Elektroautos haben viele Vorteile: Man kann Spritpreise ignorieren und schont die Umwelt. Aber wie praktikabel sind sie im Alltag?

"Aufladen kannst du ihn momentan im Landkreis nur zu Hause oder an der A9 beim McDonalds in Himmelkron", gibt mir Klaus Knorr mit, als er mir die Schlüssel zu seinem Elektroauto übergibt. Im Stadtgebiet Kulmbach gibt es zur Zeit nur eine Ladestation für E-Bikes, keine für Autos, wie Andrea Mandl, Pressesprecherin der Stadt bestätigt. "Momentan sehen wir dafür keinen Bedarf."

Wie zu Fahrschulzeiten
Mit diesen Informationen ausgestattet beginnt meine Testfahrt mit dem erst zwei Monate alten BMW i3 von Klaus Knorr aus Schmeilsdorf. Und das ist ungewohnt: Ich fühle mich zurückversetzt in Fahrschulzeiten. Ich auf dem Fahrersitz, rechts neben mir der Besitzer des Autos und hinter ihm noch ein Mann. Meine Hände schwitzen. Auch wenn ich dieses Mal keine Prüfung bestehen muss, mulmig ist es mir die ersten zehn Minuten schon. Da helfen auch die aufmunternd gemeinten Worte von Klaus Knorr nicht: "Keine Sorge, er ist Vollkasko versichert."

Vorsichtig fahre ich aus dem Parkplatz der Redaktion. "Drück' ruhig aufs Gas, damit du siehst, was er kann", sagt Klaus Knorr, während ich intuitiv versuche, einen Schaltknüppel zu finden. Natürlich hat das Auto keinen Schaltknüppel, aber im Gegensatz zu Klaus Knorr, der seit zehn Jahren ein Elektroauto hat, bin ich das nicht gewohnt.

Als ich dann an der ersten Kreuzung versuche, die Kupplung zu drücken, bin ich endgültig im Elektroauto angekommen: Die Vollbremsung war zwar nicht gewollt, rüttelt mich aber wach - volle Konzentration auf dieses neuartige Geschoss. Keine fünf Minuten später stehen wir vor dem Haus von Klaus Knorr in Schmeilsdorf nun bin ich (fast) auf mich alleine gestellt. Außer dem Fotografen habe ich niemanden an meiner Seite, und der Test für mich und das Elektroauto kann losgehen.

Von null auf 100 in sieben Sekunden: Da kann mein Twingo nicht mithalten. Immerhin hat der BMW mit 170 PS fast dreimal so viel Leistung wie mein kleiner Rutscher. Doch kurz nach Untersteinach die Enttäuschung: Ein Lkw tuckert vor mir und ich muss runter vom Gas. Auch das ist ein Unterschied zu meinem Nicht-Elektroauto: Sobald ich den Fuß komplett vom Gas nehme, bremst das Auto. Nichts mit "rollen lassen".

In Himmelkron angekommen nun der das Problem: Wie ist das denn mit dem Tanken - äh - Laden? Die Ladestation ist eigentlich nicht zu übersehen, schon mal positiv. Entlang der A9 zwischen München und Leipzig gibt es acht DC-Schnellladestationen. An solchen Stationen braucht das Auto laut Herstellerangaben rund 30 Minuten. Dazu braucht man allerdings einen speziellen Aufsatz. Der kostet 1500 Euro extra. Glücklicherweise hat das Auto von Klaus Knorr diese Sonderausstattung und nach einem Karamell-Frappé kann die Fahrt weiter gehen.

Vorher muss ich mich allerdings noch mal bei einem McDonalds-Mitarbeiter melden, denn der muss die "Zapfsäule" zu Beginn aktivieren und am Ende dann auch wieder deaktivieren. Sonst lässt sich der "Zapfhahn" nicht wieder aus dem Auto entfernen.

Um nun mal zu schauen, was der Wagen so schafft, biege ich auf die Autobahn. Die Beschleunigung ist, sehr gut und nach wenigen Augenblicken bin ich bei 140 Kilometern pro Stunde. Da muss ich dann schnell vom Gas runter, denn am Autobahnkreuz möchte ich zurück nach Kulmbach.

Fazit
Am Ende der kleinen Testfahrt komme ich zu einem klaren Fazit: Das Elektroauto kann was! Leider kommt man mit einem vollgeladenen Mobil nur 150 Kilometer und muss dann pausieren. Für die Fahrt in der Stadt und für kurze Strecken taugt der Flitzer aber allemal. Längere Strecken müssen jedoch gut geplant werden, da es nicht immer einfach ist, eine Aufladestation zu finden. Auch für Gäste, die nach Kulmbach kommen wollen, wäre es gut, wenn eine Station in der Stadt und nicht nur an der A9 verfügbar wäre. Die beiden einzigen Mankos sind daher momentan die fehlenden Ladestationen und die Anschaffungskosten. Bevor das Spritgeld gespart werden kann, werden nämlich 35 000 Euro für den BMW i3 fällig - aber es gibt auch günstigere Elektroauto-Alternativen.


Informationen zum Elektroauto

Kosten Die Anschaffungskosten liegen bei dem BMW i3 bei rund 35 000 Euro. Auf 100 Kilometer wird Strom für zwei bis drei Euro gebraucht.

Typen Auch andere Fahrzeughersteller, wie zum Beispiel Renault, Chevrolet, Ford, Smart, Mitsubishi, Opel , Tesla und VW bieten E-Autos an.

Reichweite Mit einer Aufladung schafft man rund 150 Kilometer. Die Reichweite wird auf dem Navi auch grafisch angezeigt.

Laden Als Standard-Ladestation dient die Steckdose zu Hause. Dafür gibt es einen Adapter. Dann dauert das Laden laut Herstellerangaben sechs bis acht Stunden. Die zweite Ladestufe erfordert Starkstrom, wie er bei einem Küchenherd üblich ist. Auch dafür gibt es einen Adapter (nicht inklusive). Dann dauert das Laden rund 1,5 Stunden. Die Schnellladestationen brauchen nur 30 Minuten.

Probieren Auf der Futura am 28. und 29. Juni im Bräuwerck Neudrossenfeld kann das Auto von Klaus Knorr Probe gefahren werden.

Elektromobilität Ein Projekt will zeigen, dass Elektromobilität funktioniert.