Für den Betrachter sind die Fachwerkwürfel aus Kiefernholz schlicht und unscheinbar. Doch für Kristin Loehr, die sie erschaffen hat, steckt ein tieferer Sinn dahinter: "Mit meinen Kuben kann man auf einfache und einprägsame Weise das Grundprinzip eines Netzwerkes erläutern. So wie bei einem Fachwerk aus geraden und starren Stäben, die alle miteinander verbunden sind, ein tragfähiges Grundgerüst entsteht, so entsteht ein solches auch in einem menschlichen Netzwerk, wo sich viele Personen gegenseitig unterstützen."

Malerei, Objektkunst, Fotografie

Einem solch menschlichen Netzwerk hat die vielseitig begabte Künstlerin aus Essen, die zwischen Malerei, Objektkunst, Fotografie und Video hin und herpendelt, einen Preis zu verdanken: Sie ist die erste Preisträgerin des vom Kulmbacher Kunstverein neu geschaffenen und mit 3000 Euro dotierten Hans-von-Kulmbach-Preises, der gestern im Festsaal der Plassenburg verliehen wurde. "In diesem Werk sind die drei Raumrichtungen eindeutig und ausdrucksstark dargestellt: die Vertikale, die Horizontale und die Diagonale. Die vielfältige und intelligente Ausdrucksweise dieser drei Richtungen stellen eine tiefgreifende Verbindung zur Kultur des Fachwerkes in Franken dar und bilden dadurch eine Verbindung zum Namensgeber dieses Preises, Hans von Kulmbach", hob Vorsitzender Karl-Heinz Greim in seiner Laudatio hervor.

Der Kunstverein Kulmbach habe die heimische Kulturszene um eine bedeutende Facette erweitert, sagte stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann, der zugleich klarstellte: "Die Kultur ist ein hohes Gut, das wir nicht auf dem Alter der Gewinnoptimierung opfern dürfen." Dazu trage der Kulturverein sein Scherflein bei. Für Festrednerin Mary-Anne Kyriakou, die an der Universität Detmold als Professorin für Lichtgestaltung lehrt, ist der Kunstverein Kulmbach ein wertvolles Netzwerk, das heimischen Künstlern eine Plattform für ihre Kreativität biete und als Multiplikator in die Gesellschaft hineinwirke.

Greim: "ein ehrgeiziger Beitrag"

Eine Sichtweise, die Greim in seinen Ausführungen teilte: "Wir versuchen mit dem Baustein Kunst in dem breiten Spektrum der Kultur einen ehrgeizigen Beitrag zu leisten für unsere Stadt, für unseren Landkreis und weit darüber hinaus." Worte des Dankes richtete er an seine tatkräftigen Mitstreiter im Verein und an all jene, die den Verein in den vergangenen Jahren ideell und finanziell unterstützt hatten.

Im Anschluss an die Feierstunde, die vom Veitlahmer Alphorn Trio mit seinen majestätischen Klängen und einer gespenstisch anmutenden Performance aus Licht, Tanz und Musik von Ingo Bracke, Nadine Seeger und Cornelius Pöpel umrahmt wurde, tauchten die Teilnehmer in die Welt der Kunst ein. Sie durchschritten in der großen Hofstube der Plassenburg das Zimmerobjekt "Verstrickung" von Susanne Hanus aus Penzberg und steuerten geradewegs auf die drei Würfel der Preisträgerin zu, die Bestandteil der dritten internationalen Ausstellung des Kunstvereins Kulmbach sind, die den Titel trägt "Netzwerk - Network".

Und was bedeutet Kristin Loehr die Auszeichnung? "Sie ist für mich große Verpflichtung, auf meinem künstlerischen Weg ernsthaft weiter zu gehen."

Namensgeber: Hans Suess von Kulmbach wurde 1480 in Kulmbach geboren und starb 1522 in Nürnberg. Das künstlerische Schaffen des Mannes, der sich an Arbeiten Albrecht Dürers orientierte, war auf Szenen aus der Bibel ausgerichtet. Zu seinen Hauptwerken gehören der Tuchersche Alter im Chor der Sebalduskirche.

Hauptpreis:
Kristin Loehr aus Essen ("Netzwerk Fachwerk"/Kuben aus Kiefernholz)

Lobende Erwähnung: Angelika Gigauri aus Kulmbach ("New York Connection III"/Tusche auf Papier), Peter Schoppel aus Gundelsheim ("Netzwerk natur"/Bleistift auf Papier), Susanne Hanus aus Penzberg ("Verstrickung"/Zimmerobjekt), Harun Kloppe aus Mainz ("Fünfte Jahreszeit" und "Vernetzt"/Skulpturen aus Acryl) sowie Ingo Bracke aus Berlin, Nadine Seeger aus Riehen und Cornelius Pöpel aus Ansbach (Performance).

Ausstellung: Der Wettbewerb bildet die Grundlage für die dritte internationale Ausstellung des Kunstvereins Kulmbach. Insgesamt 74 Künstler aus 13 Ländern haben sich am Wettstreit beteiligt. Bis zum 2. November sind ihre Werke in der großen Hofstube der Plassenburg zu sehen. stö