Um 20.39 Uhr wurde es mucksmäuschenstill im Kurhaus von Bischofsgrün: 120 Delegierte der CSU und zwei Kandidaten warteten am Dienstagabend gespannt, dass Versammlungsleiter Reinhold Rott das Ergebnis bekanntgeben würde. 88 Stimmen für Martin Schöffel, nur 30 für Ludwig von Lerchenfeld. Zwei Stimmen waren ungültig.

Der junge Wunsiedler CSU-Abgeordnete konnte sich über ein grandioses Ergebnis freuen: Er wird nächstes Jahr bei der Landtagswahl für die CSU im neuen Stimmkreis Wunsiedel-Kulmbach antreten und versuchen, das Direktmandat zu holen. "Wir werden ein gutes Miteinander haben in dem großen Stimmkreis. Wir werden es schaffen, dass die Menschen von Schirnding bis Wonsees sagen, das ist unser Abgeordneter", sagte der 35-Jährige.

Als fairer Verlierer und Demokrat erwies sich Ludwig von Lerchenfeld. Der Baron aus Heinersreuth bei Presseck, den der Kulmbacher CSU-Kreisvorsitzende und Oberbürgermeister Henry Schramm vorgeschlagen hatte, gratulierte als erster seinem Landtagskollegen "zu dem hervorragenden und eindeutigen Ergebnis".

Allerdings machte der Kulmbacher Abgeordnete, der vor einem Jahr für den Lichtenfelser Landrat Christian Meißner in den Landtag nachgerückt war, auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: Er musste erkennen, dass er in seinem CSU-Kreisverband nicht den nötigen Rückhalt hat. Knapp die Hälfte der 57 Kulmbacher Delegierten hatte ihn nicht gewählt. Die Delegierten aus Wunsiedel (52) und aus den fünf Bayreuther Fichtelgebirgsgemeinden Bad Berneck, Bischofsgrün, Fichtelberg, Gefrees und Mehlmeisel (11) hatten offenbar alle für Schöffel gestimmt.

"Ich erwarte schon, dass die Kulmbacher geschlossen hinter mir stehen", hatte der Baron aus dem Frankenwald im Vorfeld gesagt. Am Dienstagabend in Bischofsgrün war er chancenlos.

Politkrimi im Vorfeld der Nominierung

Hinter den Kulissen spielte sich im Vorfeld der Nominierung ein Politkrimi ab. Das Duell zwischen Schöffel und Lerchenfeld sorgte immer wieder für Gesprächsstoff. Der Baron stellte sich in den Wunsiedler und Bayreuther CSU-Ortsveränden vor, Schöffel unternahm eine Tour durch den Kulmbacher Raum.

Ganz offensichtlich hat der 55-jährige Pressecker in der heimischen CSU nicht nur Freunde. Offen gesagt hatte es niemand, gemunkelt wurde aber, dass wahrscheinlich auch Kulmbacher Delegierte den Baron nicht wählen. Doch dass es so viele werden, hatte wohl kaum jemand erwartet.

Kulmbach ist für Schöffel, der aus einer Brauerfamilie stammt und in der Hönicka-Bräu Wunsiedel aufgewachsen ist, kein unbekanntes Terrain, im Gegenteil. Während seines Studiums der Land- und Betriebswirtschaft machte er gleichzeitig eine Brauerlehre ("mein eigenes duales Studium") und besuchte die Brauerklasse der Kulmbacher Berufsschule. Außerdem arbeitete er von 2004 bis 2008 bei der Firma Ireks. Schöffel: "In der Zeit hatte ich auch eine Wohnung in Kulmbach."

Bezirkstag: Schramm tritt an

Bei der Nominierungsversammlung wurde auch der CSU-Kandidat für den Bezirkstag bestimmt. Man hatte sich im Vorfeld darauf geeinigt, dass hier der CSU-Kreisverband zum Zuge kommt, der nicht den Landtagskandidaten stellt. Entsprechend verzichtetet der Wunsiedler Landrat und amtierende Bezirksrat Karl Döhler und schlug den Kulmbacher Oberbürgermeister und Bezirkstagsvizepräsident Henry Schramm vor. Er konnte ein eindeutiges Ergebnis für sich verbuchen. Von den 119 abgegebenen Stimmen entfielen 109 auf Schramm, sechs waren ungültig, nur vier Delegierte sprachen sich gegen den Kulmbacher aus.