Odysseus, der Held der griechischen Mythologie, hatte auf dem Heimweg vom Trojanischen Krieg vielen Gefahren zu trotzen und viele Prüfungen zu meistern, bevor er endlich wohlbehalten in Ithaka ankam. Deswegen nennt man eine lange, komplizierte Reise mit etlichen Umwegen auch eine Odysee.

In Zeiten von Navi und digitalem Routenplaner gibt es keine Odyseen mehr, meinen Sie? Wenn Sie sich da mal nicht täuschen!

Nehmen wir mal an, Odysseus lebte heute. Irgendwo am Weiherer Berg in Kulmbach. Eines Morgens würde ihn seine Gattin Penelope bitten, einkaufen zu fahren. "Oddy", würde sie sagen, "hol doch mal Joghurt, Eier und Katzenfutter. Aber bitte unbedingt beim Rewe in der Lichtenfelser Straße. Da ist das Klopapier im Angebot."
"Kein Problem, Penny", würde Odysseus sagen. Und den größten denkbaren Fehler begehen. Er fährt auf direktem Weg an den Kreuzstein. Beim Landratsamt will er abbiegen - schnell mal bei Lidl vorbeischauen. Aber das geht nicht. Baustelle, Linksabbiegen verboten. Also gleich weiter zur Marco-Kreuzung. Aber auch da: Baustelle, Linksabbiegen verboten. Oddy kommt ins Grübeln. Wie kommt er jetzt zum Rewe-Markt? Und zu Obi und Globus?

Oddy braucht ein paar Sekunden, dann hat er die Lösung: Rauf auf die Nordumgehung. An der Ausfahrt Burghaig wieder runter. Erst Richtung Stauweiher, dann nach links in die Theodor-Heuss-Allee. Nach der Kläranlage wieder links und noch einmal beim Fitness-Studio. Von dort ist's nicht mehr weit bis zum Rewe.
Und rückwärts? Auch da gibt's keinen direkten Weg. Stattdessen: Zurück zur Kläranlage, nach links Richtung Melkendorf und von dort stadteinwärts über die Schauerkreuzung.
Da sage einer, in der heutigen Zeit gebe es keine Odyseen mehr! Katrin Geyer