Ihre damalige Situation beschreibt sie sehr bildhaft. "Ich stand vor einer Mauer und ich habe versucht, darüber zu klettern. Aber es ist mir nicht geglückt." Wie es auch im Psalm 18 beschrieben ist, sei ihr Gott zur Hilfe gekommen. "Wenn ich abgerutscht bin, hat Gott mich gehalten und mich motiviert weiterzumachen", erzählt die Ludwigschorgasterin. Das Überwinden der Mauer sei ein Prozess für sie gewesen. Als sie schließlich oben saß, überkam sie ein Gefühl von Freiheit. "Alles war weit und offen."

Aber es sei nicht Gott allein gewesen, der ihr bei der Überwindung der Mauer geholfen habe. "Gott hat mir außerdem viele Personen an die Seite gestellt, die mich in dieser schwierigen Situation begleitet und mir geholfen haben", sagt sie. Für die Hilfe von Gott und ihren Mitmenschen sei sie bis heute sehr dankbar.

"Als ich am Nullpunkt angelangt war, konnte ich auch nicht mehr beten. Ich habe Gott nicht mehr gespürt. Aber ich habe gewusst, dass Gott einem sehr nahe ist, wenn er schweigt", sagt Maria Kienzle. Gott sei in den Schwachen mächtig. Und so haben ihr Glaube und ihre Mitmenschen sie dazu motiviert, weiterzumachen. "Gottes Sohn Jesus kommt, wenn man am Boden ist, hilft uns wieder aufzustehen und geht mit uns durch das Leid."
Auch wenn sie vor wichtigen Entscheidungen stehe, helfe ihr der Glaube weiter. "Ich frage mich dann einfach was Jesus tun oder mir raten würde."

Für Maria Kienzle ist der Glaube wichtiger als die Konfession. Jesus frage nicht, wer man sei und grenze keinen aus. Bei ihm sei jeder willkommen. Diese Einstellung vermisse sie manchmal innerhalb der Kirche. Dass einige Menschen von der heiligen Kommunion ausgeschlossen werden, hält sie nicht für richtig.

"Mein evangelischer Ehemann und ich sind die kleinste Ökumene", erzählt sie. Durch das Besuchen der unterschiedlichen Gottesdienste könne man voneinander lernen und sich gegenseitig besser akzeptieren. "Schließlich soll im Glauben alles freiwillig sein, jeder seinen eigenen Weg finden."