Wenn die Jungimker in Kulmbach eine Frage haben, wenden sie sich an Gerhard Wendt. Der 78-Jährige ist zweiter Vorsitzender des Imkervereins Kulmbach und der Imkerschule Mitwitz. Er hat schon viele Bienenstöcke von innen gesehen. In letzter Zeit hat bei Wendt das Telefon öfters geklingelt. Erst kürzlich hat einer mitgeteilt, dass ihm zwei Völker über den Winter eingegangen sind. Er wollte eine Analyse von Wendt, doch am Telefon ist das unmöglich. "Dazu muss ich das Volk sehen."

Ein ungewöhnlicher Winter

Er, Wendt, wisse teilweise selbst nicht, woran es bei ihm in diesem Winter lag, dass von fünf Völkern nur noch zwei übrig geblieben sind. Der Winter war extrem lang. "Dass wir einmal so spät dran waren, wüsste ich nicht mehr", sagt Hermann Lochner, der Vorsitzende des Kulmbacher Imkervereins. Die Masse der Völker werde mit Sicherheit nicht so stark wie gewöhnlich aus dem Winter kommen. "Die Ausfälle sind stärker als in anderen Wintern." Genaue Zahlen gibt es nicht, die Imker halten sich da gerne bedeckt.

"Dieses Jahr ist alles ein bisschen anders", hat auch Wendt festgestellt. Eines seiner noch lebenden Völker war extrem geschwächt. "Da waren nur noch eine Handvoll Bienen drin." Wenn er jetzt den Deckel der Kiste öffnet, dann brummt es nur so. Der Imker freut sich. Die jungen Bienen entwickeln sich und bringen fleißig Weidenpollen in die Waben ein. Um zu diesem Punkt zu kommen, musste der erfahrene Imker sich eines Tricks bedienen. Er ließ Jungbienen eines anderen Volkes vor das Einflugloch des geschwächten Volkes fliegen. Zusätzlich hat er den Kasten mit einer Lampe gewärmt. Es hat funktioniert: Jetzt bringen die Bienen fleißig Pollen ein. Und das Volk wächst.

Gerhard Wendt begutachtet die Waben. "Sieht gut aus", sagt er. Die Königin legt fleißig Eier. Einige Waben sind schon gedeckelt - das Zeichen, dass es Nachwuchs gibt. So lange es kalt war, haben die Bienen noch keine Eier gelegt. "Dann sitzen sie auf der Wintertraube", erklärt Hermann Lochner. Die Bienen müssen sich wärmen. Da es noch im vergangenen Monat so kalt war, saßen die Bienen also noch länger aufeinander. "Normalerweise geht es im März stets aufwärts", sagt Lochner, der den rund 200 Mitgliedern vorsitzt, die 330 Völker haben - oder besser hatten.

Ab zehn Grad fangen die Bienen zu fliegen an. Das war im März nicht der Fall. Diesen zeitlichen Rückstand jetzt im April aufzuholen, sei schwierig. "Vom Ei bis zur Blüte brauchen Bienen 40 Tage", sagt Lochner. Wenn jetzt erst die Eier gelegt werden, ist logisch, dass die Bienen teilweise zu wenig Pollen einbringen können. Dazu ist das Volk noch zu klein. Konsequenz: Es bleibt wenig oder gar kein Überschuss übrig. Dieser ist aber wichtig, denn das ist der Nektar, den die Bienen nicht brauchen. Sprich: Daraus kann Honig geschleudert werden.

Honig gibt es erst später

Im Juni dürfte das geschwächte Volk von Gerhard Wendt, das jetzt vielleicht tausend Bienen hat, auf die gesunde Stärke von 30.000 angewachsen sein. Dennoch, auch bei ihm wird es einen Frühjahrs-Honig erst einmal nicht geben, dazu ist das Volk zu schwach: "Die Natur erholt sich vom langen Winter, die Bienen sind noch hinten dran." Auf Rapshonig wird Wendt aller Voraussicht nach also verzichten müssen. Doch er setzt auf den Honig im Spätsommer.

Und es hätte für ihn auch schlimmer kommen können. Von manchen Imkern hat er erfahren, dass sie der lange Winter so richtig getroffen hat: "Manche haben gar keine Bienen mehr", sagt Wendt und schließt den Deckel des Bienenstocks.