Das neue Buchauer Pfarrerehepaar Claudia und Ulrich Jobst hat sich seit September gut eingelebt. "Es macht Spaß, wir haben viel Neues gelernt", sagt Ulrich Jobst. Dass sie aber gleich ein großes Kirchenjubiläum erwartet, dass die Pfarrgemeinde 875 Jahre alt wird, das hat sie dann doch etwas überrascht. Denn das haben sie erst erfahren, als sie in den kleinen Mainleuser Ortsteil kamen.

"Das 850-Jährige wurde ja ganz groß gefeiert, das ist vielen Buchauern noch ganz präsent. Dadurch war klar, dass man wieder was machen muss", sagt Claudia Jobst. Ganz so groß wie vor 25 Jahren soll es diesmal aber nicht werden.

Regionalbischöfin dabei

Am kommenden Sonntag findet der Festgottesdienst zum Jubiläum statt, zu dem auch Regionalbischöfin Dorothea Greiner kommen wird (siehe auch Kasten zum Programm). Die Planungen dafür laufen schon länger, haben viel Zeit des Pfarrerehepaars in Anspruch genommen. "Es ist aber wichtig, dass es solche Feste gibt, bei denen man miteinander feiert, zu denen auch Menschen kommen, die sonst nicht die Kirche besuchen", betont die Pfarrerin.

Natürlich haben die beiden zur Vorbereitung in den Archiven gestöbert, viel Interessantes über die kleine evangelische Kirchengemeinde erfahren. So ist die Kirchengemeinde möglicherweise älter als 875 Jahre.
Gründer ist Bischof Otto I. von Bamberg. Sicher ist, dass in seiner Amtszeit zwischen 1102 und 1139 die Kirche gebaut und Buchau die Rechte einer Pfarrei erhalten hat. Die Gründungsurkunde ist nicht mehr erhalten, deswegen ist das genaue Datum der Entstehung der Pfarrei unbekannt.

Ein 100-jähriger Streit

Auch der Zeitpunkt, an dem Buchau evangelisch wurde, lässt sich anhand widersprüchlicher Angaben nicht eindeutig bestimmen. Es war jedenfalls so, dass die Konfession nicht freiwillig gewechselt wurde, sondern auf Anweisung der Herren von Giech. Das führte zu einem Konflikt mit dem Abt des Klosters Michaelsberg in Bamberg, der damit keineswegs einverstanden war. Der Streit konnte erst nach einem Jahrhundert beigelegt werden. Um das Jahr 1550 war Buchau jedenfalls evangelisch.

Im Zuge der Auseinandersetzungen soll sogar der Graf von Giech den katholischen Pfarrer von der Kanzel heruntergeschossen haben. "Das ist die erste Geschichte, die die Einheimischen jedem neuen Pfarrer gleich erzählen", schmunzelt Pfarrer Jobst. Angeblich sei das Messgewand des beschossenen Geistlichen sogar länger aufbewahrt worden. "Inzwischen ist es aber verschwunden."

Seit dem 19. Jahrhundert gehört Weismain mit zur Kirchengemeinde, berichtet Ulrich Jobst weiter.
Dort wurde 1960 die evangelische Christuskirche gebaut, nachdem nach Ende des Zweiten Weltkriegs viele evangelische Flüchtlinge nach Weismain gekommen waren.


Die Veranstaltungen zum 875-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde: