitarbeitern der Bayreuther Tierrettung bekommen. Täglich wird er dort gewogen, mit der Hand gefüttert und liebevoll aufgepäppelt. Dass er mit Prellungen und einer Gehirnerschütterung davonkam, kann als Fügung bezeichnet werden. Sein Geschwisterchen aber hatte weniger Glück: Es prallte beim Sturz aus annähernd 20 Metern auf der Plassenburg erst gegen eine Steinbrüstung und landete mit schweren Beinverletzungen am Boden, so dass er schließlich eingeschläfert werden musste.

Gerhard Schoberth hat "Fritzchen" buchstäblich unter seine Fittiche genommen. Der Gründer der Bayreuther Greifvogelstation schätzt das Alter seines Schützlings auf etwa sieben Wochen. "Ob Fritzchen tatsächlich ein Männchen ist, muss sich erst noch herausstellen", sagt der 52-Jährige. Wichtiger ist momentan, den Patienten so fit zu machen, dass es später ausgewildert werden kann. Denn derzeit ist eine Voliere sein Interimszuhause.


Zwei gebrochene Beine

Schoberth war in der vergangenen Woche von der Naturschutzbehörde im Kulmbacher Landratsamt unterrichtet worden, dass zwei Jungvögel aus einem Nest im Arsenalbau der Plassenburg geplumpst sind (ein drittes Jungtier befindet sich noch im Horst). Als der Experte in Kulmbach eintraf, fand er einen Vogel mit zwei gebrochenen Beinen vor. "Wir haben ihn noch zu einem Spezialisten ins Vogtland gebracht, doch die Brüche waren irreparabel. Der Vogel musste eingeschläfert werden."

"Fritzchen" hatte schwere Stauchungen und Prellungen erlitten; einige neurologische Ausfälle deuteten auf eine Gehirnerschütterung hin. Aber: Gebrochen war zum Glück nichts.

Dass die beiden Jungvögel bei einem ersten Flugversuch abstürzten, verneint der Bayreuther. "Dafür sind die Tiere noch zu jung. Bei Uhus, die in einem Nest in der Höhe schlüpfen und nicht in Bodennähe, dauert es bis zur zehnten Woche, ehe sie flügge werden. Ich vermute eher, dass für drei Jungvögel einfach zu wenig Platz war und die beiden bei einem Gerangel, vielleicht ums Futter, rausgefallen sind. Der Brutplatz dort oben ist eigentlich für die wesentlich kleineren Turmfalken gedacht."

Wenn dem Nachwuchs das passiert, gebe es auch keine Garantie, dass sich die Eltern um den verlorenen Sohn am Boden sorgen. "Normalerweise kümmern sich die Altvögel außerhalb des Nests noch weitere fünf Monate um den Nachwuchs."

Das übernehmen jetzt Gerhard Schobert und sein Team. Das Problem: "Fritzchen hat täglichen Kontakt zu Menschen. Dadurch baut er zwangsweise eine gewisse Bindung zu uns auf, was es wiederum schwieriger macht, ihn später auszuwildern. Es kann dann sein, dass er, als ausgewachsener Uhu, dadurch auf Menschen reagiert, die mir ähnlich sehen. Ich weiß nicht, wie jemand dann handelt, wenn ein Vogel mit 1,80 Meter Spannweite sich ihm unvermittelt nähert, weil er denkt, dort bekommt er Futter."

Dafür muss der Vogel freilich erst lernen zu fliegen. Ihn dazu zu bringen - das wird die Aufgabe für einen Falkner sein. "Um ihn zu animieren, wird eine Beute-Attrappe in die Luft geworfen, denn in der relativ engen Voliere hat er wenig Möglichkeiten, größere Flugbewegungen zu vollführen."


Burg-Herren sind in Sorge

Mit denen lässt sich hoffentlich Jung-Uhu Nummer drei im Nest noch Zeit. Um ihn vor dem Absturz zu sichern, sind bereits Maßnahmen eingeleitet worden. Kastellan Harald Stark und Schlossführer Matthias Sesselmann zeigen beim Gang zum Arsenalbau auf einen Balkon, der mit einem grünen Netz überspannt ist. "Das soll das Schlimmste verhindern, falls er rausfällt", sagt Harald Stark.

Den Burg-Herren geht das Schicksal der jungen Vögel sehr nahe. "Es ist das erste Mal, dass Uhus bei uns brüten. Es sind so anmutige und schöne Tiere, die wir unter allen Umständen gesund erhalten wollen", betont ** Sesselmann. Beide sind sich einig: Sollten sich künftig wieder Uhus dort niederlassen, soll ihnen ein ähnliches Schicksal erspart bleiben. "Wir überlegen zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz, wo wir entsprechende Nisthilfen anbringen können, die auch für diese Gattung angemessen sind", sagt Stark. Andererseits soll das Brut-Loch in der Burgmauer so verkleinert werden, dass es - wie ursprünglich vorgesehen - nur noch Falken als Nisthöhle verwenden.