Dass der 2016-er Faschingsorden (ein linker Salzteig-Schlappen) fast einen Zentimeter länger ist als im vergangenen Jahr hat bestimmt einen Grund. Vielleicht, weil das Programm zum Schlappenfasching dieses Jahr eine Stunde länger dauert. Fünf Stunden lang boten die "Zäunger" Sketche, Tänze und Büttenreden. Und zwischen drin wie immer Franz Thierauf mit ständig neuen Witzen aus seiner unendlichen Sammlung von skurilen Begebenheiten - auch solcher, die vor 22 Uhr wahrscheinlich genehmigungspflichtig gewesen wären.

Los ging es mit Tänzen des Nachwuchses, vorn dran der fünfjährige Finn Hempfling mit ganz cooler Sonnenbrille. Und am Schluss zeigten die "Grazilen Gazellen", dass sie ganz schön fit für eine Disconacht der 70er- und 80er-Jahre sind, und das Männerballett, dass sie etwas vom Jagen verstehen, auch wenn dabei versehentlich eine blonde Touristin auf der Strecke bleibt.


Der schlaue "Dösbartl"

Vom Leiden mit ihrem Leiden im Kulmbacher Klinikum erzählte, noch ganz kaputt und durcheinander von der Operation, Schlappen-Präsidentin Lisa Baumgärtner. Und der "Dösbartl" (Franz Thierauf) gab zum Besten, wie er die Welt zwar nicht ganz so recht kapiert, sich aber doch ganz schlau durchwurstelt. Über lokale Ereignisse tratschen und philosophierten Helmut (Baumer) & Georg (Spindler) als zwei Diener, die ihren Gästen auch schon mal alkoholfreies Starkbier andrehten.

Die "Stationen einer Partnerschaft" führten Jonas Gleich und Kirstin Kampe mit pantomischer Bravour in einem Sketch vor: Vom Hasi-Schatzi-Mausi-Verliebtsein über den Alltagsstress mit dem Nachwuchs Tscheremi und Schadall bis hin zur schwerhörigen Hä?-Kommunikation im Altersheim.

Harald Hempfling führte vor, wie der Mechanismus von Angebot und Nachfrage den Preis bestimmt, wenn man selbst kein Klopapier hat, der Kollege in der Nachbarkabine aber schon. Und Geld bestimmte auch die Welt beziehungsweise die Reisequalität im Flugzeug in 1. und 2. Klasse: In der ersten wird man individuell bepudert, in der zweiten von einem Stewardessen-Drachen schließlich noch vor der Landung rausgeschmissen.

Und dann ging es voll in die alltägliche Fernsehunterhaltung. Wetten, dass... Sie die das richtige Lied nicht durch Ziehen der Fäden an der "menschlichen Orgel ("da hinten stehen alles Pfeifen")" in der richtigen Reihenfolge zusammen bekommen? Franz Thierauf hatte alle Mühe, mit blonder Gottschalk-Mähne zwei Kandidaten aus dem Publikum zu animieren.

Im Sketch "Bares für Rares" boten Schlauberger einem sachkundigen Händler-Trio ihr Gerümpel an: einen windschiefen Tonkrug "aus dem 16. Jahrhundert", eine zeiger-, äh, zeitlose Uhr "chinesisch, von Por tse Lan", und einen Babberdeckl-Koffer nebst Zubehör, das sich als die Ehefrau herausstellte.

In "Bauer sucht Herzblatt" entschied sich der Zäunger Saubauer schließlich nicht für die schicke Blondine, weil die keinen Schimmer von Landwirtschaft hat. Auch nicht für den Trampel von Rinderzüchterin, die mehr Interesse am Bauern als am Bauernhof hatte. Sondern für die Punk-Lady, weil sie als vormalige Bundeswehr-Ausbilderín den ganzen Sau-Stall ruckzuck im Griff hatte.


Geniales Duo

Als geniales Duo spielten Viola Hildner und Alexandra Gleich zwei Sketche. Zum einen als Urlauberinnen auf einer Wellnessfarm, die es nach 500 Meter Jogging auch mit Yoga versuchtenund dann doch im Café landeten, und als zwei Masseusen, die privaten Frust an ihren Patienten auslassen.

Alles in allem ist der diesjährige Zeungner Schlappenfasching eine höchst gelungene und amüsante Veranstaltung. Wer noch keine Karten hat, hat Pech gehabt: Sämtliche Abende sind total ausverkauft. Und ab Aschermittwoch gibt's nichts mehr zu lachen - vielleicht nächstes Jahr.