Draußen herrschten tropische Temperaturen. Was die Zuhörer in der Kreuzkirche nicht schreckte: Zahlreich waren sie gekommen - und wurdenmit einem musikalischen Reigen aus Werken von Vivaldi und Mozart belohnt. Das Kulmbacher Kammerorchester unter der Leitung von Horst Degelmann präsentierte bei diesem 25. Orchesterkonzert mit jungen Solisten drei junge, talentierte Künstler an Violine, Klavier und Horn.

Erst elf Jahre alt ist Michael Schneider, der das Konzert als Solist an der Violine eröffnete. Er hatte sich für Antonio Vivaldis "Concerto G-Dur" entschieden und ließ gekonnt und mit leicht verschmitztem Lächeln den Bogen über die Saiten tanzen. "Ich vermute, der junge Mann wird in seiner Interpretation fränkische Energie mit venezianischem Charme zusammenpacken", scherzte Moderator Ludwig Weilbacher bei seiner Einführung, in der er wie gewohnt kleine Anekdoten zu Komponist und Stück zum Besten gab.

Und Michael verstand es tatsächlich, insbesondere in sein Largo viel Gefühl zu legen. "Ich spiele seit sieben Jahren Violine und übe durchschnittlich 20 Minuten täglich", erklärte der junge Künstler, der sich noch nicht sicher ist, ob die Musik bei seiner Berufswahl eine Rolle spielen wird. Seinen ersten Erfolg als Musiker konnte er aber bereits verbuchen, als ihm 2012 der Ruckdeschel-Preis der Städtischen Musikschule Kulmbach verliehen wurde.

Ebenfalls sehr erfolgreich, aber ein paar Jahre älter war der nächste Solist am Klavier. Der 16-jährige Hannes Ritschel bekam 2013 den Ruckdeschel-Preis verliehen und konnte mehrfach Preise beim Wettbewerb "Jugend musiziert" mit nach Hause nehmen. "Ich spiele seit acht Jahren Klavier", sagte Hannes, "bei uns spielt die ganze Familie Klavier." Für dieses Konzert hatte er Mozarts Konzert G-Dur KV 453 vorbereitet, jedoch nur den 1. und 2. Satz, sozusagen die Kulmbacher Fassung des Konzerts, wie Moderator Weilbacher mit einem Augenzwinkern anmerkte. "Unser junger Künstler hat bei den Proben gemerkt, dass Mozart der Mount Everest unter den Komponisten ist, und er hat sich löblicher Weise dazu entschieden, den 3. Satz zu einem späteren Zeitpunkt zu präsentieren", kommentierte Ludwig Weilbacher.

Und wahrlich flink und gefühlvoll spielte sich Hannes Ritschel durch Mozarts Komposition, seine Finger flogen im 1. Satz nur so über die Tasten.

Dass Mozart nicht nur ein begnadeter Musiker und Komponist war, sondern auch ein gewitzter und humorvoller Mensch, zeigte sich bei der nächsten kleinen Anekdote, die Weilbacher anlässlich des dritten Solisten im Bunde zum Besten gab. "Den Hornisten Joseph Leitgeb und Mozart verband eine tiefe Freundschaft, die bis zum Ende hielt", sagte Ludwig Weilbacher. Mozart komponierte für Leitgeb vier Hornkonzerte und zwei Hornquintette, die niemand außer Leitgeb zu spielen vermochte. "Er erschwerte ihm die Arbeit noch dadurch, dass er die schwierigsten Stellen farbig markierte, so dass man sie kaum noch lesen konnte." Darüber schrieb er dann in etwa die Worte "Haha, soso, oh weh".

Hornist Alexander Hertel hatte an diesem Samstag mit solchen Widrigkeiten nicht zu kämpfen. Mit vier Jahren hatte er angefangen, Klavier zu spielen, bevor er vor zehn Jahren zum Horn wechselte. Das Konzert Nr. 1 D-Dur KV 412 präsentierte er souverän und einfühlsam, klangvolle Horntöne erfüllten die Kreuzkirche. Ab dem nächsten Semester wird der mehrfache Preisträger Orchestermusik studieren, und sein Traum ist es, später in ein Ensemble aufgenommen zu werden.

Als Gastensemble durften die Zuhörer an diesem Spätnachmittag den glockenhellen Stimmen der "jungen Zamiristen" lauschen, einer Gruppe von Sängerinnen der Musikschule Kulmbach, die sich unter der Leitung von Barbara Baier eigens für dieses Konzert zusammengefunden hatte.

Auf die Frage, nach welchem Verfahren denn die jungen Solisten ausgewählt werden, antwortete Dirigent Horst Degelmann: "Die Musiklehrer wählen ihre Schützlinge aus und der Dirigent geht davon aus, dass sie entsprechend vorbereitet werden." Gemeinsam mit dem großen Orchester probten die Solisten zwischen zwei und fünf Mal.