In der E.-C-Baumann-Straße tut sich einiges. Auf der östlichen Seite des Weißen Mains ist eine große Betonmauer entstanden. Gärtner sind damit beschäftigt, die Grundstücksgrenzen wieder herzustellen. Das neue Bollwerk zwischen der Bahnlinie und der Firma Raps soll die Menschen, die im Industriegebiet wohnen und arbeiten, vor Hochwasser schützen. "Bislang sind in diesem Bereich schon zwei Millionen Euro verbaut worden, bis zum Jahresende werden es rund 2,5 Millionen Euro sein", sagt Wenke Berling vom Wasserwirtschaftsamt Hof.


470 Meter lang, vier Meter hoch


Begonnen hat das Mega-Bauprojekt im Februar. Bäume wurden gefällt und das Gelände vorbereitet. Derzeit arbeitet die Firma Günther Bau aus Stadtsteinach mit Hochdruck am linken Ufer des Weißen Mains. Die Baufirma möchte die 470 Meter lange und über vier Meter hohe Hochwasserschutzmauer noch vor der kalten Jahreszeit vollenden. "Dann kann auch der Pegel wieder angehoben werden", erklärt ein Arbeiter.

"Wir in Kulmbach haben schon mehrfach miterleben müssen, was es heißt, wenn aus einem kaum Wasser führenden Weißen Main ein reißender, immer größer werdender Strom wird. Das Thema Hochwasserschutz ist für unsere Stadt und für die Menschen, die hier leben und arbeiten, besonders wichtig", sagt Oberbürgermeister Henry Schramm. Allein im Gewerbegebiet an der E.-C.-Baumannstraße würden mit der Maßnahme 80 Hektar Fläche und 3500 Arbeitsplätze vor solch extremen Umweltereignissen geschützt.


Drei-Millionen-Projekt


Das gesamte Projekt ist mit drei Millionen Euro veranschlagt. Den Großteil der Kosten übernehmen der Freistaat Bayern und die Europäische Union. Bei der Stadt verbleiben lediglich 50 Prozent der Baukosten, die für die Erhöhung des Schutzgrades anfallen: rund 70 000 Euro.

"Im Zuge der Maßnahme wurden die vorhandenen Deiche abgetragen und durch betonierte Hochwasserschutzwände ersetzt", erklärt die Pressesprecherin der Stadt Kulmbach, Andrea Mandl. Bei der Firma Ireks und beim Max-Rubner-Institut seien die alten Deiche durch höhere ersetzt worden.


Pegel abgesenkt


"Ich danke dem Wasserwirtschaftsamt Hof mit seinem Leiter Benno Strehler für diese Kostenregelung. Wie schon an der Flutmulde hat man hier eine Lösung gefunden, die die Stadt Kulmbach finanziell wenig belastet", sagt Schramm. Die neuen Anlagen seine für ein sogenanntes 100-jähriges Hochwasser ausgelegt.

Damit die Bauarbeiten reibungslos durchgeführt werden können, wurde der Pegel des Mains abgesenkt. Obwohl die Baustelle zu den aktuell größten im Stadtgebiet zählt, hält sich die Beeinträchtigung für die Anlieger in Grenzen.
Das Wasserwirtschaftsamt Hof sorgt auch für ökologische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Da der Bereich am Mühlkanal zu eng ist, werden im Bereich Roter Main Strukturverbesserungen für wiesenbrütende Vögel getätigt.