Im vergangenen Jahr sind auf Bayerns Autobahnen 105 Menschen tödlich verunglückt. Oberfrankens Polizeipräsident Reinhard Kunkel nannte am Donnerstag in Himmelkron dramatische Zahlen für seinen Regierungsbezirk. Insgesamt sind 2013 auf Oberfrankens Straßen 63 Menschen ums Leben gekommen, davon zehn auf den Autobahnen. Dabei war in drei Fällen geringer Abstand der Auslöser, also in 30 Prozent aller Fälle. Damit sei ein zu geringer Abstand die Unfallursache Nummer 1, so Kunkel.

Um diese Zahlen zu senken, ist natürlich Präventionsarbeit ein wichtiger Aspekt. Abstands- und Geschwindigkeitskontrollen sind hier seit vielen Jahren ein beliebtes Instrument der Polizei, da solche Messungen nicht nur präventiv und zu kontrollieren sind, sie dienen auch der Abschreckung. "Wir wollen keine absolute Kontrolle, wir wollen die typischen Raser und Drängler", so der Präsident der oberfränkischen Polizei weiter.


Gestochen scharfe Bilder
Mit modernster Technik geht die bayerische Polizei daher nun flächendeckend in die Offensive. Verkehrskontrollsystem "VKS 3.0" - Das Beste was die Technik derzeit hergibt, wird seit Jahresbeginn auf den fränkischen Straßen erprobt.

Seit Mai befindet sich diese digitale Messtechnik im Echtbetrieb und liefert nicht nur gestochen scharfe Bilder, sie lässt auch kaum noch Fehler zu. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen erkennt das "VKS 3.0" jetzt eigenständig einen Verstoß und kann die benötigten Fahrerbilder produzieren. Früher musste der Messbeamte die jeweilige Situation selbst erkennen und ein entsprechendes Foto speichern.


Digitales Blitzen
Rund 22 Messtellen haben die Beamten der Verkehrspolizei Hof und Bayreuth fest vermessen und eingerichtet. Auch an der A9 bei Himmelkron wurde die Fahrbahn entsprechend eingemessen und gekennzeichnet. Volker Fiedler von der Verkehrspolizei Coburg ist der Geräte-Ausbilder für ganz Oberfranken. Er kennt das neue System wie kein anderer und hat uns das Technikwunder einmal direkt an der Messstelle Himmelkron vorgestellt.

Auf einer dreispurigen Autobahn, benötigt man insgesamt vier Kameras. Mit der sogenannten Tatkamera wird der gesamte Straßenverlauf auf knapp 300 Meter abgescannt und kontrolliert. Sollte es zu Verstößen kommen, so wird ein Signal an die jeweiligen "Identkameras" gesendet, die dann die entsprechenden und bekannten Bilder von Fahrzeug und Fahrer anfertigen. Es steht also für jeden Fahrstreifen eine gesonderte Kamera zur Verfügung, die nur dann ausgelöst wird, wenn es von der Tatkamera so angeordnet wird.


Kritik wegen Datenschutz
In den letzten Tagen und Wochen mehrten sich bereits die Stimmen gegen das neue "VAG Digital VKS 3.0". Datenschützer und Autofahrer hatten große Bedenken, dass durch die permanent aufzeichnende Tatkamera eine riesige Datenmenge an Kennzeichen und Fahrern vorrätig gespeichert wird. Diese Kritik weist Polizeipräsident Kunkel jedoch vehement zurück. Genau wie beim alten System würden nur solche Kennzeichen dokumentiert, die auch wirklich einen Verstoß begangen haben. Die kritisierte Tatkamera sei nur der Auslöser, der früher manuell getätigt werden musste. Durch ihre Pal-Funktion habe sie nicht einmal die Möglichkeit, ein entsprechend lesbares Bild zu liefern. Mit lächerlichen 25 Bildern pro Sekunde entspricht dies einer Auflösung von 0,4 Megapixeln.

Selbst wenn Bilder aus der Tatkamera gezogen werden sollten, so könne man diese nicht auswerten, weil die Pixelung eine visuelle Erkennung unmöglich mache. Jedes Handy liefere bessere Fotos als die umstrittene Tatkamera. Von verdachtsunabhängigen Aufnahmen oder Speicherungen könne also in keinster Weise die Rede sein. Der Anschaffungspreis für ein solches Mess- und Auswertesystem liegt nach Angaben der Polizei inklusive Einbau bei etwa 170.000 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten des Trägerfahrzeuges.


"Halber Tacho"
Im Regelfall wird hierzu ein Kleinbus eingesetzt, weil die Menge an Ausrüstung in einem Pkw keinen Platz fände. Im Falle der Bayreuther Verkehrspolizei kommt die gesamte Einheit auf einen stolzen Preis von rund 250.000 Euro. In jedem Fall ist das Einhalten von Geschwindigkeit und Abstand noch immer die beste Unfallprävention.

Als Faustformel gelte laut Polizei nach wie vor der "halbe Tacho". Bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern betrage der einzuhaltende Abstand also 50 Meter. Orientieren könne man sich dabei an den Leitpfosten der Autobahn, diese stehen mit einem Abstand von 50 Metern auseinander.