Das Haus von Holger Funk und seiner Familie war Ende 2015 das Erste, das ans Marktschorgaster Nahwärme-Netz angeschlossen wurde. "Eine Nacht lang hatten wir damals quasi das ganze Heizwerk für uns", erinnert sich der Hausbesitzer mit einem Schmunzeln. In mehreren Bauabschnitten sind seitdem viele weitere Häuser in Marktschorgast ans Netz gegangen. Etwa 20 Prozent der Haushalte im Ort würden inzwischen mit Nahwärme versorgt, schätzt Marc Benker, Vorstandsvorsitzender der Bürgerenergiegenossenschaft "Zukunftsenergie Marktschorgast" (ZEM).

Den Entschluss, sein Haus an das Nahwärme-Netz anschließen zu lassen, hat Funk bis heute nicht bereut. Die Nahwärme stellt für ihn eine "optimale" Lösung dar. "Ich bin kein Öko, aber ich denke, dass es wichtig ist, mit den vorhandenen Ressourcen vernünftig umzugehen", erklärt Funk seine Entscheidung. Zuvor hatte er sein Haus mit Öl beheizt. Im Keller sieht man noch das Fundament, auf dem der Tank stand. An der Wand gegenüber hängt jetzt ein weißer Kasten: die Übergabestation des Nahwärme-Netzes.

Insgesamt besteht das Nahwärme-Netz in Marktschorgast aus 93 Anschlüssen. Da auch Mietshäuser angeschlossen sind, werden Benker zufolge mehr als 100 Wohneinheiten mit Nahwärme beliefert. 82 der Anschlüsse entfallen auf Gebäude der Genossenschaftsmitglieder, elf auf Gebäude der Gemeinde. Zu Letzteren zählen etwa das Schulhaus, die Turnhalle und Wohnungen in der Bahnhofstraße und am Marktplatz. Bürgermeister Hans Tischhöfer (FW) ist "soweit zufrieden", was die Nutzung des Nahwärme-Netzes betrifft.

Einstiegskosten in Höhe von 4570 Euro

Nach wie vor besteht die Möglichkeit zum Anschluss an das Netz. "Wir haben noch Kapazitäten frei", sagt Benker. Aktuell laufe eine Aktion mit der Naturstrom AG, welche in Marktschorgast für die Betriebsführung zuständig ist. Ziel der Aktion sei es, das Netz weiter zu vergrößern. Wie Benker erklärt, besteht in diesem Zusammenhang im Neubaugebiet Steinhügel die Möglichkeit, sich zu den günstigen Anfangskonditionen ans Netz anschließen zu lassen. Die Kosten für einen Anschluss inklusive Übergabestation und Beteiligung an der Genossenschaft lägen demnach bei 4570 Euro.

"Die Erweiterung hängt vom Interesse ab, aber wir sind guter Dinge", zeigt sich Benker optimistisch. Anfangs sei das Projekt im Ort auf Widerstand und Skepsis gestoßen, erinnert er sich. "Viele konnten sich nicht vorstellen, dass es funktionieren würde." Diese Bedenken hätten sich inzwischen gelegt. Grundsätzliches Ziel war es Benker zufolge, das Netz auf die Beine zu stellen. Als Richtgröße wurden damals 100 Anschlüsse ins Auge gefasst. "Mit 93 sind wir gut dabei."

Die Naturstrom AG sei vor allem in der Anfangsphase "als Partner unheimlich wichtig gewesen". Auch jetzt erlebt der Vorsitzende der Genossenschaft das Unternehmen als "fairen Geschäftspartner", mit dem eine Zusammenarbeit "auf Augenhöhe" stattfinde.

Blockheizkraftwerk und Gaskessel

Die Heizstation des Nahwärme-Netzes besteht aus einem Blockheizkraftwerk und sechs Heizkesseln. Das Blockheizkraftwerk erzeugt dabei nicht nur Wärme, sondern auch Strom für den Eigenverbrauch im Heizhaus. Wie Benker berichtet, wird das kleine Blockheizkraftwerk aus der Anfangsphase in Kürze durch ein Größeres ersetzt. Außerdem hat man die Station um einen Gaskessel erweitert. Dieser diene in erster Linie dazu, die Spitzenlasten im Winter abzufangen. Über die Naturstrom AG werde der Kessel mit Biogas beliefert. Eine Solarthermieanlage, die auf dem Dach des Heizhauses installiert ist, trägt im Sommer zur Wärme-Erzeugung bei.

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Sollte es im Heizhaus einmal zu einem größeren technischen Defekt kommen, könnten externe Wärme-Erzeuger angeschlossen werden. Zudem stehe der Gaskessel als Absicherung bereit. Im vergangenen Jahr sorgte Ende Februar/Anfang März ein Materialfehler kurzzeitig für Probleme. Zu einem Stillstand der Anlage kam es allerdings nicht, wie Benker berichtet. Eine Grundwärme von 55 bis 60 Grad sei weiterhin vorhanden gewesen.

Pellet-Preise relativ konstant

In den Leitungen des Nahwärme-Netzes kommt Wasser als Transportmedium zum Einsatz. Dieses liefert Wärme im Bereich von 70 Grad an die angeschlossenen Haushalte. Dort kann die Nahwärme dann zum Heizen und auch für die Warmwasser-Erzeugung genutzt werden. Beheizt werden die Heizkessel im Marktschorgaster Heizhaus mit Pellets. Auch eine Hackschnitzel-Verbrennung wäre Benker zufolge möglich.

Was die Kosten für das Heizmaterial betrifft, gebe es saisonale Schwankungen. Insgesamt bewegten sich die Preise jedoch auf einem relativ konstanten Niveau. "Toi, toi, toi", fügt Benker schnell an. Der Wärmebezugspreis in Marktschorgast lag anfangs bei 8,15 Cent, fiel zwischenzeitlich auf 7,05 Cent und beträgt aktuell 7,55 Cent pro Kilowattstunde. Wie Verena Steindl von der Naturstrom AG erklärt, sind die Kosten für den Einsatz von Holz "preislich besonders stabil". Die Anschlussnehmer seien unabhängig von großen, durch geopolitische Spannungen oder Ressourcenkonflikte bedingten Preisschwankungen.

Effiziente Heizform

Im Wärmebereich sei hinsichtlich Klima- und Ressourcenschutz besonders dringend ein Umdenken erforderlich, betont Steindl. "Mehr als die Hälfte der verbrauchten Energie entfällt noch immer auf den Wärmesektor." Bei der Nahwärme handelt es sich um eine effiziente Form des Heizens, wie Energieberater Jürgen Ramming von der in Kulmbach ansässigen Energieagentur Oberfranken erklärt. Er bietet Bürgern kostenlose Beratungen rund ums Thema Energie. Die Nahwärmeversorgung stelle einen Teilaspekt der Energiewende dar. Dort, "wo konzentriert viele Häuser Wärme brauchen", sei diese Form des Heizens "super effizient". Vor allem die Ortskerne spielten eine große Rolle. Bei einer breit gestreuten Besiedlung oder Einzelgehöften seien die Verluste hingegen zu hoch.

Besonders sinnvoll sei es, Abwärme zu nutzen. Auch das Verbrennen von Pellets stelle eine CO2-neutrale Lösung dar. Denn: Während ein Baum wächst, nimmt er CO2 aus der Umgebung auf. Wird das Holz dann verbrannt, setzt man die gleiche Menge an CO2 wieder frei. "Diese würde übrigens auch freigesetzt, wenn der Baum einfach verrottet", sagt Ramming.

Für die Verbraucher sei von Vorteil, dass sie keine eigene Heizung vorhalten müssten und sich zudem die Kosten für Schornsteinfeger und Wartung sparten. "Man bekommt die Wärme einfach geliefert." Es sei auf jeden Fall sinnvoll, sich an ein örtliches Nahwärme-Netz anschließen zu lassen, meint Ramming. Auch der Wärmepreis von aktuell 7,55 Cent in Marktschorgast sei "super".

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Sollte künftig eine CO2-Steuer fürs Heizen anfallen, werden Nahwärme-Nutzer auch hier günstiger fahren, schätzt Benker und fügt an: "Vor fünf Jahren hat da ja noch niemand dran gedacht." Energieberater Ramming bestätigt die Einschätzung des ZEM-Vorsitzenden: "Es kommt natürlich darauf an, mit welchem Energieträger das Nahwärme-Netz gespeist wird. Da es sich aber meist um regenerative Energien handelt und diese zudem sehr effizient genutzt werden, würde sich das Nahwärme-Netz bei einer CO2-Steuer sehr gut auswirken."

Das Marktschorgaster Nahwärme-Netz in Zahlen

Die ZEM und die Gemeinde Marktschorgast nehmen jährlich über zwei Millionen Kilowattstunden Wärme ab. Durch den Einsatz von klimaschonenden Rohstoffen zur Wärme-Erzeugung werden nach Angaben der Naturstrom AG pro Jahr mehr als 550 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht in etwa dem Gewicht von 100 ausgewachsenen, männlichen Elefanten.