In die "Nähe des versuchten Totschlags" rückte Staatsanwältin Susanne Heppel eine gefährliche Körperverletzung, die am gestrigen Mittwoch am Amtsgericht Lichtenfels verhandelt wurde. Der Täter, ein 23-jähriger Thurnauer, dürfte ob der letztlich ausgesprochenen Bewährungsstrafe erleichtert gewesen sein, denn in seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung sprach er gar von der Bereitschaft zum "Absitzen".

Zwei Tritte soll der junge Mann in der Nacht zum 1. November 2012 einem Gast eines Tanzlokals im südöstlichen Landkreis Lichtenfels versetzt haben. Tritte gegen den Kopf. Das macht die Sache so gefährlich, denn ein beschuhter Fuß kann einen Totschlag hervorrufen. Dass das nicht in seiner Absicht gestanden habe, machte der bislang nie mit dem Gesetz in Konflikt geratene Angeklagte deutlich. Aber klare Erinnerungen an den damaligen Abend schien er auch nicht mehr zu haben.

Verschwommene Erinnerungen

An der Auseinandersetzung zweier Gruppen schien er beteiligt gewesen zu sein, aber welche Rolle er dabei genau spielte, konnte oder mochte er nicht beantworten. "Ich weiß nur, dass ich eine kassiert gekriegt hab'", sagte er. Plötzlich, so der Angeschuldigte weiter, habe er selbst ohne T-Shirt dagestanden, sei in eine Hecke gestürzt worden und habe auch an sich selbst Blut festgestellt.

Bei all seinen Schilderungen unternahm der Angeklagte aber nie den Versuch, sich selbst von Schuld freizusprechen. "Ich steh' jetzt da und bade das aus", sagte er in Richtung seines Opfers, gab aber auch an, ein eher verschwommenes Bild vom Tatabend gehabt zu haben.

Zum Verschwimmen dürften auch die Mengen Alkohol beigetragen haben, von denen die Rede war. Auf zwei Promille habe sich der Alkoholwert des Täters belaufen, auf 1,5 Promille der des Opfers.

Letzterem ist vor allem ein Satz in Erinnerung geblieben: "Jetzt kriegst du auch eine." Kurz nach diesen Worten habe der 23-Jährige gegen ihn ausgeholt und ihn zwei Mal am Kopf getroffen. Ob noch an anderen Körperteilen, dessen war sich das Opfer nicht sicher. Aber nähere Umstände konnte der Mann nicht mitteilen, da er mittlerweile zu einem späteren Zeitpunkt auch einen Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Was ihm noch gegenwärtig schien, war eine Auseinandersetzung vor dem Tanzlokal, während der er zu Fall kam, mit dem Rücken in eine hölzerne Heckeneinfassung stürzte und dort zunächst bewusstlos liegen blieb. Bald aber habe er wahrnehmen können, wie jemand ohne T-Shirt auf ihn einzutreten begann. "Zwei (Tritte) habe ich auf jeden Fall auf den Kopf gekriegt." Mehrmals sprach Richter Christoph Lehmann dem Beschuldigten ins Gewissen, sich daran zu erinnern, wer in jener Nacht noch an der Prügelei beteiligt gewesen war. "Ich wusste ja nicht einmal mehr, warum ich kein T-Shirt angehabt hab'", entgegnete einmal der Angesprochene.

Bislang war diese Prügelei mit den Tritten gegen den Kopf seines Opfers die ersten strafrechtlichen Auffälligkeiten des Thurnauers. Von einem "Black-out" sprach er und davon, dass er auf Grund des Vorgefallenen kein "Komasaufen" mehr betreibe und seit wenigen Tagen überhaupt keinen Alkohol mehr trinke. Tatsächlich gehe er nicht einmal mehr aus, weil er nicht erneut in Situationen geraten wolle, die er dann ausbaden müsse.
Es waren durchaus glaubwürdige Einlassungen, die der junge Mann von sich gab.

2000 Euro Geldauflage

Wohl auch deshalb zeigte sich sein damaliges Opfer schnell bereit, die Hand des Täters zu ergreifen und die Entschuldigung anzunehmen. Absitzen brauchte der Thurnauer seine Strafe nicht. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde er zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Seine Bewährungsauflage lautet dabei auf Zahlung von 2000 Euro an den Geschädigten.