Grabsteine sind mehr als nur Erinnerungen, auf denen die Namen der Verstorbenen angebracht sind. Sie erzählen aus dem Leben der Menschen. "Ich arbeite aus diesem Grabstein ein Gebirge und eine Sonne heraus", erklärt Peter Krüger und setzt dabei sein Steinmetzwerkzeug mit gekonnten Schlägen an. Wie von selbst treten die Bergspitzen hervor. Auch die Sonnensilhouette zeichnet sich schon ab. "Das war sicher jemand, der die Berge geliebt hat", mutmaßt der Steinmetz und hat sichtlich Freude bei seiner Arbeit.

Die meisten Kulmbacher wählen für die Gräber Granitgestein, manchmal auch Sandstein. "Es ist auch eine Kombination mit Keramik oder mit Kristallen oder mit buntem Glas erlaubt, aber das sieht man auf dem Kulmbacher Friedhof noch nicht", sagt der Steinmetz. Auch Grabsteine sind dem aktuellen Zeitgeschmack unterworfen, und so gibt es immer wieder neue Trends. Marmor ist selten. "Man kann Marmor sehr schön bearbeiten, sehr fein. Aber als polierten Stein würde ich Marmor nicht empfehlen, denn der saure Regen schädigt die Politur.

Sein Vater Erich Krüger setzt indessen sein Werkzeug an einen himmelblauen Stein an: es ist ein azurblauer "Azul de Macaubas" aus Brasilien. Ein sehr seltener Stein. Denn meistens werden grünliche Gesteine, Grautöne oder eben Rotttöne verwendet. Gerne auch in Kombination. "Der Trend geht zu Urnengräbern und zu kleineren Steinen."

"Bei den Urnenstelen haben wir leider keinen Gestaltungsfreiraum. Da ist die Platte dabei, die Schrift ist vorgegeben", erklärt Peter Krüger. Das bestätigt auch Friedhofswärter Gerhard Bauernfeind. Die Urnenstelen sind äußerst beliebt, auch wenn die einzige Individualität darin besteht, ob sie Lämpchen und Vase bekommen sollen.

Für die Größe gibt es Regeln

Die Größe der Grabstätten ist auf dem Kulmbacher Friedhof exakt vorgegeben, auch die Höhe der Einfassungen. Allerdings hängt auch vieles von der Platzierung des Grabes ab. So bekommen Gräber, die am Hang liegen, oft ein bisschen höhere Einfassungen, erklärt der Friedhofswärter. In jedem Fall sollte die Höhe der Grabsteine 1,30 Meter nicht überschreiten. Ausnahme sind nur die historischen Steine. Denn die werden als Denkmal betrachtet - und werden für die Nachwelt erhalten.

"Aber das regelt eigentlich alles der Steinmetz", sagt der Friedhofswärter. Er kann sich nicht erinnern, dass die Grabsteinkonzeption einmal Probleme bereitet hätte. Übrigens wird einmal im Jahr geprüft, ob die Grabsteine noch standfest sind. Denn darauf kommt es an.

Klassische Motive auf Grabsteinen sind noch immer das Kreuz und Rosen, aber immer häufiger werden auch Sternenmotive oder Lebenswege mit Sonne gewünscht. "Ja, als Steinmetz ist man auch ein bisschen philosophisch", gibt Peter Krüger offen zu.

Sehr oft werden die Steine mit Bibelversen verziert. "Manche Menschen kommen schon mit sehr genauen Vorstellungen. Dann muss man schauen, wie man die technische Ausführung hinbekommt", erzählt Peter Krüger. Derzeit haut sein Vater Erich Krüger ein Jesus-Antlitz in einen Grabstein. "Sandstein kann man sehr fein behauen. Auf Granit wird es immer gröber", erklärt der Experte. Völlig "out" ist Kunststein, sagt der 77-jährige Vater, ist aber eigentlich ganz froh darüber. Denn Kunststein ist mit Naturstein nicht zu vergleichen.

Manche Grabsteine vergisst man nie, sagt Erich Krüger. Einmal habe er ein Schiff aus weißen Marmor gehauen - als Erinnerung an einen Seefahrer. "Manche lassen sich die Längen- und Breitengrade eingravieren", erklärt der Fachmann. Und einmal hat er sogar einen Leuchtturm in einem Grabstein verewigt. Solche Steine und Motive findet der Steinmetz immer schön, egal, wie ausgefallen sie sein mögen. Denn sie sind auch künstlerisch eine Herausforderung.

Ablehnend allerdings steht der Steinmetz Industrie-Grabsteinen gegenüber, die massenweise billig hergestellt werden. Auch vorgefertigte Grabsteine aus Indien sieht Krüger als echtes Problem an. Solche Grabsteine sorgen für negative Schlagzeilen, weil sie mit Kinderarbeit verbunden sind. Deshalb gibt es auf vielen Friedhöfen bereits die Vorgabe, dass indische Grabsteine ein Unbedenklichkeits-Zertifikat brauchen..