Seit 18 Jahren leitet Thomas Eschenbacher das Sinfonische Blasorchester Kasendorf. Erwachsen geworden ist das Ensemble aber schon längst. Jedenfalls wurde das "Herbstkonzert 2013" ganz groß gefeiert: Mit einem Bühnen-Feuerwerk und anschließender House-Party bis in den frühen Morgen. Denn nach dem Konzert verwandelte sich der Saal in eine coole Lounge mit Sitzwürfeln und heißer Musik. Und die Jugend tanzte ab.

Zuvor hatten sich die 66 Musiker wieder einmal selbst übertroffen. Mit dem wohl schwierigsten Stück, das sie einstudiert hatten, machten die Kasendorfer den Anfang: Sie spielten den Karfreitagszauber aus Richard Wagners legendärem "Parsifal". Eine echte Besonderheit, denn es gibt kaum Laienorchester im Landkreis, die dieses Werk vom Instrumentarium her überhaupt stemmen könnten. Fünf Tubas, vier Hörner und zwei Fagotte sind mindestens nötig, damit das Stück aufgeführt werden kann.

Dirigent Thomas Eschenbacher gab offen zu, dass das Werk die Musiker anfangs entzweit und jede Menge Diskussionsbedarf bestanden hatte. "Zunächst waren drei dafür, dass wir Parsifal spielen, jetzt aber sind vielleicht noch drei nicht dafür", freute sich der 46-Jährige über den tosenden Applaus.

"Ja, es ist nicht einfach, Wagner zu spielen, und auch nicht einfach, Wagner zu verstehen", sagte Eschenbacher. Doch die Kasendorfer nahmen die Herausforderung an, was sich für die Zuhörer gelohnt hat. Auch für Nicht-Wagnerianer.

Beim Karfreitagszauber handelt es sich um eine impressionistische Naturschilderung. Es ist ein fast romantisches Stück, das auch glanzvolle und festliche Elemente enthält, ein Werk zwischen Ernst, Schmerz und neuer Hoffnung. "Die Melodie ist einfach wunderschön", urteilte Thomas Eschenbacher. Und tatsächlich konnten die Zuhörer in diesem Auszug aus Parsifal ohne Skandal-Inszenierung genießen, ohne zu schaudern.

Traumhaft machten die Musiker dann weiter und entführten ihr Publikum mit dem Höchststufenstück "Arcus" in einen Tagtraum. Auch dieses Werk hat es in sich. Denn so harmlos und verträumt die Musik auch klingt, es wechseln sich romantische und jazzige Elemente ab, sogar ein wenig Funk ist dabei.

Bei "Monsei" hatte Trompeter Andi Stark seinen großen Auftritt. Auch mit den unvergessenenen Melodien aus "My fair lady" begeisterte das Sinfonische Blasorchester. "Es ist aber nicht so, dass wir überhaupt keine Blasmusik mehr spielen. Das können wir auch", betonte der Dirigent und legte das festlich-trutzige "Die Regimentskinder" nach. Das Orchester spielte außerdem Filmmelodien aus "Star Trek", "Moonriver", "Over the Rainbow" und "Indiana Jones" und entführte die Zuhörer auf eine 80-Tage-Reise um die ganze Welt - in knapp zehn Minuten. Vor den Augen und Ohren der Zuhörer trompeteten Elefanten, erklang japanische, hauchzarte Musik und indische Melodien. Damit die Illusion perfekt wurde, hatte Eschenbacher einen Bilderreigen, den Techniker Kai Fischer mit einer Riesen-Leinwand in den Hintergrund projizierte, zusammengestellt.

Mit dem Toten-Hosen-Knaller "Tage wie diese" trat dann Andreas Caspar alias "Cash" ins Scheinwerferlicht. Der Sänger machte klar, dass auch moderne Musik ganz im Sinne des sinfonischen Blasorchesters ist. Und mit dem Radetzky-Marsch und dem "Metallica"-Titel "Nothing else matters", bei dem Andreas Caspar mit seiner Performance ein Glanzlicht setzte, ging ein einzigartiger musikalischer Abend zu Ende. Als Extra-Effekt gab es sogar ein Feuerwerk: Zwei Sekunden erleuchteten Silberfontänen die Bühne und sorgten für einen tosenden Schlussapplaus.

Doch auch das Jugendblasorchester unter der Leitung von Jürgen Eschenbacher konnte sich hören lassen. Der Nachwuchs bot mit "Ay day of hope" einen hoffnungsvollen Auftakt und entführte die Zuhörer mit norwegischen Impressionen ins Land der Fjorde und Geysire. Eine tolle Leistung vollbrachten zudem die Saxophonisten, die bei "Saxophoning" einen tollen Soloauftritt hatten.