Martin Schunk ist 25 Jahre alt, gebürtiger Kulmbacher, Student - und er ist der "Rucksack-Kandidat". So wurde er beim politischen Aschermittwoch der SPD in der Gaststätte "Zum Gründla" eingeführt, und Ingo Lehmann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, erläuterte, was es mit diesem Begriff auf sich hat: Bei der Europa-Wahl am 26. Mai schickt die oberfränkische SPD den Coburger Martin Lücke ins Rennen. Sollte der dann nicht mehr zur Verfügung stehen, tritt Martin Schunk als Kandidat an seine Stelle.

Seinen Genossen präsentierte sich der "Rucksack-Kandidat" bestens vorbereitet. Er sei, so betonte er, selbst als Europäer aufgewachsen, kenne Binnengrenzen nur aus den Geschichtsbüchern und hege die große Hoffnung, dass sich bei der Wahl die Idee eines friedlichen Europa durchsetzen werde. Diese Wahl werde die wichtigste der nächsten Jahre, so Schunk. Sie werde zeigen, wohin Europa steuere. Verhindert werden müsse, dass künftig nationalistische, rechte Kräfte Europa dominierten. "Nationalismus bedeutet Krieg. Wir müssen Europa als Friedensprojekt verteidigen."

Scharf kritisierte Schunk die Europäische Volkspartei, deren Fraktion im Europäischen Parlament auch der CSU-Kandidat Manfred Weber angehöre. "Solange die EVP weiter mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán paktiert, ist sie keine europäische Partei!"

Die Sozialdemokraten sieht Martin Schunk in der Pflicht, die Idee eines geeinten Europa voranzutreiben. "Wir dürfen uns von den rechten Parteien nicht in die Enge treiben lassen. Wir müssen zeigen, dass wir die besseren Ideen haben."

Schunk sprach sich für einen europäischen Mindestlohn, ein europäisches Militärbündnis und mehr Steuergerechtigkeit aus. Besonders wichtig sei es freilich, so betonte er, die Menschen dazu zu bringen, zur Wahl zu gehen. "Ich will nicht am 27. Mai aufwachen in einem Europa, in dem die rechten Parteien dominieren."

Zu Beginn der Veranstaltung, die mit dem traditionellen Heringsessen endete, war Ingo Lehmann kurz auf die aktuelle Stadtpolitik eingegangen. Unter anderem nahm er Stellung zur Diskussion um eine Photovoltaik-Anlage bei Grafendobrach: "Eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage ist bestimmt nicht ästhetisch, aber noch viel unansehnlicher ist, wenn man in der Oberen Stadt ein Flachdach genehmigt."