Da haben sich die Abzocker genau den Richtigen ausgesucht: Ausgerechnet ein Rechtsanwalt soll mit einer betrügerischen Masche reingelegt werden. Aber Ulrich Gödde geht nicht in die Verwechslungsfalle. Als er Post aus Dubai mit dem dickgedruckten Absender "Gelbe Seiten" bekommt, wird er gleich misstrauisch. Er warnt davor zu unterschreiben: "Das hat nichts mit unserem Branchenbuch zu tun."

Was der Mainleuser Rechtsanwalt bekommen hat, könnte auch bei anderen Selbständigen, Freiberuflern, Handwerkern oder Gewerbetreibenden im Briefkasten oder im Fax liegen. Hier versucht eine dubiose Firma aus Dubai, potentielle Kunden mit dem guten Namen der "Gelben Seiten" zu ködern und verlangt für den Eintrag in ihr "internationales Branchenverzeichnis" fast 2000 Euro für zwei Jahre, was natürlich nur im Kleingedruckten steht. Dort heißt es auch, dass sich der Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert, wenn nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird.

Keine Rückmeldung

Welche Gegenleistung der Kunde bekommt, bleibt offen. Eine Kontaktaufnahme mit DMSE Direct Marketing South East Ltd. ist nur über eine stümperhaft gemachte Internetseite möglich. Und wie nicht anders zu erwarten - bei www.europa.trade meldet sich keiner.

Die Masche ist der Polizei bekannt. "So was kommt immer wieder vor. Da wird versucht, zu täuschen und die Gutgläubigkeit auszunutzen", sagt Peter Neder vom Polizeipräsidium Oberfranken. Gegen die Betrüger werde ermittelt, auch im Ausland. Was sich nach Angaben des Polizeisprechers aber meistens schwierig und langwierig gestaltet.

Immer wieder Trittbrettfahrer

Beim Müller-Verlag in Nürnberg, dessen guter Name missbraucht wird und der die offiziellen "Gelben Seiten" herausgibt, hat man es mehrfach pro Jahr mit solchen Trittbrettfahrern zu tun. "Ein echtes Schreiben von uns erkennen Sie an drei Merkmalen: der Verwendung unseres Logos statt nur eines Schriftzugs, dem Absender Müller-Verlag und der Internet-Adresse www.gelbeseiten.de", so Pressesprecherin Birgit Winter. "Fragwürdige Faxe werfen Sie am besten gleich in den Papierkorb!"

Opfer gibt es viele

Opfer der Abzocker kennt der Mainleuser Jurist zur Genüge. "Die Betrüger wenden sich im Regelfall an kleine Betriebe, Selbständige oder Freiberufler", sagt der Anwalt. "Ich habe permanent Betroffene hier sitzen, die mal schnell was unterschrieben haben, ohne genau hinzuschauen."

Gödde zufolge handelt es sich dieses Mal ("ist brandneu") um einen besonders dreisten Anbieter, der richtig saftig zulangt. Obwohl kein allgemeines Rücktrittsrecht besteht, wenn man unterschrieben hat, sei es aber gut möglich, sich gegen die Betrüger zu wehren. "Hier gibt es eine klare Rechtsprechung: Das ist sittenwidrig und Abzocke und daher nicht wirksam. Vielfach kommt man aus der Sache raus", erklärt der Experte. Unzulässig sei, dass nur "klein und versteckt" auf Kosten und Vertragslaufzeit hingewiesen wird.

Mahnbescheid droht

Als Betroffener müsse man auf jeden Fall reagieren und sich dabei am besten auch juristisch beraten lassen. Gödde: "Nicht zu reagieren, halte ich für falsch. Diese Firmen scheuen sich nicht, einen Mahnbescheide rauszuschicken. Wenn man nichts unternimmt, kommt ein Vollstreckungsbescheid, der schließlich rechtskräftig wird. Und dann zahlt man, auch wenn die Forderung eigentlich nicht besteht."