Wenn Monsignore Professor Dr. Dr. Rüdiger Feulner (43) von seiner Heimat spricht, meint er immer noch Enchenreuth. Und Marienweiher. Denn die Päpstliche Basilika liegt ihm sehr am Herzen. Doch jetzt heißt es für den hochrangigen Kirchenmann erst einmal Abschied nehmen.

Rüdiger Feulner ist an die Nuntiatur in Venezuela versetzt worden und wird schon in den nächsten Tagen dort seine Arbeit aufnehmen. "Aber Weihnachten komme ich wieder, ich will doch wieder Messen hier halten. Ich halte den Kontakt, das ist über E-Mail ja kein Problem", verspricht er.

"Der diplomatische Dienst ist eben so, dass man überall auf der Welt hinkommt und versetzt werden kann", sagt Feulner und ist schon neugierig auf Caracas und den südamerikanischen Staat an der Karbikküste. Mehr als 90 Prozent der Menschen dort sind katholisch. "Das ist doch eine sehr komfortable Situation", so der Monsignore, der in Caracas erst einmal die Situation unvoreingenommen analysieren und Kontakte knüpfen will - mit der Staatsregierung, mit der Ortskirche.

Zwei oder drei Jahre

"Normalerweise ist man so zwei oder drei Jahre in einem Land, aber das hängt immer von der Situation ab", sagt Feulner und ist zuversichtlich, dass er auch in Zukunft zwei bis drei Mal pro Jahr nach Hause kann.
Nach der Priesterausbildung und dem Studium in Bamberg und Innsbruck promovierte Feulner im April 1997 im Bereich Metaphysik zum Doktor der Philosophie. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Doktor der Theologie (Dogmatik) gekürt. Dann war er zwei Jahre in verschiedenen Pfarreien der Erzdiözese Bamberg eingesetzt und absolvierte zur Jahrtausendwende eine zweijährige Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie (Accademia Ecclesiastica) in Rom. Zeitgleich studierte er kanonisches Recht an der Päpstlichen Universität Angelicum. Im Juni 2001 wurde er zum Lizenziaten des kanonischen Rechts. Fortan war er in mehreren Nuntiaturen eingesetzt: in Bolivien, Kasachstan, Österreich, Berlin - und jetzt in Venezuela.

Kein Mitspracherecht

Erst seit Juli weiß der Theologie-Professor, dass er nach Venezuela geschickt wird. Ein Mitspracherecht hat er dabei nicht. Und deshalb sind ihm Wünsche auch völlig fremd. "Die Freude überwiegt. Ich komme in eine neue Stadt und erlebe das Flair der Karibik. Bei mir ist schon eine Neugier auf die neue Aufgabe da", sagt Feulner, der bereits einen positiven Aspekt in Erfahrung gebracht hat. "Die Menschen in Venezuela haben eine starke Verbundenheit mit der Kirche. Sie identifizieren sich mit ihr."

Natürlich kennt Feulner die hohen Kriminalitätsraten in Venezuela und die schwierige politische Situation. "Kriminalität ist - wie bei uns auch - eine Facette der Gesellschaft. Keiner ist davor gefeit." Doch Angst hat er nicht - und von solchen Fakten möchte er seine Unvoreingenommenheit nicht beeinträchtigen lassen. "Für mich hat die Tätigkeit in Venezuela den gleichen Stellenwert wie eine Tätigkeit in Deutschland oder in Österreich. Ich vertrete die Interessen des Vatikanstaates", sagt Feulner, der auf Information und Kommunikation setzt.