Im Prozess um den Kulmbacher Schulbusfahrer, der eine Schülerin zum Sex gezwungen haben soll, ist es am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht zu einer dicken Überraschung gekommen. Obwohl sämtliche Prozessbeobachter vom Abschluss der Beweisaufnahme ausgegangen waren, stellte Verteidiger Franz Stübinger aus Kulmbach völlig überraschend mehrere Beweisanträge. Dem Weitestgehenden gaben die Richter statt. Demnach wird nach Ostern ein Zeuge eigens aus Mazedonien eingeflogen, der den angeklagten 41-Jährigen zumindest in einem Anklagepunkt komplett entlasten soll.

Das Mädchen überredet

Wie berichtet soll der Mann zwischen September und Dezember 2011 ein damals 13-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Als Tatort listet die Anklage jeweils den Schulbus auf, den der Angeklagte nur mit seinem Opfer besetzt in ein Waldstück bei Höferänger und auf den Parkplatz am Schwedensteg gelenkt haben soll. Die Anklage geht davon aus, dass der Mann das Mädchen jedes Mal überreden konnte.

Aufgeflogen war die Sache, als sich das Mädchen, gerade 14 geworden, Ende 2011 aus Sorge vor einer Schwangerschaft einer Ärztin anvertraute.

Zur Tatzeit nicht allein im Bus?

Die jetzt vorgelegten Beweisanträge haben alle ein Ziel: das Gericht von der Unschuld des Busfahrers zu überzeugen. So soll der Zeuge aus Mazedonien an einem der angeblichen Tattage im Bus mitgefahren sein, und zwar genau zur Tatzeit. "Es kann also gar keinen Übergriff gegeben haben", so der Verteidiger.

Um zu überprüfen, was Sache ist, soll der Mann nun nach Ostern vor Gericht aussagen. Ebenso ein Schüler aus der Nähe von Kulmbach. Er soll an einem der anderen angeblichen Tattage zur Tatzeit im Bus mitgefahren und nicht etwa vorher ausgestiegen sein, wie es das Mädchen in seiner Aussage behauptet hat.

Fahrzeiten feststellen und DNA-Spuren sichern

In den weiteren Beweisanträgen will die Verteidigung bestimmte Fahrzeiten festgestellt wissen, eine weitere Freundin zur vermeintlichen Schwärmerei des Opfers für den Angeklagten vernehmen und einen Abstrich der Frauenärztin auf DNA-Spuren untersuchen lassen. Letzteres sei allerdings praktisch aussichtslos, da Spermienspuren nur in Ausnahmefällen länger als 48 Stunden nachweisbar sind, so das Rechtsmedizinische Institut der Universität Erlangen in einer ersten Stellungnahme.

An den bisherigen zwei Verhandlungstagen hatte der Schulbusfahrer jede Schuld weit von sich gewiesen. "An der Anklage ist überhaupt nichts dran", beteuerte der 41-Jährige immer wieder. Das Mädchen sei in ihn verliebt gewesen. Die 13-Jährige habe genau gewusst, welche Linie er fahre, und so habe sie ihn regelrecht verfolgt. Er habe sich nichts dabei gedacht, so der verheiratete Mann. Er sei einfach zu gutmütig gewesen, denn eigentlich habe er nur gewollt, dass sie ihn in Ruhe lässt.

Während Staatsanwalt Michael Hofmann einen Teil der Beweisanträge als bereits erledigt ansah, sprach Nebenklagevertreterin Kristina von Imhoff von Prozessverschleppung und lehnte es ab, den Zeugen einzufliegen.

Fortsetzung am 3. April

Das Mädchen hatte bereits am ersten Verhandlungstag detailliert die Übergriffe des Busfahrers bestätigt. Sie räumte damals auch auf ausdrückliche Nachfrage der Richter ein, dass sie anfangs für den Busfahrer geschwärmt und ihn als coolen Typen gesehen habe. Doch als er immer aufdringlicher geworden sei, habe sie nicht mehr gewusst, wie sie damit umgehen sollte. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 3. April, fortgesetzt.