Vor der Scheune des Heinersreuther Barons liegt schon massenweise Baustahlgewebe. Das soll in den Boden eingebracht werden, erklärt Klaus Heidenreiter (50), Geschäftsführer der Öko-Energie Landwerke Heinersreuth UG, und schmunzelt gleich. Denn schon wieder sind Unwägbarkeiten aufgetreten. Kaum war der Boden der Scheune ausgebaggert, fing es an zu regnen. Massenweise floss das Wasser hinein. Die Scheune ähnelt jetzt eher einem schlammigen Schwimmbad. "Aber sobald es aufhört zu regnen und das Wasser wieder rausgelaufen ist, geht der Bau weiter", erklärt Heidenreiter.

"Jetzt wird wirklich gebaut", bestätigt Burkhard Wunner (70), der ebenfalls Geschäftsführer ist. Er betont, dass die Heinersreuther nicht mehr aufzuhalten sind. Auch mit dem Bau des rund zwei Kilometer langen Leitungsnetzes soll es zügig losgehen - spätestens nächste Woche. Alle Finanzierungsdetails stehen, der Leitungsverlauf ist klar. Rund eine Million Euro werden Bürger des Pressecker Ortsteils in das neue Nahwärmenetz investieren.
Die meisten haben sich für eine Anschlussgebühr in Höhe von 3000 Euro entschieden. "Aber es gab auch die Möglichkeit, mit 1000 oder 5000 Euro einzusteigen", erklärt Heidenreiter das Konzept. Von der Tatsache, dass erst jetzt wieder ein potenzieller Anschlussnehmer abgesprungen ist, lassen sich die Heinersreuther nicht entmutigen. Denn sie haben noch einen Ersatz in petto.

Unterdessen ist Gastwirt Karl Wirth (66), der ebenfalls anschließen möchte und weg vom Öl will, mit Marco Wagner im Keller unterwegs. Letzterer sucht derzeit alle Anschlussnehmer auf und trägt den genauen Leitungsbedarf ein.

"Wir konnten den Bau auch nicht übers Knie brechen. Das war ein bisschen zu optimistisch gedacht. So ein Nahwärmenetz braucht einfach seine Zeit", sagt Klaus Heidenreiter. Doch nun steht vertraglich fest, dass das Nahwärmenetz bis 1. Oktober stehen soll.

Eine besondere Herausforderung bei einer Etablierung eines Nahwärmenetzes in Heinersreuth ist nun einmal die Tatsache, dass die Hausbesitzer nicht nur Wärme, sondern auch Strom erzeugen möchten. "Ohne Strom hätte das alles keinen Sinn gehabt", sagt Burkhard Wunner. Der 70-Jährige heizt sein Haus, das immerhin 250 Quadratmeter Wohnfläche hat, derzeit noch mit Öl und Strom. "Ich will von beidem weg, hofft Wunner natürlich auch auf ein Einsparpotenzial. "Ich habe noch nicht genau durchgerechnet, was ich sparen könnte, aber ich denke, dass es auf jedem Fall 1000 Euro pro Jahr sein werden."

"Für mich kam das Nahwärmenetz genau zum richtigen Zeitpunkt. Meine Heizung ist 20 Jahre alt, und ich heize noch mit Öl. Außerdem habe ich noch einen Kachelofen - der bleibt natürlich", erklärt Klaus Heidenreiter (50) und freut sich schon darauf, dass jetzt in Heinersreuth eine neue Ära beginnt.