Die Schließung von drei weiteren Filialen und die Tatsache, dass die "Mobile Geschäftsstelle" alle Orte, in denen es keine Filiale mehr gibt, nun nur noch ein Mal in der Woche anfährt, wird von vielen Kunden der Sparkasse Kulmbach-Kronach kritisiert. Die BR hat dazu Vorstand Harry Weiß befragt.

Sehr geehrter Herr Weiß. Ihr Vorstandkollege Klaus-Jürgen Scherr hat im August 2016 öffentlich erklärt, dass es 2017 definitiv keine Geschäftsstellenschließungen geben wird. Und doch wurden Mitte des Jahres die Zweigstellen in Melkendorf (Bild oben), Metzdorf und Trebgast dicht gemacht. Warum wurde das Versprechen nicht eingehalten?

Harry Weiß:
Mein Vorstandskollege hat bei seiner damaligen Aussage anlässlich unserer Bilanzpressekonferenz ausdrücklich betont, dass - unter Berücksichtigung der aktuellen Voraussetzungen und wenn diese sich nicht ändern - in 2017 keine Geschäftsstellen geschlossen werden. Insbesondere die Regionalbanken leiden massiv unter der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Durch die anhaltende Null- beziehungsweise sogar Negativzinsphase haben sich die Rahmenbedingungen verändert, was diesen Schritt leider notwendig machte.

Nimmt die Sparkasse in Kauf, dass etwa in Trebgast, wo die Raffeisenbank an ihrer Filiale festhält, Kunden zur Konkurrenz wechseln?
Unsere Trebgaster Kunden verlieren ja nicht ihren Berater. Er ist in der benachbarten Filiale zu erreichen und kommt gerne zu den Kunden nach Hause. Für reine Servicetätigkeiten besteht die Möglichkeit, die "Mobile Geschäftsstelle" ein Mal wöchentlich zu nutzen. Neben unseren Geschäftsstellen und der "Mobilen Geschäftsstelle" können unsere Kunden montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr auch unsere Sparkassenmitarbeiterinnen telefonisch unter 09221/885-0 erreichen. Diese helfen bei Serviceleistungen wie Kontostands-Abfragen, Überweisungen oder Daueraufträgen.
Mit Online-Banking bieten wir die Möglichkeit, 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche Bankgeschäfte zu erledigen.

Ist 2018 mit weiteren Filialschließungen zu rechnen?
In 2018 sind aktuell keine Geschäftsstellenschließungen geplant. Abhängig ist dies natürlich von den bereits genannten Rahmenbedingungen.

Warum werden in all den Gemeinden, in denen die Sparkasse Filialen schließt, gleichzeitig auch die Geldautomaten abgebaut? Vielen bietet der Automat zumindest noch die Möglichkeit, schnell an Bargeld zu gelangen.
Dies ist differenziert zu sehen und hängt von der Nutzung der Selbstbedienungsgeräte ab. An unseren ehemaligen Standorten mit hoher Nutzung, etwa bei den Geschäftsstellen Vereinshaus, Blaich und Metzdorf, haben wir die Automaten belassen. In Melkendorf und Trebgast hingegen sind die Geräte nur stark unterdurchschnittlich genutzt worden. Der Betrieb von Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern verursacht monatlich entsprechende Kosten, wie die Online-Anbindung und die Befüllung der Automaten durch externe Serviceunternehmen. Darin begründet sich auch, den Betrieb unserer Automaten hier einzustellen. Unsere nicht mobilen Kunden können Bargeld in unsere "Mobile Geschäftsstelle" einmal in der Woche abholen.

Ist der Ärger vieler Kunden darüber, dass die Sparkasse Kulmbach-Kronach als Bank mit einem öffentlichen Auftrag sich immer mehr aus der Fläche zurückzieht, verständlich?
Ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Verwaltungsrat und Vorstand haben sehr lange und ausführlich darüber diskutiert. Für mich persönlich ist die Entscheidung, eine Geschäftsstelle zu schließen, eine der schwierigsten, die man als Vorstand zu treffen hat.
Die Nutzungszahlen der Filialen haben sich, was die reinen Servicetätigkeiten angeht, in den letzten Jahren deutlich reduziert. Immer weniger Kunden suchen die Filiale vor Ort auf. Das gilt vor allem für kleine Filialen. Die Beratungen finden hier seit längerem für unsere Kunden mit ihren vertrauten Ansprechpartnern in den benachbarten größeren Filialen statt. Aber trotzdem: Den Kunden, die nach wie vor regelmäßig in diese Filialen gekommen sind, nehmen wir etwas weg, und das fällt auch mir persönlich sehr schwer. Dennoch glaube ich, dass wir durch den Einsatz der "Mobilen Geschäftsstelle" einen guten Ersatz geschaffen haben. Selbst nach der Schließung der Geschäftsstellen unterhalten wir eines der dichtesten Geschäftsstellen-Netze in Oberfranken und Bayern und werden somit weiterhin unserem öffentlichen Auftrag gerecht.

Bis dato wurden Orte, in denen die Sparkasse 2015 Filialen geschlossen hat, zwei Mal pro Woche mit der "fahrbaren Sparkasse" bedient". Jetzt fährt der Bus Dörfer nur noch einmal in der Woche an. Auch das stößt Kunden sauer auf.
Weil wir mit unserer "Mobilen Geschäftsstelle" weitere Standorte in unserem Geschäftsgebiet anfahren, mussten wir die Haltezeiten anpassen. Der "Fahrplan" ist an die Kundenfrequenz angepasst. Leider ist die Frequenz in manchen Orten im Vergleich zu unseren anderen Haltestellen unterdurchschnittlich. Wir beobachten die Entwicklungen kontinuierlich, um auf die Kundennutzung mit passenden Haltezeiten reagieren zu können. Die Anschaffung einer zweiten "Mobilen Geschäftsstelle" ist aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar und auch anhand der aktuellen Auslastung nicht notwendig.