Fast sein ganzes Leben hat Horst Pfadenhauer das Kaspar-Zeuß-Gymnasium in Kronach besucht - erst als Schüler, später als Lehrer und Mitglied der Schulleitung. Jetzt ist er der neue Chef des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums in Kulmbach.

Die Historie

Der 51-Jährige ist ein Mann, der in baulicher Hinsicht neue Akzente setzen will, der sich aber auch der Historie der Schule verpflichtet fühlt, die in fünf Jahren ihr 625-jähriges Bestehen feiert. Die ersten Zeichen hat er bereits gegeben: Zum Schulanfang wurde das alte, trutzige Hauptportal geöffnet, damit Eltern und Schüler auch durch den antiken Eingang ins Gymnasium einziehen konnten. Auch die Fahne der Schule wurde gehisst. Und in seinem Büro hat er das alte, dunkle Bildnis des Namensgebers der Schule, das Markgraf Georg Friedrich zeigt, aufgehängt. Zur über sechs Jahrhunderte währenden Geschichte des Hauses sagt er: "Kolumbus hatte noch nicht Amerika entdeckt, da gab es die Schule schon."

Der besondere Geist

Pfadenhauer spürt am Gymnasium einen besonderen Geist. "Wir haben ein offenes Miteinander. Die Schüler empfinden es als etwas Besonderes, hier zur Schule zu geben", sagt der 51-Jährige, der in seiner neuen Rolle den Kontakt zu den Schülern suchen will. Die haben ihm schon einen Spitznamen gegeben. Pfadi" wird er genannt. "Pfadenhauer ist einfach zu lang. Mit dem Spitznamen kann ich leben. Ich war schon immer Pfadi", sagt er. Die Verkürzung seines Namens nimmt er gelassen hin.

Der neue Schulleiter weiß, dass viel Arbeit auf ihn wartet. So gilt es, die Pausenhalle, die schon lange geplant ist, zu vollenden. "Eigentlich sollte der Bau schon am 1. August beginnen, aber die Baugenehmigung steht noch aus. Ich hoffe, dass das jetzt bald über die Bühne geht", sagt Pfadenhauer.

Die Sanierung des F-Baus

Der 51-Jährige hat weitere Ideen, was sich an seiner neuen Wirkungsstätte ändern sollte. "Ganz dringend ist die energetische Sanierung des F-Baus. Meine Vorstellungen muss ich aber noch im Kreisausschuss vorstellen." Auch die Sanierung des Hauptbaus sei erforderlich. "Unsere Schule kann auf die hervorragenden Planungen meines Vorgängers, Oberstudiendirektor Hans-Werner Fischer, aufbauen", stellt der neue Schulleiter fest und führt an: "Wenn wir das alles bis zum Jubiläum hinbekommen würden, wäre das eine schöne Sache, wenn auch das Ziel ambitioniert ist. Denn die Baufortschritte müssen immer einen funktionierenden Schulbetrieb ermöglichen."

Keine Container

Er will, dass das MGFG auch künftig ohne eine Containerbeschulung auskommt. "Wenn die Pausenhalle nächstes Jahr in Angriff genommen wird, dann könnte sie im Dezember 2015 in Betrieb genommen werden. Und dann könnten wir ohne Bauunterbrechung im Anschluss gleich zügig den Altbau sanieren." Der historische Hauptbau sei "das markante Gesicht unserer Schule, auf das wir zurecht stolz sein können", betont der 51-Jährige, der hofft, dass die Gremien im Bauausschuss mitziehen werden.

"Das schönste Lehrerzimmer"

Er hat viele Bausteine entdeckt, die das Gymnasium zu etwas Außergewöhnlichem machen. Er spricht von einer einzigartigen Theaterarbeit und freut sich, dass eine neue Theaterklasse gegründet worden ist. "Ich habe früher selbst ein Theaterstück geschrieben", erzählt der Mann, der vom "schönsten Lehrerzimmer mit einem herrlichen Blick auf die Plassenburg" schwärmt. Pfadenhauer will sich dafür einsetzen, "dass die Lehrer gute Arbeitsbedingungen haben und die Schüler sich wohlfühlen. Dabei schwebt ihm vor, dass die Schüler ihre Klassenzimmer selbst attraktivieren. "Der Wohlfühlcharakter ist wichtig", sagt der neue Chef.

Die Biologiesammlung, so hat er festgestellt, habe einen geradezu unermesslichen historischen Wert. "Im Physikbereich müssen wir noch etwas aufstocken", sagt Pfadenhauer, der die Computerausstattung als top bezeichnet. "Wir werden auch in Zukunft das Konzept, dass alle Siebtklässler personalisierte Laptops bekommen sollen, weiterführen", stellt der 51-Jährige fest, der auch die Austauschprogramme mit Frankreich, England und Spanien sowie mit Brünn in Tschechien fortführen und sogar ausbauen will.

Fußball-Stützpunkt

Besonders freut er sich, dass der musische Bereich über die Grenzen Kulmbachs hinaus bekannt und ein Aushängeschild des Gymnasiums ist. Mit Blick auf die Fußball-Stützpunktschule wünscht er sich, dass ein Duell mit dem Caspar-Vischer-Gymnasium ausgetragen wird. Auf freundschaftlicher Ebene. Die Schulmannschaften sollten gegeneinander antreten, von den Fanblocks ihrer Gymnasien angefeuert werden. " Ich könnte mir ein großes Abschlussevent vorstellen, wie man es von den amerikanischen Schulen her kennt", sagt Pfadenhauer, der diesbezüglich Kontakt mit dem CVG aufnehmen will.

Ganz wichtig ist es ihm, die Starken zu fordern und die Schwachen zu fördern. "Wir haben mit dem Hochbegabtenkurs schon gute Ansätze, aber man kann diese Idee sicher noch in anderen Bereichen ausbauen." Auch die Verzahnung mit der Wirtschaft und Industrie will er stärken. "Denn auch für Gymnasiasten ist der Kontakt mit der Berufswelt wichtig."

Aus der Sicht des Vaters

"Ich sehe das Schulsystem nicht nur aus der Perspektive des Schulleiters und Lehrers, sondern auch aus der eines Vaters", sagt der 51-Jährige, der zwei Kinder hat: Sohn Max (15) und Tochter Antonia (13). Am MGF-Gymnasium schlüpft er nicht nur in die Chefrolle, sondern unterrichtet auch selbst in den Fächern Erdkunde, Deutsch und Geschichte.