Das altehrwürdige "Frankenlied" ist als schmissiger Marsch oder fidele Wanderweise wohlbekannt. Wie wäre es, der inoffiziellen Landeshymne der Franken ein neues Kleid zu geben? Sie im Heavy-Metal-Gewand aufzumotzen? Sie als Sample, also als gesprochene Textaufnahme, in einen Techno-Song einzubauen? Sie rockig, poppig, jazzig oder im fränkischen Liedermachergewand zu interpretieren? Oder vorgetragen von einem Tenor, der zu sanften Harfenklängen auf lateinisch die wohlbekannten Worte rezitiert: "Age, flat aura frigida! Diu qui cubat, torpet. - Wohlauf die Luft geht frisch und rein! Wer lange sitzt, muss rosten."

"Spannend", dachten sich Natalie Gutgesell und Jürgen Bergmann. Erstere ist Kuratorin der Ausstellung "Da hat Herr Scheffel etwas dazu gedichtet. Joseph Victor von Scheffel als bildender Künstler", die ab 11. Juli im Museum von Kloster Banz zu sehen ist.

Letzterer ist Vorsitzender des Burgkunstadter Kleinkunstverein "TECnet Obermain", der im "TECnet Zentrum" in Burkersdorf ein Tonstudio unterhält und dort Rock- und Popkonzerte organisiert.

Die aus Bad Staffelstein stammende Natalie Gutgesell ist nicht nur eine, sondern ganz sicher die "Scheffel-Expertin" schlechthin. Seit 2010 hat sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit Archive nach dem 1826 in Karlsruhe geboren Literaten und bildenden Künstler durchforstet, die pünktlich zum Ausstellungsbeginn am 11. Juli in Buchform erscheinen wird.

Aktueller denn je

Was hat ein Künstler aus der Zeit des Biedermeier heutigen Generationen zu sagen? "Viel, weil er aktueller denn je ist, wenn man seinen Roman ‚Der Trompeter von Säckigen‘ oder seine Briefe liest", meint Gutgesell und überrascht mit der Feststellung: "Ich sehe sogar Parallelen zu Popsänger Bruno Mars." Der amerikanische Musiker singe Songs voller Sehnsucht und Trennungsschmerz - so wie einst der Protagonist Schaffels.

Für die 41-Jährige steht zudem fest: "Scheffel, der bei einem mehrwöchigen Aufenthalt auf Kloster Banz im Jahre 1859 das Wanderlied, das später als Frankenlied bekannt werden sollte, geschrieben hat, war ein Popstar, also ein populärer Star des 19. Jahrhunderts." Und hat dafür schlagende Argumente: Sie erzählt von Frauen, die zu seiner Villa nach Radolfzell gepilgert seien und eine Hysterie veranstaltet hätten, wie dereinst die "Beatles", von Fanbriefen, Autogrammen, Künstlerfotos.

Kritik früher und heute

Eisenbahn, Telegraf oder Fotoapparat - die Zeit Scheffels war eine Epoche des technischen Wandels. Hier sieht Gutgesell weitere Parallelen zu unserer Zeit. "Damals wie heute wird der technische Wandel mitunter in einem kritischen Licht gesehen, obwohl ihn jeder nutzt oder genutzt hat." Scheffel habe Landschaften immer ohne Fa brikschlöte oder Telegrafenmasten gezeichnet oder gemalt. Obwohl er den neuen Techniken kritisch eingestellt gewesen sei, habe er in den 1860er Jahren die Fotografie für sich entdeckt.

In den kommenden Wochen sind die heimischen Künstler an der Reihe, sich ihre Gedanken über Joseph Victor von Scheffel und sein Frankenlied zu machen, zu dem Valentin Eduard Becker 1861 die Melodie geschrieben hatte.

Eine Jury, bestehend aus Gutgesell, Bergmann und Christian Witte, Musiklehrer am Gymnasium Burgkunstadt, wird die Spreu vom Weizen trennen. "Die eingereichten Interpretationen werden nach Kreativität und Originalität beurteilt. Alle Stile der Unterhaltungsmusik und der ernsten Musik sind erlaubt. Allerdings müssen drei Strophen im Originaltext erhalten sein und auch die Melodie noch erkennbar sein." Die Gewinner werden mit einer Studioaufnahme im "TECnet Zentrum" belohnt.

Was wollen die beiden mit ihrem Wettbewerb erreichen? "Wir wollen diesen vielseitigen Künstler und das Frankenlied heutigen Generationen näherbringen." Und: "Der Wettbewerb soll dazu beitragen, heimische Künstler, die sich durch den Wettbewerb kennenlernen, miteinander zu vernetzen."

Wer Bei dem Wettbewerb mitmachen möchte, schickt seine Aufnahme bis s 15. August als MP3 an frankenlied@scheffel-ausstellung.de