Während des Ersten Weltkriegs haben gefangen genommene Offiziere auf der Plassenburg den Korso eines stehenden Kriegers in antiker Tracht ausgegraben. Die Statue lag in dem Bauschutt der abgetragenen hohen Bastei.

"In den Schutt gestürzt"

Heinrich Mader widmete sich in seinem 1933 erschienenen Buch "Bau- und Kunstgeschichte der Plassenburg" auch diesem Steinbildwerk. Er schloss aus dem Fundort zweierlei: Zum einen, dass die Figur wohl "zur Zeit einer kriegerischen Handlung, in der es an jedem künstlerischen Verständnis mangelte, in den Schutt gestürzt" worden war; zum anderen, dass der ursprüngliche Aufstellungsort in der Nähe des Fundorts vermutet werden konnte.

Auf den wenigen Zeichnungen der Bastei ist eine Figur erkennbar, die von zwei Steinsäulen flankiert wird, die sich nach oben verjüngen. In einer Beschreibung von Dorfmüller aus dem Jahre 1816 ist erwähnt, dass an der Ostseite der Bastei eine Bildsäule des Erbauers (1653 Markgraf Christian) mit einer verblichenen Inschrift und dem brandenburgischem Wappen angebracht war. Beim Abbruch der Bastei im 19. Jahrhundert wurde auch das Bildwerk zerstört.

Bis zu diesem Zeitpunkt stand es hoch oben an der abgerundeten Seite zum Buchwald hin, als Besitzzeichen des Markgrafen. Der Zeit entspricht wohl auch eine Schrifttafel mit Angaben zum Bauherrn und zum Zeitpunkt der Errichtung.

Von Obelisken flankiert

Beiderseits war das Bildwerk flankiert von je einem Obelisken. Glücklicherweise wurde die Figur nach dem Ausgraben aus dem Schutt mit einem neuen Sockel versehen und wieder aufgestellt.

Besucher der Plassenburg, die mit ihren Museen und hervorragenden Führungen lockt, haben die Möglichkeit, das Steinbildnis nun eingehender zu betrachten. Leider ist die Inschrift auf dem Sockel mit dem Hinweis auf ihre Wiederaufstellung nur noch schwer lesbar. Dort steht: "Aufgestellt Im Septr 1918 vom K. Offiz. Gef. Lager Plassenburg".

In aufrechter, stolzer Haltung steht eine vollplastisch gearbeitete, antike Kriegergestalt vor dem Betrachter, der Blick ist in die Ferne gerichtet. Die Figur wurde aus einem Steinblock gefertigt. Was die beiden Arme hielten, kann nur erahnt werden. Am rechten Arm könnte ein Marschallstab angebracht, der linke in die Hüfte gestützt gewesen sein.

An der linken Seite trägt der Krieger ein kurzes Schwert an einem verzierten Gürtel. Auf der Mitte des Brustharnisches zeigt sich ein Palmettenmotiv, von dem aus nach beiden Seiten die gezahnten Ränder des Schultergewandes sichtbar sind. Die Palmette ist ein Schmuckmotiv, das ein Blatt der Fächerpalme darstellt. In der damaligen Vorstellung galt diese als Lebensbaum.

Kopfschmuck stark beschädigt

Leider ist der Kopfschmuck stark beschädigt, so dass nur wenige Haarlocken unter dem Helm schwach erkennbar sind. Ansonsten trug er einen Schnurrbart. Der Krieger ähnelt den Figuren am Christians-Portal. Er könnte vom gleichen Bildhauermeister stammen, der auch die Legionäre dort geschaffen hat.

Der Schuppenrock wie auch die Fußbekleidung bestärken diese Vermutung. Um letzte Zweifel zu widerlegen, betrachten wir die Vorderseite der Plinthe (schmale Fundamentplatte). Dort entdecken wir eingemeißelt das Monogramm HW für Hans Werner. Dieser Bildhauer des Frühbarock (geboren um 1560, gestorben 1623) schuf unter anderem das Portal der hohen Bastei (1607). Um diese Zeit könnte auch unser Krieger entstanden sein.

Dargestellt sein dürfte der Erbauer der hohen Bastei, Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth (1581 - 1655).

Diesen Bericht konnten wir fußend auf den hervorragenden Nachforschungen von Heinrich Mader schreiben.