Beim Rundgang und der Mitfahrt auf dem Führerstand einer Lok geriet der Landesbischof ins Schwärmen: "Das ist ein wunderbarer Ort, und ich finde es toll, dass wir hier im Lokschuppen einen Gottesdienst gefeiert haben."
Und der war für Heinrich Bedford-Strohm auch in anderer Hinsicht bewegend, weil es eine Familiengeschichte gibt, die ihn mit Neuenmarkt verbindet: Seine Großmutter Maria Strohm ist als Mädchen mit einem Zug auf der "Schiefen Ebene" von Marktschorgast nach Neuenmarkt gefahren. Dabei versagten die Bremsen der Dampflok, und der Zug raste immer schneller talwärts. Irgendjemand in Neuenmarkt hat geistesgegenwärtig die Weichen so umgestellt, so dass der Zug durchrasen konnte. "Dadurch ist meine Großmutter vor einem großen Unglück bewahrt worden. Wenn der Mensch damals nicht so gehandelt hätte, würde es mich gar nicht geben. Daran habe ich heute gedacht."

Rund 1000 Besucher

Rund 1000 Gläubige waren der Einladung zum Dekanatsgottesdienst gefolgt. Die Besucher kamen nicht nur aus dem Landkreis, sondern auch von außerhalb. Zum Beispiel Andrea Oetter: "Ich arbeite in der Diakonie in Bayreuth und wollte einfach einmal unseren Landesbischof persönlich hören. Im Gottesdienst hat mir die Musikauswahl gefallen. Ich gehe jetzt motiviert und beschwingt nach Hause."

Christine Peetz hat als Dekanatsekretärin keine besondere Motivation gebraucht: "Ich war schon im letzten Jahr in Trebgast dabei und wollte natürlich auch Herrn Bedford-Strohm gern hören. Die Predigt war exzellent, die Musik wunderschön. Und natürlich auch der Ort mit dem einmaligen Lokschuppen."

Laut Dekan Jürgen Zinck, der den Landesbischof herzlich willkommen hieß, wurde der Gottesdienst vom Dekanat auch als regionaler Beitrag zum "Tag der Franken" angesehen. Dazu stellte Bedford-Strohm fest: "Das ist kein Tag des Hochmuts, an dem die Franken den Schwaben, den Ober- und Niederbayern oder den Oberpfälzern sagen müssten: Wir sind besser als ihr. Es ist vielmehr der Tag der Liebeserklärung an Franken. Es ist der Tag, an dem wir sagen können: Danke lieber Gott, dass Du uns unsere Heimat gegeben hast."

Die Ehe als Zukunftsmodell

Auch die Worte, die für den Predigttext nach Jesaja vorgegeben sind, bezeichnete der Landesbischof als eine der schönsten Liebeserklärungen. Er ging dabei auf die Ehe als Leitbild und Zukunftsmodell ein, weil sie die geschichtlich gewachsene und rechtlich verlässliche Form ist, in der Menschen verbindlich miteinander leben können. Dass Menschen immer wieder an der Ehe scheitern, nehme nichts davon weg. "Und wenn sie ihr Scheitern verarbeiten, wieder heiraten und glücklich werden, dann kann man sich nur darüber freuen."
Notwendig sei auch die Diskussion, die über das neue Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geführt werde. Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, Treue und Rücksicht auf Schwächere müssten die Maßstäbe für alle Lebensgemeinschaften sein. Und für die evangelische Kirche sei es entscheidend, dass die Wertmaßstäbe christlichen Lebens, die auf der Basis der biblischen Grundorientierung vertreten werden, die Menschen auch wirklich erreichen.

Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn war überzeugt, dass es gut ist, den Dekanatsgottesdienst an wechselnden Standorten anzubieten: "Weil die Kirchengemeinden die Möglichkeit haben, sich in irgendeiner Form zu präsentieren - wie hier mit dem DDM. Dem pflichtete auch der Wirsberger Pfarrer Peter Brünnhäuer bei: "Natürlich zieht unser Landesbischof die Menschen an, aber ich denke, das besondere Ambiente des Dampflokomotiv-Museums war auch ein Grund für den guten Besuch. Pfarrer Wolfgang Oertel aus Untersteinach hat zum DDM eine besondere Einstellung: "Man braucht Events und Highlights, damit man einmal so ein Gemeinschaftserlebnis an einem besonderen Ort hat. Das Dampflokomotiv-Museum hat einfach Flair. Ich bin richtig stolz darauf, dass der Landesbischof hierher gekommen ist."

Ein besonderer Tag war es nicht zuletzt für Landrat Klaus Peter Söllner: Er las das Evangelium. Die Anwesenheit von Landesbischof Heinrich Bedford Strohm sah er als Auszeichnung für das Dekanat und den Landkreis Kulmbach. Mit Blick auf das Liedblatt stellte der Landrat fest: "Der schwarze Riese kommt zu den schwarzen Riesen, und wenn der Landesbischof kommt, dann raucht es."

Die musikalische Ausgestaltung hatten der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Hermann Weiß und Esther Heller sowie das TonART-Vokalensemble unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn übernommen.