Die Kommunalwahlen im März 2014 werfen vielerorts bereits ihre Schatten voraus. Auch der CSU-Ortsverband Neudrossenfeld ist dieser Tage in Bewegung geraten, denn Vorsitzender Björn Sommerer hat sein Amt niedergelegt. Er trägt sich nicht nur mit dem Gedanken, mit einer eigenen Gemeinderatsliste zur Kommunalwahl anzutreten, sondern will eventuell auch für das Amt des Bürgermeisters kandidieren.

Sommerer verhehlt nicht, dass dieser Schritt auch Resultat einer gewissen Verärgerung und Enttäuschung ist. Denn: Seit April wird in der CSU die Aufstellung eines eigenen Bürgermeisterkandidaten diskutiert, der jetzt aber nicht Björn Sommerer, sondern Harald Hübner heißen soll.

Was ist im Ortsverband geschehen? "Ich habe bereits am 10. Juni die Geschäfte meinen Stellvertretern übergeben. Am 10. Oktober bin ich in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vom Amt des Vorsitzenden der CSU Neudrossenfeld zurückgetreten. Ich hoffte noch auf die Mitglieder, aber die sich abzeichnende Entwicklung hatte sich nicht mehr geändert."

Die Mitglieder, so Sommerer, hätten sich in einer Abstimmung - zwar nicht eindeutig, aber im Prinzip 2:1 - dafür entschieden, den leichteren Weg beziehungsweise die sichere Variante zu nehmen, dass die CSU Neudrossenfeld eben den nächsten Bürgermeister stellen könnte, weil sie von den Freien Wählern unterstützt werden.
Björn Sommerer betont besonders, dass er die Methode, wie alles zustande kam, nicht unterstützen kann: "Ich bin persönlich dadurch sehr getroffen worden, dass die ganzen Gespräche und Verhandlungen von meinen Stellvertretern im CSU-Ortsverband ausgingen und auch forciert worden sind. Sommerer räumt ein, dass es weniger bei den Mitgliedern des Ortsver-bands, aber innerhalb des Vorstands Personen gebe, die sich dagegen ausgesprochen haben, die jetzige Variante zu wählen: "Das hat mich gefreut, dass doch der eine oder andere Courage hatte.

Die größte Courage zeigte unser Kassierer Uwe Peetz, der ebenfalls am 10. Oktober von seinen Geschäften zurückgetreten ist. Auch er sagt, die CSU Neudrossenfeld verkauft sich beziehungsweise verliert ihr Gesicht dabei, weil sie eben nicht eigenständig einen Kandidaten aufstellt, sondern das im Vorfeld mit den Freien Wählern aushandelt."

Vor allem stört Sommerer, dass im Vorfeld die Gespräche "alle ohne mich" gelaufen sind, wo er doch schließlich Vorsitzender des Ortsverbands sei. "Man hat mich da bewusst außen vor gelassen, und erst, als die ersten Gespräche bereits gelaufen waren, ist man auf mich zugekommen."

"Wäre keine saubere Wahl"

Was sich Björn Sommerer selbst vorwirft: "Ich hätte vielleicht eher auf die Mitglieder zugehen müssen, aber ich wollte die Thematik erst im Vorstand besprechen, denn wir hatten in vor vier, fünf Jahren eine neue Zielrichtung ausgegeben. Ich war dann einfach sehr überrascht über diese Entwicklung." Das Votum der Mitglieder wollte Björn Sommerer bewusst nicht abwarten: "Ich wollte sie nicht vor die Entscheidung stellen, sich zwischen mir und Harald Hübner zu entscheiden.

Das wäre für mich im Endeffekt keine saubere demokratische Wahl gewesen, denn es wäre keine Entscheidung zwischen einem Björn Sommerer, CSU, und Harald Hübner, CSU, geworden, sondern es wäre immer eine Entscheidung zwischen Harald Hübner CSU und Freien Wählern auf der einen Seite und Björn Sommerer, CSU, auf der anderen gewesen. Es wäre immer der Beigeschmack vorhanden gewesen, dass hier die Freien Wähler dahinterstehen, denn sie haben auch ausdrücklich verlauten lassen, dass sie sich eine Zusammenarbeit mit mir nicht vorstellen können."

Kein bequemer Kommunalpolitiker

Dass er in seiner Arbeit als Gemeinderat nicht unbedingt ein bequemer Kommunalpolitiker ist, sondern auch die eine oder andere Sache kritisch hinterfragt und manchmal auch Dinge generell in Frage stellt, räumt Sommerer ein: "Ich nicke nicht alles ab, so wie es gewollt wird, und das habe ich im Gemeinderat entsprechend gezeigt. Ich habe auch mitunter gegen meine Fraktion zum Wohl des Bürgers entschieden."
In einer Kommune, betont er, dürfe es nicht um Parteipolitik gehen, sondern um Sachpolitik. Wer neues Denken vorbringe, sei das nicht immer bei der älteren Generation im Gemeinderat erwünscht."

"Gedanken in alle Richtungen"

Björn Sommerer wird die verbleibenden Monate bis zur Kommunalwahl weiterhin der CSU-Gemeinderatsfraktion im Gemeinderat angehören - und über seine weitere Zukunft als Kommunalpolitiker nachdenken. "Gedanken gibt es in alle Richtungen. Zum einen den, dass man sich aufgrund der Verärgerung und Enttäuschung komplett zurückzieht; aber es gibt wiederum Stimmen aus der Bevölkerung, die gehofft haben, dass mit meiner Person eine neue Variante kommt.

Ich bin mir da noch nicht so ganz im Klaren, in welche Richtung es geht, aber ich bin nicht abgeneigt, auch zu kämpfen", sagt der 36-jährige Unternehmer. Er arbeite ja auch in vielen Vereinen aktiv mit und zeige damit, dass er sich engagiere. Ob das auch in Zukunft als Gemeinderat oder als Bürgermeister der Fall sein werde, bleibe dahingestellt. "Ich würde mir jedenfalls das Amt des Bürgermeisters zutrauen, denn ansonsten wäre ich ja nicht bis vor einem dreiviertel Jahr der Spitzenkandidat der CSU gewesen. Ich denke, hier kann sich noch Einiges entwickeln. Vielleicht kann es auch sein, dass es zur Kandidatur von Björn Sommerer als Bürgermeister kommt und es eine unabhängige Gemeinderatsliste gibt."