Zum Tag der Entgeltgleichheit hatte das Kulmbacher Aktionsbündnis "Equal Pay Day"zu einem szenischen Abend ins Theater Baumann geladen. "Normalerweise findet hier einmal im Monat der sogenannte Experimittwoch statt", sagte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Heike Söllner. "Heute haben wir unser eigenes Experiment gewagt."

Frauen arbeiten ein Vierteljahr "umsonst"

21 Prozent verdienen Frauen im Schnitt weniger als Männer, umgerechnet in Stunden bedeutet das, dass sie bis zum 18. März eines Jahres quasi umsonst arbeiten. Damit belege Deutschland im internationalen Ranking einen der hinteren Plätze.

"Wer bestimmt, was wir verdienen? Sind Frauen am Ende selbst schuld? Wie stehen Männer zu dem Thema? Und gibt es typisch männliches und weibliches Kommunikationsverhalten?" Bis auf den letzten Platz war der Theaterraum besetzt, Frauen jeden Alters und auch einige Männer waren gespannt auf die Antworten zu diesen Fragen.

Typisch männlich - typisch weiblich

Die beiden Schauspieler Marsha Cox und Rüdiger Baumann verdeutlichten in Szenen aus Alltag und Beruf Stereotypen, stellten "typisch weibliche" und "typisch männliche" Verhaltensweisen an den Pranger, erklärten Ursachen und Alternativen.

"Die einzige Überlegenheit der Männer liegt in der körperlichen Kraft", sagte Baumann. "Wir glauben, alle Erwartungen erfüllen zu müssen", stellte Cox in den Raum. Die beiden haben im Vorfeld wochenlang recherchiert und diskutiert und waren sich darin einig: Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb die Arbeit von Frauen ausgedrückt in Geld weniger wert sein sollte.

"Und nicht nur, dass Frauen weniger verdienen", sagte Marsha Cox. Sie würden für viele Produkte auch noch mehr bezahlen. "Das ist das sogenannte Gender-Pricing", erklärte Rüdiger Baumann. So koste die Reinigung einer Damenbluse mehr als die für ein Herrenhemd, ein Damenhaarschnitt sei teurer als ein Herrenschnitt und selbst beim Einmalrasierer zahle "frau" 35 Prozent mehr für das baugleiche Modell.

Kommunikation ist wichtig

Kommunikation sei wichtig, wenn es darum gehe, eine Gehaltserhöhung durchzusetzen. "Es geht die Legende um, dass Männer und Frauen eine andere Sprache haben", sagte Baumann, "und das stimmt!" Frauen versuchten empathisch zu sein, Verständnis zu schaffen, sie seien dazu da auszugleichen, redeten viel im Konjunktiv. "Frauen müssen nicht zu Männern werden, um erfolgreich zu sein, bitte nicht! Das sage ich als Mann", beschwor Baumann.

"Seit 2011 kämpfen wir, um auf die Missstände aufmerksam zu machen", sagte stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Sie dankte allen Frauen, die für die Gleichberechtigung kämpfen und zitierte eine Passage aus dem "Handbuch für eine gute Ehefrau" von 1955.

Zum Aktionsbündnis "Equal Pay Day" gehören die Gleichstellungsstelle am Landratsamts, die Beratungsstelle für Arbeitslose, der DGB-Kreisvorstand, das Mehrgenerationenhaus in Mainleus und der VdK- Kreisverband.