"Wir sind gelinkt worden." Helmut Reinhardt macht keinen Hehl daraus, was er vom Vorgehen der Stadt in Sachen Ausbau der Mangersreuther Straße hält. Der 62-Jährige wohnt sein halbes Leben in dem Anwesen mit der Nummer 30, das letzte Haus vor der Kreuzung in die Wickenreuther Allee. "Seit 1980 bemängele nicht nur ich den Zustand der Straße", sagt der Kulmbacher hörbar verstimmt. "Immer wieder sind Arbeiten an Strom- und Wasserleitungen erfolgt, immer ist die Straßendecke zum Großteil billig zugeschustert worden, mit ein paar Zentimetern Asphalt, statt sie ordentlich zu verschließen. Das kann ja nicht halten."

Der Kulmbacher deutet auf die mit Regenwasser gefüllten Löcher in der Fahrbahndecke. "Das ist der übliche Status. Wenn es ganz schlimm war, kamen sie mit Eimerchen und Schäufelchen und ein bisschen Teer und versuchten, die Löcher notdürftig zu stopfen. Das Ergebnis sieht man." Helmut Reinhardt breitet seine Arme aus. "30 Jahre Flickschusterei."

"Die Stadt ist in der Pflicht"

Dabei habe die Auskunft der Stadt, mit frei gewordenen Haushaltsmitteln von rund 200.000 Euro den Flickenteppich Vergangenheit werden zu lassen, die Mangersreuther zunächst freudestrahlend aufhorchen lassen. Bis zu dem Moment, als Helmut Reinhardt, wie die anderen Angrenzer auch, erfuhren, "dass wir für die Schlamperei der Stadt tief in die eigene Tasche greifen sollen". Dagegen wehren sie sich. Schließlich sei die Stadt in der Pflicht, eine Straße in ihrem Zuständigkeitsbereich in einem ordnungsgemäßen Zustand zu halten oder zu versetzen.

Deswegen haben Reinhardt und weitere Anlieger sich jetzt zusammengetan und eine Unterschriftenaktion angeschoben. 50 Unterzeichner haben ihrem Unmut Luft gemacht darüber, wie der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die Ausbaupläne durchgewunken habe. "In zwei Minuten ist das über die Bühne gegangen, weil es hieß, die Mangersreuther wollen das angeblich so", echauffiert sich der 62-Jährige. "Mit uns hat aber vorher keiner gesprochen, und wir wollten es eben nicht so."

Der Brief der Stadt an die Anwohner mit der Information zur Kostenbeteiligung war da offenbar schon unterwegs. "Komisch, muss wohl per Luftpost gekommen sein", bekundet Karin Pistor ihre Verwunderung über die zeitliche Abfolge. Auch sie ist eine der betroffenen Anlieger, auch auf sie kämen erhebliche Kosten zu. Sie und andere haben sich bereits bei der Verwaltung erkundigt. "Der Beitrag berechnet sich nach Grundstücksgröße. Mancher muss mit 15.000 Euro und mehr rechnen."

Bürgerbeteiligung unverständlich

Die Beteiligung der Bürger mit Summen in fünfstelliger Höhe aber versteht Helmut Reinhardt überhaupt nicht: "Beispielsweise in der Thurnauer Straße sind erst vor kurzem Arbeiten vorgenommen worden, ohne dass die Kosten auf die Anwohner abgewälzt werden mussten. Mir erschließt sich auch nicht, wie man von einem Vollausbau sprechen kann, wenn man den alten Kanal belässt. Und die geplanten zusätzlichen Gehsteige und Parkbuchten braucht kein Mensch hier."

"Der gesamte Planungsabschnitt ist falsch gewählt", kritisiert Ulrike Reimann das Vorgehen des Bauamts und schiebt eine Erläuterung nach: "Es ist immer von der Mangersreuther Straße die Rede. Aber das berücksichtigt nicht, dass auch die Bewohner Am Eulenhof für die Maßnahme zur Kasse gebeten werden."

Ein Vollausbau oder eine Deckensanierung brächten Ulrike Reimann rein gar nichts - außer Kosten. "Meine Adresse ist Mangersreuther Friedhofsweg. Anlieger in der Mangersreuther Straße sind wir nur wegen dreier Garagen und einer Zufahrt, die wir praktisch nie nutzen. Und die Fahrbahn dort ist ja noch in Ordnung." Die zweifache Mutter hat, wie auch Helmut Reinhardt, Unterschriften ihrer Nachbarn Am Eulenhof gesammelt. Zugleich hat sie in einem Schreiben OB Schramm aufgefordert, sich bis nächsten Dienstag zu den Vorgängen zu äußern.

OB lädt zur Infoveranstaltung

Auf eine Reaktion muss Ulrike Reimann nicht lange warten: Wie Henry Schramm am Mittwoch Abend auf Anfrage der Rundschau sagte, sei am Mittwochvormittag bereits ein Schreiben an die betroffenen Anlieger auf den Weg gebracht worden. "Darin lade ich die Bürger der Mangersreuther Straße und des Eulenhofes ein zu einer Infoveranstaltung am Dienstagabend ins Rathaus." Schramm wolle das Treffen nutzen, nochmals die Hintergründe sowie das Vorgehen der Stadt zu erläutern.

"Es ist ein bisschen wie die Quadratur des Kreises: Der Ausbau ist gewünscht, aber er soll nichts kosten - das ist ein Dilemma", bekundete der OB. Die zuständigen Fachleute aus der Bauabteilung hätten ihm bestätigt, dass der Untergrund in der Mangersreuther Straße nicht tragfähig genug, um es bei einer - für die Anlieger kostenlosen - Erneuerung der Deckschicht zu belassen. Daher bleibe hier nur die Lösung Vollausbau.

Und was die Einbeziehung des Abschnitts bis zur Bundestraße angeht, erläuterte der OB: "Laut Erschließungsbeitragsrecht ist der Straßenzug als gesamter Abschnitt zu sehen. Das haben wir uns nicht ausgedacht, ebensowenig wie die Straßenausbaubeitragssatzung, die ist seit Jahrzehnten Rechtsnorm. Ich gebe aber zu, dass es im vorliegenden Fall nicht leicht nachvollziehbar ist." Die Mangersreuther Straße sei nicht die erste mit einer Beteiligung der Bürger an den Kosten. Schramm: "Die Karl-Türk- oder die Pestalozzistraße wurden auch abgerechnet. Manches in einer Stadt lässt sich nur gemeinsam schultern."