Wenn Siegfried Retsch in Zukunft Bier trinkt, wird er dies ein wenig anders tun als bisher. Genau wie weitere Leser unserer Zeitung durfte er im Rahmen der Aktion "Abo plus" am Samstag an einem Bierseminar im Bayerischen Brauereimuseum teilnehmen und weiß jetzt nicht nur, welcher Aufwand bei der Herstellung des edlen Gerstensafts betrieben werden muss. Nein, er hat auch gelernt, dass Aussehen und Geruch ebenso eine Rolle beim Biergenuss spielen wie der Geschmack.

Braumeister Robert Bose versorgte seine Gäste aber nicht nur mit theoretischem Wissen. In seiner Museumsbrauerei zeigte er ihnen auch, wie die Maische aus Malz und Wasser nach ihrer Läuterung zur Würze wird, die durch den Zusatz von Hefe letztlich den Grundstoff des Bieres bildet. Acht Hektar davon kann Bose herstellen - ein Bruchteil des Ausstoßes der Kulmbacher Brauerei, die alle zwei Stunden 600 Hektoliter braut.

Hermann Nothhaft, Leiter Technologie und Qualitätssicherung des Unternehmens, lüftete ein paar Geheimnisse dieses Kulmbacher Bieres. "Bier", verdeutlichte er den Seminar-Teilnehmern, "besteht aus Wasser, Malz, Hopfen, Hefe - und Erfahrung." Dass der Diplom-Ingenieur die nach rund 30 Jahren hat, zeigte er bei seinem mit Anekdoten gewürzten Vortrag.

Die Gäste durften auch fünf verschiedene Biersorten verkosten. Bernd Mohrand hatte das bisher nur mit Wein tun können - er arbeitet beim Staatlichen Hofkeller in Würzburg und hat sich schon als Schüler mit dem Bierbrauen in seiner Facharbeit befasst. Um so begeisterter war er von dem Tag im Museum.

Kein Wunder, dass er dann auch einige Fragen beantworten konnte, die Torsten Herrmann nach dem Servieren des Mittagessens im Mönchshof-Bräuhaus zum Thema "Kochen mit Bier" stellte. Der Eigengeschmack des Gerichts darf durch den Gerstensaft nicht überdeckt werden - soweit die Theorie, die die Seminarteilnehmer bei Brotbiersuppe und Bierfleisch mit Klößen überprüfen konnten.

Hervorragende Rohstoffe, die heimischen Felsenkeller, die freizügige Vergabe von Braurechten - und der Bahnanschluss ab dem Jahr 1848 machten aus Kulmbach eine Stadt, in der das Bier rasche eine große Bedeutung gewann - was bis heute so ist, wie Martin Ständner vom Brauereimuseum verdeutlichte. Er nahm die Besuchern auch auf einen kurzen Rundgang durch einen Teil seiner Einrichtung mit, ehe deren neu erworbenes Wissen mit einer offiziellen Urkunde bestätigt wurde. Siegfried Retsch weiß nun auch, dass der Schaum nichts mit dem Geschmack des Bieres zu tun - er ist vielmehr ein für das Aussehen wichtiger Aspekt. "Denn das Auge", betonte Braumeister Robert Bose augenzwinkernd, "trinkt ja bekanntlich mit."

Öffnungszeiten Das Bayerische Brauerei- und Bäckereimuseum ist geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Adresse Es ist in der Hofer Straße 20 in Kulmbach zu finden und erreichbar unter Telefon 09221/80514. Mehr Informationen gibt es auch im Internet.