Das Gelände lag 20 Jahre lang brach, war ein Schandfleck mitten in Thurnau. Das ist jetzt bald vorbei: Auf dem Areal des ehemaligen Bahnhofs soll nun ein Gesundheits- und Dienstleistungszentrum entstehen. Der Gemeinderat hat den Bauantrag bereits einstimmig genehmigt.

Bei einer Pressekonferenz im Rathaus betonte Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD) gestern: "Thurnau wird von diesem dreigeschossigen Gebäude in mehrfacher Hinsicht profitieren." Einziehen wird unter anderem die Sparkasse, die damit ihre "nicht mehr zeitgemäßen" Räume in der Bahnhofsstraße verlässt. Klaus Bodenschlägel, Beauftragter des Sparkassenvorstandes, brachte die Nachteile der alten Unterbringung auf den Punkt: Die Filiale sei renovierungsbedürftig, biete zu wenig Parkplätze, und die Mitarbeiter hätten dort nicht die Möglichkeit, diskrete Beratungsgespräche mit den Kunden zu führen. Alles Dinge, die sich mit dem neuen Gesundheits- und Dienstleistungszentrum erledigt haben werden.

Ende eines Provisoriums


Nebenan bezieht das BRK neue Räume. Auch ein Rettungswagenstellplatz wird eingerichtet. "Damit schließen wir eine Versorgungslücke im südwestlichen Landkreis Kulmbach", sagte Landrat Klaus-Peter Söllner (FW). Zusätzlich kann das BRK im neuen Gebäude auf Tagungs- und Schulungsräume zurückgreifen. "Für die Rettungskräfte, aber auch für unsere örtliche Feuerwehr wird es Zeit, dass nun ein Ende des mehrjährigen Provisoriums im Feuerwehrhaus in Sicht ist", sagte dazu Bürgermeister Hofmann. Der neue Standort liege nicht nur in der Nähe der Autobahn, auch Nachbargemeinden wie Wonsees und Kasendorf seien von dort gut zu erreichen. "Es macht schon einen Unterschied, ob der Notarzt in einer Minute vor Ort ist oder ob er erst eine Viertelstunde von Kulmbach herfahren muss."

Im ersten Stock des neuen Gebäudes entsteht ein Therapiezentrum mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie. Zusätzlich zieht die Arztpraxis von Volker Seitter und Anja Tischer in das Diensleistungszentrum um. "Die Sicherstellung dieser ärztlichen Versorgung ist, gerade auf dem Land, eines der drängendsten Zukunftsprobleme", sagte Dietmar Hofmann.

Seit acht Jahren geplant


Volker Seitter, den Hofmann als einen der Gründungsväter des Projektes bezeichnete, hat sich seit acht Jahren mit einer Lösung für das brach liegende Bahnhofsgelände befasst. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: "Die Zusammensetzung ist fantastisch." Die neue Praxis biete die Möglichkeit, innovative medizinische Versorgungskonzepte auf dem Land zu realisieren.

Investition: drei Millionen Euro


In den drei Millionen Euro teuren Komplex werden auch sechs senioren- und behindertengerechte Eigentumswohnungen integriert, die die Sparkasse Kulmbach-Kronach anbietet. Bürgermeister Hofmann betonte, dass es sich bei dem Gebäude nicht nur um einen schlichten Zweckbau, sondern um einen "optischen Leckerbissen" handelt, den das Architekturbüro Nickel und Wachter aus Bamberg entworfen hat.

Während der Bauarbeiten soll auch die Hochwasserfreilegung von der Badersbergstraße bis zum Schlossweiher im Bereich des Bahnhofsgeländes verlegt werden. "Unser Ziel ist, diese Maßnahme durch den Erlös aus dem Grundstücksverkauf zu finanzieren", sagte Hofmann. Das Areal hatte zuvor der Marktgemeinde Thurnau gehört. Einen Wermutstropfen gibt es dann doch: Die alten Bäume auf dem Gelände müssen für die Baumaßnahme weichen. Man werde sich aber, so Hofmann, darum bemühen, das Gebäude so grün wie möglich zu gestalten. Der Busbahnhof soll in den hinteren Bereich der gemeindlichen Grundstücke verlegt und dadurch übersichtlicher und sicherer werden.