Die früheren Geschäftsführer der Kuspi (ehemals Kulmbacher Spinnerei in Mainleus), der Schweizer Marco Marchetti und Jürgen Knecht, müssen sich wegen Insolvenzdelikten verantworten. Das bestätigte Leitender Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt aus Hof.

Allerdings geht es nicht um die Pleite der Kuspi, sondern um die Insolvenz der Spinnerei Arlen in der Nähe des Bodensees. Dieses ebenfalls zahlungsunfähig gewordene Unternehmen hatte seine Geschäftsräume und den offiziellen Sitz in der Kuspi in Mainleus.

Auch bei der Spinnerei Arlen waren Knecht und Marchetti Geschäftsführer gewesen. Gegen die beiden sind Strafverfahren eingeleitet und Strafbefehle erlassen worden. Knecht hat den Strafbefehl akzeptiert. Damit ist das Verfahren gegen ihn rechtskräftig abgeschlossen.

Marchetti hat dagegen Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Deshalb findet am 5. Mai um 13 Uhr vor dem Hofer Amtsgericht eine Verhandlung gegen Marco Marchetti statt. Der Vorwurf lautet hier "Bankrott". Marchetti soll es unterlassen haben, Bilanzen aufzustellen, während sich das Unternehmen in Schieflage befunden hat.
Leitender Oberstaatsanwalt Schmitt geht davon aus, dass Marchetti an der Verhandlung teilnehmen wird, "sonst kann der Einspruch verworfen werden". Je nach Schwere der Delikte droht eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis fünf Jahre.

Ermittlungen wegen des Verdachts von Insolvenz- und Vermögensdelikten

Wie Schmitt weiter bestätigte, gibt es auch im Zusammenhang mit der Kuspi Ermittlungen wegen des Verdachts von Insolvenz- und Vermögensdelikten.

Wie es indes mit dem Gelände der Kuspi in Mainleus weiter geht, steht noch in den Sternen. "Die Abwicklung läuft weiter", betonte Insolvenzverwalter Bastian Messow von der Frankfurter Kanzlei Brinkmann & Partner. Es gebe Gespräche in alle Richtungen, was man mit dem Grundstück anfangen könne.

Messow ist nicht nur Insolvenzverwalter der Kuspi, sondern auch der Spinnerei Arlen. Dort sei die Produktion im Oktober 2012 eingestellt worden, bis Ende des Jahres habe ein Restverkauf stattgefunden. 2013 wurde der Maschinenpark versteigert. "Der Betrieb ist stillgelegt, allen Mitarbeitern wurde gekündigt. Es hat sich mit Blick auf die Marktlage und das Alter der Maschinen kein Investor gefunden", stellt Messow fest.

Die Kulmbacher Spinnerei hatte jahrelang ums Überleben gekämpft. Marco Marchetti war 2011 als Investor eingestiegen.


Die Chronik der Kulmbacher Spinnerei


Gründung Die Kulmbacher Spinnerei wird 1863 gegründet. 1908 wird das Zweigwerk in Mainleus errichtet. In Spitzenzeiten sind 4000 Menschen beschäftigt.

1970 3330 Mitarbeiter.

1993 240 der 780 Mitarbeiter wird gekündigt, die Produktion wird nach Mainleus verlagert.

2010 Die Spinnerei meldet Insolvenz an. In Mainleus sind 227 Menschen beschäftigt.

Oktober/November 2011 Die Schweizer Firma Nexis Fibers übernimmt die Spinnerei, die noch 150 Mitarbeiter zählt.
September 2012 Die Nachfolgefirma Kuspi meldet Insolvenz an. Dem Investor aus der Schweiz wird mit die Schuld dafür gegeben. Er habe keine Bemühungen unternommen, den Betrieb zu retten, hieß es damals.

Dezember 2012 Im Dezember schließt die Spinnerei, die Färberei macht aber vorerst weiter.

März 2013 Jetzt ist auch die Färberei nicht mehr zu retten. Fehlende Aufträge und die hohen Energiekosten besiegeln das Ende des Traditionsunternehmens, das 150 Jahre alt geworden wäre.